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#Büropräsenzpflicht

Kolumne: Irgendwas mit # - Homeoffice führt unweigerlich zur Kontaktminimierung. Eine gute Sache während einer Pandemie. Interessiert nur leider nicht unbedingt jeden.

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Rund 14 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland arbeiteten im November 2020 überwiegend oder ausschließlich im Homeoffice. Das ergab eine Umfrage der Hans-Böckler-Stiftung. Kurz nach dem Beginn der Pandemie, im April 2020, waren es 27 Prozent. Es ist paradox. Lag Anfang April die Zahl der Corona-Neuinfektionen innerhalb eines Tages bei etwa 6000 in der Spitze, bewegte sich die Zahl der Neuinfektionen im November bei mehr als 20.000.

Nach Berechnungen des Ifo-Instituts könnten etwa 56 Prozent der Beschäftigten im Homeoffice arbeiten. Ich möchte mich gar nicht mit der Frage beschäftigten, welche Berufsgruppen wohl darunter fallen könnten. Es erscheint unlogisch, dass jene hineingerechnet wurden, für die Homeoffice völlig an der Arbeitsrealität vorbeigeht. Denken wir an Pflegekräfte, Handwerker, Beschäftige im Lebensmitteleinzelhandel.

Eine Studie der Universität Mannheim hat zudem kürzlich herausgefunden, dass bereits ein Prozentpunkt mehr Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Homeoffice die Infektionsrate um bis zu acht Prozent verringern kann. Da eine Pandemie eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist, profitieren wir alle davon, wenn möglichst viele möglichst wenig Kontakte haben. Homeoffice scheint bei der vorhandenen Datenlage ein wirksames Werkzeug gegen die Pandemie zu sein.

"Dabei dürfte diese neue Homeoffice-Regel im Arbeitsalltag kaum eine einschneidende Veränderung herbeiführen."Carina Meyer

Diese Zahlen dürften auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Bund-Länder-Konferenz vom vergangenen Dienstag kennen. Aus ihren an dem Tag gefassten Beschlüssen geht das allerdings nicht hervor. Wir erinnern uns: Verlängerter Shutdown, neue Maskenpflicht, Schulen zum Teil dicht, und bei der Arbeit hat sich im Grunde kaum etwas geändert.

Die Erbsenzähler unter uns werden jetzt einwerfen: Moment, beim Thema Homeoffice wurde nachgeschärft. Aus dem Appell wurde eine Verordnung, wonach Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber überall dort, wo es möglich ist, den Beschäftigten das Arbeiten im Homeoffice ermöglichen müssen, sofern die Tätigkeiten es zulassen. Die Bundeskanzlerin und die Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder bitten die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, das Angebot zu nutzen.

Zu diesen Erbsenzählern gehören etwaige Arbeitgeberverbände, die noch vor der Konferenz fürchteten, dass Chefinnen und Chefs ihre Beschäftigten in den vollbezahlten Urlaub schicken müssen. Auch die beschlossene Verordnung sorgte zum Teil für Unverständnis. Wie entlarvend. Misstrauen und Kontrollverlust spielen offensichtlich nach wie vor eine große Rolle in einigen Führungsetagen. Dabei dürfte diese neue Homeoffice-Regel im Arbeitsalltag kaum eine einschneidende Veränderung herbeiführen.

Denn drei entscheidende Probleme bleiben: Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, die schon vor vergangenen Dienstag für sich entschieden haben, dass Homeoffice für ihr Unternehmen nicht funktioniert, werden ihre Beurteilung kaum noch einmal überdenken. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer werden nur gebeten, ein Homeoffice-Angebot anzunehmen. Sie müssen nicht. Diejenigen, denen es daheim zu unbequem ist, können im Zweifel weiter ins Büro kommen, wenn die Arbeitgeberin oder der Arbeitgeber nichts dagegen hat.

Am fatalsten ist aber, dass die Verantwortung an die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ausgelagert wurde. Fordere ich Homeoffice ein, wohlwissend, dass meine Vorgesetzte/mein Vorgesetzter nichts davon hält? Welche Konsequenzen hat es für mich langfristig, diesen potenziellen Konflikt zu provozieren?

Was ist eigentlich aus dem Vorschlag von Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin, im Vorfeld der Konferenz geworden? Zur Debatte stand eine sogenannte "Begründungspflicht". Arbeitgeber hätten dem Vorschlag zufolge für jeden Mitarbeitenden, der nicht im Homeoffice arbeitet, eine nachvollziehbare Rechtfertigung liefern müssen. Das ging wohl zu weit.


Zur Person:

  • Carina Meyer ist Reporterin der OV.
  • Die Autorin erreichen Sie unter info@om-online.de.

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