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Carolin Abeln will nicht alles mit Verboten regeln

Die 28-Jährige aus der Gemeinde Cappeln tritt bei der Bundestagswahl für die FDP an. Mit dem Schritt möchte sie auch andere Frauen ermutigen, sich zu engagieren.

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Liebt es, in der Natur zu sein: Carolin Abeln aus Cappeln. Foto: Thomas Vorwerk

Liebt es, in der Natur zu sein: Carolin Abeln aus Cappeln. Foto: Thomas Vorwerk

Mit Platz 15 auf der Landesliste hat Carolin Abeln so gut wie keine Chance, am 26. September für die FDP in den Bundestag einzuziehen. Das entmutigt die Cappelnerin aber nicht, sich für die Liberalen im Wahlkampf stark zu machen. "Für mich ist das ein Start. 28 ist noch kein Alter, und außerdem kandidiere ich auch für den Gemeinderat", sagt die junge Mutter im Gespräch mit der Redaktion.

Der Liebe wegen nach Cappeln gezogen

Die gebürtige Bremerin ist mit der liberalen Hochschulgruppe 2018 in die Politik eingestiegen und war bei den Jungliberalen aktiv. 2019 folgte der Liebe wegen der Umzug nach Cappeln, und Anfang des Jahres ist sie dann dem Kreisverband Cloppenburg beigetreten. "Es ist Wahljahr, da ist eine Menge zu tun", hatte sie sich damals gesagt. Dass sie am Ende selber auf dem Stimmzettel stehen würde, daran hat sie zu dem Zeitpunkt noch keinen Gedanke verschwendet. Zumal das Kennenlernen pandemiebedingt zunächst nur online und erst nach und nach persönlich möglich war. 

Mit der Nominierung – sie setzte sich gegen Caroline Covolo aus Emstek durch – wurde der Kreis noch größer. "Das ist aber auch nötig, denn man benötigt Unterstützung, um beide Landkreise zu vertreten." Aber warum FDP? "Für mich ist die FDP die einzige Partei, die die Selbstbestimmung in den Mittelpunkt stellt und sich nicht in alles einmischt." Außerdem widerspricht sie dem Klischee, dass nur die Reichen den Liberalen nahe stehen. "Es ist ein Querschnitt der Gesellschaft. Es sind alle Strömungen und alle Meinungen vertreten. Das habe ich woanders nicht gefunden."

Legalisierung von Cannabis gefordert

Das 68-seitige Parteiprogramm hat sie selbstverständlich gelesen, und "zu einem großen Teil ist es das, was ich mir vorstellen kann". Zum Beispiel die Legalisierung von Cannabis für über 18-Jährige. "Es ist viel sinnvoller, mit Aufklärung an die Sache heranzugehen." Durch eine Entkriminalisierung würden viele Polizeieinsätze entfallen. Auch der "Bürokratiewahnsinn" in der Justiz würde ihrer Einschätzung nach weniger werden.

"Man muss nicht alles versuchen, mit Verboten zu regeln. Das gilt für viele Bereiche." So bekenne sich die FDP zu den Klimazielen, möchte über CO2-Zertifikate aber Anreize schaffen, statt Bußgelder zu verhängen. Außerdem sei es dringend Zeit, das Steuersystem zu vereinfachen. Dies gilt auch für die Steuererklärung. "Eine vorausgefüllte Steuererklärung, die nur noch kontrolliert werden muss, ist möglich. Es gibt Apps, von denen man sich dafür einiges abschauen kann", ist die 28-Jährige überzeugt.

"Es muss nicht alles sofort umgesetzt werden."Carolin Abeln, FDP-Kandidatin für den Bundestag

Senkung der Körperschaftssteuer, Abschaffung der Gewerbesteuer, kompletter Wegfall des Solis, all das muss irgendwie gegenfinanziert werden. "Es muss nicht alles sofort umgesetzt werden. Wir setzen darauf, dass die Entlastungen der Unternehmen in Investitionen fließen." Andere Ideen, wie die Aktienrente, seien aber sofort umsetzbar. "Wir werden aber nicht allein regieren. Dennoch hoffe ich, dass vieles umgesetzt werden kann."

Dass bei der Digitalisierung noch Luft nach oben ist, ist unstrittig. Für Behörden gilt dies, aber auch für den Ausbau der Infrastruktur. "5.000 Mbit upload habe ich gerade", prüft sie mit einem Blick auf das Smartphone. Glasfaser ist an ihrer Adresse kein Thema. Das macht Homeoffice – Carolin Abeln arbeitet bei der Uni in Oldenburg – nicht immer einfach. 

"Mehr Frauen in Führungspositionen", heißt es im Wahlprogramm der FDP. In der Landesliste sind auf den ersten 10 Plätzen gerade einmal 2 Frauen zu finden. "Das stimmt", sagt sie lachend. Auch in diesem Punkt könne aber ein Umdenken in Gang gesetzt werden. Nicht zuletzt durch ihre Kandidatur möchte sie Frauen Mut machen, sich aufzustellen.

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