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Burkhard Sibbel wirbt für "Politik auf Augenhöhe"

Der Kandidaten-Check von OM online: Burkhard Sibbel will am 12. September das Löninger Rathaus erobern. Beim Thema Stadtentwicklung sieht er Verbesserungsbedarf.

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Will Bürgermeister werden: Burkhard Sibbel. Foto: G. Meyer

Will Bürgermeister werden: Burkhard Sibbel. Foto: G. Meyer

Der Kandidaten-Check von OM online. In dieser Reihe stellen wir zur Kommunalwahl im September die Bürgermeister- und Landratskandidaten in den Landkreisen Cloppenburg und Vechta vor. Das Konzept: Einen thematischen Treffpunkt darf der Kandidat wählen, den anderen bestimmt die Redaktion. In dieser Folge: Bürgermeister-Kandidat Burkhard Sibbel aus Löningen (Unabhängige für Löningen) im Talk mit Reporter Georg Meyer.

Wenn Burkhard Sibbel durch Löningen spaziert, wird er inzwischen immer öfter erkannt. Kein Wunder, prangt doch sein Konterfei auf zahlreichen Wahlplakaten im Stadtgebiet. Am 12. September möchte der 50-Jährige die Bürgermeisterwahl gewinnen. Als Herausforderer von Amtsinhaber Marcus Willen hat Sibbel schon einmal eines erreicht: Die Wahl dürfte spannend werden.

2018 gründete er mit 6 weiteren abtrünnigen Christdemokraten die "Unabhängigen für Löningen"

Seit 5 Jahren sitzt der Berufsschullehrer im Stadtrat, anfangs noch für die CDU. 2018 gründete er gemeinsam mit 6 weiteren abtrünnigen Christdemokraten die Gruppe "Unabhängige für Löningen" (UfL). Sie ist keine Partei, sondern ein Verein mit Sibbel an der Spitze. Die mediale Aufmerksamkeit war groß, durchbrachen die "Revoluzzer" doch die jahrzehntelange Vorherrschaft der CDU. Im Stadtrat geht es seitdem mitunter hoch her. Sibbel betont, er selbst betreibe ausschließlich Sacharbeit. Und die sei dank der Unabhängigen besser geworden, findet er.

Seine politische Karriere hat der Augustenfelder nicht geplant. Nach dem Abitur und Wehrdienst absolvierte Sibbel zunächst eine Ausbildung zum Landwirt und hängte danach ein Studium an. Die Landwirtschaft ist bis heute seine große Leidenschaft. An den Berufsbildenden Schulen Meppen unterrichtet er den Agrarnachwuchs. Dessen Zukunft  macht ihm jedoch Sorgen. "Landwirt ist ein schöner Beruf, aber die Rahmenbedingungen werden immer schwieriger", erklärt er und kritisiert vor allem die wachsende Auflagenflut. Weniger Bürokratie und ein größeres Eingehen auf die Bedürfnisse der Bürger wünscht sich Sibbel aber auch in anderen Bereichen des öffentlichen Lebens. "Politik und Verwaltung müssen die Menschen viel früher mitnehmen, als es heute geschieht, damit die späteren Entscheidungen auch von einer Mehrheit akzeptiert werden." Das jedenfalls habe er sich vorgenommen, sollten die Löninger ihn auf den Chefsessel im Rathaus setzen.

Als Herausforderer hat der 3-fache Familienvater einen Nachteil gegenüber dem Amtsinhaber. Medienwirksame Auftritte, die Vorstellung neuer Bauprojekte etwa, sind ihm verwehrt. Stattdessen legt er seinen Finger dort in die Wunde, wo er Versäumnisse sieht. Die Vergabepraxis bei den Kindergartenplätzen etwa, die bei manchen Eltern für Unmut sorgt, müsse überdacht werden, fordert er. Gleiches gelte für die Verteilung von Wohnbaugrundstücken. "Gerade junge Familien stolpern über unsere bürokratischen Hürden und wandern in umliegende Gemeinden ab."

Nachholbedarf gibt es seiner Meinung nach auch bei der innerstädtischen Entwicklung. Um den Einzelhandel zu stärken, brauche es zum Beispiel einen städtischen "Kümmerer". Der sei im Einzelhandelskonzept zwar vorgesehen, aber immer noch nicht implementiert. "Wir müssen da schneller werden", mahnt Sibbel. Den Leerstand in der Stadt könne man nicht mit alten Konzepten bekämpfen. "Reine Geschäftszeilen wird es künftig nicht mehr geben." Bei der Transformation spiele die Gastronomie eine große Rolle. Sie sei ein großes Plus der Innenstadt, die in den kommenden Jahren auch vom Tourismus profitieren könne. Sibbel: "Er ist bislang verkannt worden, wird aber immer wichtiger."  

Dass Sibbel keine Verwaltungserfahrung hat, sieht er nicht als Nachteil

Diskussionsthemen gibt es in Löningen genug. Der geplante Rathausneubau gehört dazu. Burkhard Sibbel ist aus Kostengründen  für eine Sanierung des über 50 Jahre alten Flachbaus. "Die Baupreise haben sich mittlerweile fast verfünffacht." Ein Investorenmodell lehnt er ebenfalls ab. "Bei der gegenwärtigen Nullzinspolitik der Banken macht das keinen Sinn, denn das Geld muss über viele Jahre als Miete trotzdem zurückgezahlt werden." 

Dass er keine Verwaltungserfahrung mitbringt, sieht Sibbel nicht als Nachteil. Sein Konkurrent habe ja auch keine gehabt, sagt er. "Ich bin es gewohnt, mich schnell in neue Sachverhalte einzuarbeiten." Vor allem aber sei er ein Teamplayer, der es gut aushalten könne, wenn die Idee eines anderen eben die bessere sei.  

Auf ein starkes Team kommt es in den verbleibenden Wochen bis zur Wahl für Burkhard Sibbel an. Als aktiver Schütze ist er außerdem gut vernetzt. Das Ehrenamt fordert ihm fast soviel Zeit ab wie die Politik. Entspannung findet der Lehrer in den Ferien beim Wandern im Allgäu. "Dort kann ich richtig durchpusten", sagt er. Das dürfte er am Wahlabend auch tun – ob aus Freude oder Enttäuschung wird sich  herausstellen.


Fakten:

  • Burkhard Sibbel (50) ist verheiratet und hat 3 Kinder.
  • Nach einer landwirtschaftlichen Ausbildung studierte er Agrarwissenschaften in Göttingen (Abschluss als Diplomagraringenieur), es folgte eine Ausbildung zum landwirtschaftlichen Berater.
  • Beratertätigkeit für den Schweinezuchtverband Weser-Ems und den Beratungsring Herzlake/Haselünne.
  • Vorbereitungsdienst für das Lehramt an Berufsschulen (Staatsexamen). 
  • Sibbel arbeitet heute als Lehrer an der BBS Meppen.
  • Zu seinen Hobbys zählt er das Wandern, das Schützenwesen und die Politik.

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