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CDU-Prüttessen: Laumann fordert Solidarität für Corona-Verlierer

Der NRW-Gesundheitsminister sagte, von der Krise betroffene Menschen hätten einen Anspruch auf Unterstützung. An der Digital-Variante des CDU-Stadtverbandes Lohne nahmen etwa 100 Gäste teil.

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Das soziale Gewissen der CDU: Der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann hat beim "Digitalen Prüttessen" der CDU Lohne über die Corona-Pandemie und ihre Folgen gesprochen. Screenshot: Timphaus

Das soziale Gewissen der CDU: Der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann hat beim "Digitalen Prüttessen" der CDU Lohne über die Corona-Pandemie und ihre Folgen gesprochen. Screenshot: Timphaus

Corona verändert alles: Auf den Löffeltrunk zu Beginn und das deftige Prüttmahl zum Abschluss wollte so mancher Teilnehmer nicht verzichten. Ansonsten war beim Neujahrsempfang 2021 des CDU-Stadtverbandes Lohne aber vieles anders. Die Traditionsveranstaltung fand als "Digitales Prüttessen" in einer Videokonferenz statt. 

An die Rekordzahl aus dem Vorjahr, als der Auftritt des bekannten CDU-Innenpolitikers Wolfgang Bosbach etwa 270 Gäste auf den Hof Seggewisch in Märschendorf lockte, kam die Online-Variante naturgemäß nicht heran. Aber immerhin durfte der CDU-Stadtverbandsvorsitzende Dr. Benedikt Olberding zu Beginn des Events etwa 100 Menschen begrüßen.

Olberding nutzte die von den Lohner Christdemokraten im Vorfeld verteilten Prütt-Pakete - es waren exakt 100 Portionen -  als Indikator. Während der Videokonferenz selbst waren in der Spitze indes nur rund 70 Teilnehmer zu verzeichnen, wohl auch, weil sich vor einigen Bildschirmen mehrere Personen versammelt hatten.

Während der Videokonferenz selbst waren in der Spitze rund 70 Teilnehmer zu verzeichnen, wohl auch, weil sich vor einigen Bildschirmen mehrere Personen versammelt hatten. Screenshot: TimphausWährend der Videokonferenz selbst waren in der Spitze rund 70 Teilnehmer zu verzeichnen, wohl auch, weil sich vor einigen Bildschirmen mehrere Personen versammelt hatten. Screenshot: Timphaus

Für Tobias Gerdesmeyer war es das 10. CDU-Prüttessen als Bürgermeister der Stadt Lohne. Es könnte das vorerst letzte Mal gewesen sein, dass er in dieser Funktion teilnahm. Der 47-jährige Volljurist bewirbt sich um die Landratskandidatur für die CDU im Landkreis Vechta. Es gibt bisher keinen weiteren Bewerber.

Gerdesmeyer ging in seiner Begrüßung kurz darauf ein, dass die Stadt Lohne im abgelaufenen Jahr mit Gewerbesteuereinnahmen von circa 23 Millionen Euro einen neuen Rekord verzeichnen konnte. "Wir sollten jetzt nicht übermütig werden und erst einmal abwarten, wie die Krise weitergeht. Trotzdem ist es schön, dass der Lohner Wind in unseren Betrieben auch Corona trotzt."

Lohner Firma an Kita-Neubau maßgeblich beteiligt

Der Bürgermeister gab einen Überblick über die geplanten Investitionen, von denen besonders die Erweiterung und Sanierung der Gertrudenschule mit 6,5 Millionen Euro zu erwähnen ist. An der Von-Stauffenberg-Straße sei der Bau der neuen Kindertagesstätte St. Anna gestartet. Am Neubau in Holzrahmenbauweise sei mit der Zimmerei Rottinghaus auch ein Lohner Betrieb maßgeblich beteiligt.

Gerdesmeyer richtete den Blick nach Brockdorf, wo neben dem Neubau des Feuerwehrhauses in diesem Jahr das zweistufige Projekt zur Anlegung neuer Kunstrasenplätze beim Sportverein Grün-Weiß Brockdorf beginnt.

Gerdesmeyer verteidigt Parkhaus-Bau an der Klinik

In der Lohner Innenstadt schreite die Errichtung des Wohn- und Geschäftshauses Nyhuis voran. "Wir sind wirklich froh, dass hier eine Unternehmerfamilie aus dem Landkreis Vechta - trotz Corona investiert - und an den Standort glaubt." Er zählte eine Reihe weiterer Projekte auf und kündigte an, dass die Stadt beabsichtige, einen Leerstand in der City anzumieten, "um dort kreativen Angeboten im Sinne einer Kleinkunstbühne Raum geben zu können". Dies werde in den kommenden Wochen politisch beraten.

Am St.-Franziskus-Hospital beginnt im Februar der Bau eines Systemparkhauses mit etwa 300 Stellplätzen. Gerdesmeyer verteidigte dieses Vorhaben, da der zeitliche Korridor für das geplante Zentralklinikum Lohne-Vechta an der Bundesstraße 69 wohl noch 5 bis 10 Jahre betrage und die Realisierung bisher finanziell nicht abgesichert sei. Weiter würde es im derzeitigen Klinikbereich gewiss eine medizinisch-pflegerische Nachnutzung geben.

Gerdesmeyer erhält "volle Lohner Unterstützung"

Lohnes Bürgermeister betonte die Wichtigkeit des Zentralklinikum-Projektes für den Landkreis Vechta. "Wir müssen uns mit allem, was wir haben, für dieses Vorhaben einsetzen." 

Kurz ging Gerdesmeyer auf seine Bewerbung als CDU-Landratskandidat ein. Wenngleich es ihm schwerfalle, sein Bürgermeisteramt in Lohne aufzugeben, "bin auch ich ein Kind des Landkreises Vechta und möchte bei der Entwicklung der Region mithelfen". Olberding sagte ihm dafür die "volle Lohner Unterstützung" zu.

"Generationenprojekt" Zentralklinikum

Der CDU-Stadtverbandsvorsitzende, der eingangs über die weit gediehenen Vorbereitungen der Lohner Christdemokraten auf das "Superwahljahr 2021" berichtet und von mehr als 30 Interessierten an einer CDU-Stadtratskandidatur gesprochen hatte, ging ebenfalls auf das geplante Zentralklinikum ein. Er nannte es ein "Generationenprojekt" und verdeutlichte: "Die Gesundheitsversorgung ist ein entscheidender Standortfaktor für unsere Region."

Dann leitete er zum "wohl profiliertesten Sozialpolitiker der Union" über, dem nordrhein-westfälischen Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales, Karl-Josef Laumann.

Laumann will sich für Landwirtschaft einsetzen

Der Bundesvorsitzende der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA) und Mitglied des CDU-Bundespräsidiums stammt aus Riesenbeck im Tecklenburger Land und gilt als Mann markiger Sprüche, mit einer Portion Schrulligkeit. 

Laumann ging zu Beginn auf seine Herkunft ein. Er sagte, dass das Münsterland, Emsland und Oldenburger Münsterland eine "besondere Form der Landwirtschaft" pflegten, die nicht zu kurz kommen dürfe - "auch nicht in der Programmatik der CDU". Er forderte die Verantwortlichen der Regionen auf, ihre Interessen zu bündeln. Spätestens im Februar wolle er einen Austausch der örtlichen CDU-Kreisverbände initiieren.

Kleinere Spitzen gegen die Grünen

Der 63-Jährige outete sich nicht unbedingt als Freund der Grünen, als er fragte: "Wie ist mit dieser Partei eine erfolgreiche Industriepolitik überhaupt möglich?" Ähnlich hatte sich zuvor schon die heimische CDU-Bundestagsabgeordnete Silvia Breher aus Lindern geäußert.

"Wenn die Grünen eine Wahl haben, wählen sie immer die linke Seite", warnte die stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende mit Verweis auf die Geschehnisse in Bremen. Dort hatte sich die Ökopartei vor zwei Jahren als Drittplatzierte trotz eines CDU-Wahlsiegs für eine rot-grün-rote Koalition entschieden.

Laumann zählt freie Intensivbetten

Laumann beließ es bei der kleinen Spitze in Richtung des womöglich stärksten Konkurrenten bei der anstehenden Bundestagswahl am 26. September. Er ging lieber auf die Corona-Pandemie und ihre Folgen ein.

Der NRW-Minister hob hervor, wie wichtig es sei, das Gesundheitssystem nicht zu überlasten. "Wir müssen garantieren, dass Menschen, die eine stationäre Gesundheitsversorgung benötigen, diese auch erhalten." Jeden Morgen gelte sein erstes Interesse der Zahl der freien Intensivbetten im bevölkerungsreichsten Bundesland.

NRW-Minister macht wenig Hoffnung auf Schützenfest

Laumann prangerte das Verhalten der Freikirchen an, die ein Faktor bei den hohen Inzidenzwerten seien. Ein "gewichtiger Teil" der Infektionen ereigne sich weiter im Privaten. Er appellierte an die Selbstverantwortung der Menschen und konstatierte: "Aufgrund des Fehlverhaltens einiger Weniger sind die strikten Corona-Regeln bitter notwendig."

Auf die Frage, ob das Lohner Schützenfest am zweiten Juli-Wochenende stattfinden könne, antwortete der Festredner: "Das wird knapp." Größere Hoffnung verbreitete er hinsichtlich der Herbstkirmes.

Laumann lobt "Wahnsinnsleistung" der Forscher

Die Impfstoffe bezeichnete er als "Licht am Ende des Tunnels". Er lobte die "Wahnsinnsleistung" der Forscher und sagte, er sei dem Herrgott dankbar, "dass er so kluge Menschen erschaffen hat".

Laumann verteidigte die Entscheidung Deutschlands, nicht den nationalstaatlichen Egoismen nachzugeben, um sich "gegenseitig den Impfstoff abzujagen". Wichtig sei es nun, so viel Corona-Vakzin zu generieren, dass in den Hausarztpraxen geimpft werden könne. Auch eine einheitliche Software bei der Kontaktnachverfolgung erachtete er als "immens wichtig".

Die Schwächsten zuerst: Darum muss es gehen

Aufgrund der hohen Eigenheimquote und der ländlichen Strukturen seien die Menschen im Oldenburger Münsterland privilegiert. Doch es gebe auch andere, die von der Krise viel härter betroffen seien. "Das müssen wir immer bedenken, wenn wir Schulen schließen oder Besuchsverbote in Altenheimen aussprechen."

Laumann lobte Deutschland für die Entscheidung, mit der Impfkampagne in den Alten- und Pflegeheimen zu starten. "Das zeigt, dass uns auch die Würde von sehr alten Menschen wichtig ist." Die Schwächsten zuerst: Darum müsse es in der Gesellschaft gehen. 

"Wir müssen die Tassen im Schrank halten"

Der CDU-Politiker forderte Solidarität für die Verlierer der Corona-Pandemie und nannte exemplarisch jene Menschen, die im Einzelhandel, der Gastronomie und der Veranstaltungsbrache beschäftigt seien. Er sagte, von der Krise betroffene Menschen hätten einen Anspruch auf Unterstützung.

Laumann ging auf die Corona-Folgen für den Arbeitsmarkt, die Belastungen des Staatshaushalts, die Entwicklung bei der Rentenversicherung und den Krankenkassen ein. Er zeichnete ein hoffnungsvolles Bild, dass das Land die Krise meistern werde, und sagte: "Wir müssen die Tassen im Schrank halten." 

Abschließend stellte der gelernte Maschinenschlosser fest: "Ja, das Infektionsschutzgesetz gibt der Exekutive eine riesige Macht." Es gebe gleichwohl keine Corona-Regel, die nicht gerichtlich überprüft werde - "und das ist auch gut so". Die Gewaltenteilung funktioniere.

Auf dem Weg zum Landrat? Für Tobias Gerdesmeyer war es das 10. CDU-Prüttessen als Lohner Bürgermeister. Es könnte das vorerst letzte Mal gewesen sein, dass er in dieser Funktion teilnahm. Screenshot: TimphausAuf dem Weg zum Landrat? Für Tobias Gerdesmeyer war es das 10. CDU-Prüttessen als Lohner Bürgermeister. Es könnte das vorerst letzte Mal gewesen sein, dass er in dieser Funktion teilnahm. Screenshot: Timphaus

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