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Cloppenburgs größte Kompensationsfläche: "Den Boden will kein Bauer haben"

Auf einer 37 Hektar großen Fläche in Staatsforsten gleicht die Stadt seit 20 Jahren Eingriffe in die Natur aus. Zwei Naturschützer pflegen eine Streuobstwiese und retten die Bäume vor dem Verdursten.

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Frank Plaspohl (Stadt Cloppenburg, links), Luzia und Werner Landwehr (NABU) und Bürgermeister Neidhard Varnhorn. Foto: Völtz/Stadt Cloppenburg

Frank Plaspohl (Stadt Cloppenburg, links), Luzia und Werner Landwehr (NABU) und Bürgermeister Neidhard Varnhorn. Foto: Völtz/Stadt Cloppenburg

Luzia und Werner Landwehr kämpfen um ihre Obstbäume. Vor zehn Jahren haben sie 24 Bäume in Staatsforsten angepflanzt, unter anderem alte Quitten-, Pflaumen- sowie Apfelsorten. Eigentlich ist der Standort denkbar schlecht geeignet: Der Boden ist sandig und trocken. "Einen Wassergraben gibt es hier weit und breit nicht", sagt Werner Landwehr. Die alten Sorten kämen mit den widrigen Bedingungen noch am besten zurecht. 

Die Landwehrs sind Mitglieder des Naturschutzbundes (Nabu) und kümmern sich ehrenamtlich um die Streuobstwiese. Diese ist Teil der größten, 37 Hektar umfassenden Kompensationsfläche der Stadt Cloppenburg. Denn dort, wo die Stadt der Natur Flächen nimmt, muss sie sie an anderer Stelle wieder ausgleichen. Für die Stadt seien die Ausgleichsflächen wichtig, "denn die innerstädtische Bebauung wird immer dichter", sagt Bürgermeister Neidhard Varnhorn (CDU). Die Stadt hat die Fläche um die Jahrtausendwende sozusagen auf Vorrat erworben. Mit der Zeit konnte sie 42 Eingriffe in die Natur (zum Beispiel Straßenbau) mit ihr kompensieren. Noch ist die Fläche nicht komplett verbraucht. Ein Baugebiet sei noch drin, erklärt Frank Plaspohl vom zuständigen Fachbereich der Stadtverwaltung.

„Den Boden will kein Bauer umsonst haben“Werner Landwehr

"Die Fläche ist besonders wertvoll, weil seltene Tier- und Pflanzenarten hier ein zuhause finden", sagt Plaspohl. Wildbienen, Zauneidechsen und Lerchen tummeln sich hier, aber auch Flechten, Moose und Heide sind keine Seltenheit. Neben der Streuobstwiese umfasst die Fläche eine weitläufige Magerrasenfläche und kleinere Laubwälder. Insgesamt ein seltenes Biotop. Trotzdem ist Werner Landwehr sich sicher: "Den Boden will kein Bauer umsonst haben." Zu karg, zu sandig und  zu trocken, der Ort sei sogar die trockenste Ecke im Oldenburger Land, glauben die Landwehrs. Sie sprechen von einer "Ruderalfläche".

Und doch investieren sie zusammen 600 Stunden Arbeit im Jahr in ihre Streuobstwiese. Die größte Mühe macht ihnen die Trockenheit. Einen 1000-Liter-Wasserbehälter haben sie in den Dürresommern 2018 und 2019 hin und her gekarrt, um die Bäume vor dem Verdursten zu retten. Irgendwann einmal sollen die dem seltenen Steinkauz ein Zuhause bieten. "Er brütet in Hohlräumen", erklärt Werner Landwehr. Diese finden die kleinen Eulen zum Beispiel in abgebrochenen Ästen oder wenn die Bäume sterben und die Stämme hohl werden. Aber auch jetzt schon beobachten die Landwehrs seltene Tiere. Zum Beispiel die Kamelhalsfliege oder die Hosenbiene, die Luzia Landwehr entdeckt hat. "Im Sommer blüht hier ein buntes Blumenmeer", sagt sie: "Jedes Jahr wächst etwas anderes, je nachdem, wie das Wetter ist." 

Erste Ernte zu Saft verarbeitet

Ohne das Engagement der Familie Landwehr wäre der Erhalt dieser Streuobstwiese nicht möglich, sagt Plaspohl. In diesem Jahr konnten die Landwehrs erstmals die Früchte ihrer Arbeit ernten, auch weil der Sommer nicht so trocken war, wie die Jahre davor. Das Obst haben sie zu Saft verarbeitet. Bis die Bäume dem Steinkauz einmal ein Zuhause bieten, müssen sie noch viele Jahre wachsen. Ganz so lang wollen sich die Landwehrs aber nicht gedulden. Über dem Insektenhotel haben sie der Eule einen Hohlraum gelassen. Vielleicht brütet der Kauz dort ja schon im kommenden Frühling.

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