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Cappeln schiebt Rathausbau mit Investoren an

Ein Arbeitskreis soll sich mit der Gestaltung, dem Ausbaustandard und dem Kostenrahmen beschäftigen. Die Ausschreibung könnte ein Fachbüro übernehmen.

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Maßarbeit: Bevor gebaut werden kann, muss eine Ausschreibung erfolgen. Foto: Vorwerk

Maßarbeit: Bevor gebaut werden kann, muss eine Ausschreibung erfolgen. Foto: Vorwerk

Es ist ein langer Weg, um das neue Rathaus/Dorfgemeinschaftshaus in Cappeln von Investoren bauen zu lassen. Und es ist noch nicht einmal sicher, dass er zum Ziel führt. Die ersten Schritte sind aber mit der Beschlussempfehlung des Planungsausschusses am Mittwoch gemacht worden. Ein Arbeitskreis soll demnach die architektonischen Vorgaben, den Ausbaustandard und den Kostenrahmen festlegen. Zur Unterstützung wird ein auf Vergabemanagement spezialisiertes Fachbüro eingeschaltet. So lautet die mehrheitlich gefasste Empfehlung an den Rat.

Vorangegangen war einmal mehr eine engagierte Diskussion, bei der es auch um einen zu benennenden Kostendeckel ging. Denn schließlich war es auch der Preis für die Umsetzung des Siegerentwurfs, an dem sich einige Ratsmitglieder rieben und für den es eine Obergrenze geben soll. Wo die genau liegt, das könne man besonders vor dem Hintergrund des Krieges in der Ukraine und den nicht abzuschätzenden Auswirkungen auf die Wirtschaft noch nicht fixieren, meinten Ulla Niemeyer und Stefan Ahrens (beide CDU) unisono.

Valide Kostenrechnung fehlt bislang

Eine direkte Vergabe ohne Ausschreibung ist nicht möglich. Zu diesem Schluss waren mittlerweile mehrere Experten gekommen. Eine Ausschreibung von der Leistungsbeschreibung bis zur Vergabe "dauert in einer perfekten Welt ein halbes Jahr", meinte Cappelns Allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters, Dirk Olliges. Wahrscheinlicher ist seiner Meinung nach die Dauer von einem Jahr. 

"Der eingeschlagene Weg ist meiner Meinung nach nicht der richtige", sagte Bürgermeister Marcus Brinkmann. "Ich bin aber Demokrat genug, mit dem Ergebnis umzugehen." Ein Sachverständiger habe ermittelt, dass ein Preis von 6,3 Millionen Euro bei dem vorgegebenen Raumplan nicht möglich sei. "Ich bin skeptisch, aber es hat sich ein Investor gefunden, der es dafür machen will." Brinkmann stellte aber auch klar, dass eine nach anerkannten Regeln aufgestellte Kostenrechnung noch nicht vorliege. "Das, was uns im Dezember gezeigt wurde, dafür werde ich meine Stimme nicht geben."

Am 20. Dezember hatte eine örtliche Investorengruppe der Politik einen möglichen Entwurf vorgestellt, der von ihr gebaut werden könnte und über einen längeren Zeitraum an die Kommune vermietet wird. Um das Projekt für Investoren interessanter zu machen, warf der Verwaltungschef die Überlegung in den Raum, die frei gemachte Fläche in der Ortsmitte über das Rat- und Dorfgemeinschaftshaus hinaus als Quartier zu betrachten. Dann könnte das Umfeld von den Investoren ebenfalls mit Wohn- und Gewerbeflächen bebaut werden.

Rechtliche Seite muss ein Fachbüro klären

Auch wenn noch keine Kostenrechnung vorliege, hatte Ausschussvorsitzender Stefan Ahrens keinen Grund, an der genannten Summe zu zweifeln. Die Investorengruppe bilde sich aus Personen, die sich mit dem Thema Bauen auskennen würden und reichlich Erfahrung hätten, so der Sevelter. Ulla Niemeyer warf die Frage auf, ob man es in Cappeln schaffe, die Voraussetzungen so sauber aufzustellen, "dass der Wettbewerb vernünftig und erfolgreich für uns verläuft". Für die rechtliche Seite sei das Fachbüro zuständig, so Olliges. "Die Frage ist: Einigt man sich auf die Vorgaben? Bekommen wir im Rat einen Konsens hin?" 

Von einem möglichen Fass ohne Boden sprach Annette Ostermann (UWG). Lege man die Ausschreibekriterien detailliert fest, gebe es anschließend wenig Einflussmöglichkeiten beziehungsweise alle Änderungswünsche würden teuer. Da man sich an der Grenze zur verpflichtenden europaweiten Ausschreibung befinde, solle man dies auch machen, um auf Nummer sicher zu gehen, ergänzte sie. Zudem dürfe man die städtebauliche Entwicklung nicht aus dem Auge verlieren, um auch die Volksbank im Boot zu behalten. Nichtsdestotrotz: "Wenn wir das schaffen, ist das eine tolle Sache. Aber ich bin skeptisch."

"Wir arbeiten mit der politischen Entscheidung."Marcus Brinkmann, Bürgermeister

Die Frage Ulla Niemeyers, ob die Verwaltung lieber einen Neubau oder die Sanierung des Bestandes wünscht, stellt sich für den Bürgermeister gar nicht. "Mit der politischen Entscheidung arbeiten wir und wir werden das Beste für Cappeln unter den Bedingungen umsetzen." Die Sanierung ist die Vorzugsvariante des Gelb-Grünen-Bündnisses (GGB). "Wir sind für eine Sanierung, die klimaneutral und energieautark ist und mit Handwerkern aus der Region umgesetzt wird", so Willi Meinerling (Grüne). Das sei für weniger als 6 Millionen Euro möglich, meint er. Vorerst bleibe aber der Neubau das Ziel.

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