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Bürgermeisterwahl in Lohne: CDU nominiert Dr. Henrike Voet

Die 38-jährige Regierungsdirektorin setzte sich bei Urwahl überraschend deutlich gegen Walter Sieveke und Petra Ahlers durch. 120 von 180 anwesenden CDU-Mitgliedern stimmten für die zweifache Mutter.

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Nach der Kür: (von links) Walter Sieveke, Petra Ahlers, die neue CDU-Bürgermeisterkandidatin Dr. Henrike Voet und der CDU-Stadtverbandsvorsitzende Dr. Benedikt Olberding. Foto: Timphaus

Nach der Kür: (von links) Walter Sieveke, Petra Ahlers, die neue CDU-Bürgermeisterkandidatin Dr. Henrike Voet und der CDU-Stadtverbandsvorsitzende Dr. Benedikt Olberding. Foto: Timphaus

Den Tisch für ihr erstes Bürgercafé im "Heinz" hatte Dr. Henrike Voet vorsorglich schon reserviert – nicht aus Arroganz, sondern um für alle Eventualitäten gewappnet zu sein. Am Ende einer denkwürdigen Urwahl war die neue Lohner CDU-Bürgermeisterkandidatin dennoch überwältigt. So dürfte es einigen gegangen sein. Denn mit einem so eindeutigen Votum hatte wohl niemand im Vorfeld gerechnet.

180 von 536 CDU-Mitgliedern waren im Saal Yilmaz anwesend. Die Beteiligung bei der Versammlung in Kroge, die unter Einhaltung der 3G-Regel, mit Abstand und Maskenpflicht bis zum Platz diszipliniert abgehalten wurde, war also gut. Kein Wunder, schließlich ist eine Urwahl das "Hochamt der kommunalen Parteipolitik", wie Dr. Benedikt Olberding es eingangs der Kandidatenkür pathetisch formulierte.

Angesichts der langen Amtszeit des künftigen Bürgermeisters bis 2031, die aus einer Besonderheit des niedersächsischen Kommunalverfassungsgesetzes resultiert, sprach der CDU-Stadtverbandsvorsitzende von einer "entscheidenden Weichenstellung für ein Jahrzehnt". Es sei der Anspruch seiner Partei, die Bürgermeisterwahl am 6. März 2022 zu gewinnen.

Die neue CDU-Bürgermeisterkandidatin: Dr. Henrike Voet. Foto: TimphausDie neue CDU-Bürgermeisterkandidatin: Dr. Henrike Voet. Foto: Timphaus

Einen ersten Fingerzeig, wen die CDU ins Rennen schicken könnte, erhielten aufmerksame Zuhörer am Ende der Vorstellungsrunde. Denn den Vortrag von Voet – nach der Auslosung die Letzte im Bunde der sich präsentierenden Bewerber, zu denen ebenfalls Petra Ahlers aus Vechta und der Lohner Walter Sieveke gehörten – honorierten die CDU-Mitglieder mit langem und lautstarkem Beifall.

Die geheime Abstimmung bestätigte diesen Eindruck: Voet, aktuell als Regierungsdirektorin (in Elternzeit) im Bundesministerium des Innern für Bau und Heimat in Berlin tätig, erhielt 120 Stimmen. Eine Stichwahl war damit nicht mehr notwendig. Für Sieveke votierten 40 CDU-Mitglieder, Ahlers erhielt 18 Stimmen. Ein Christdemokrat nahm trotz Anwesenheit an der Wahl nicht teil, ein weiteres Mitglied enthielt sich.

Alle Bewerber liefern eine starke Performance ab

Die Vorstellungen selbst hatten keinerlei Hinweise auf einen Favoriten gegeben. Alle Bewerber lieferten eine starke Performance ab – hier und da vielleicht mit kleineren Abstrichen. Wie bei den vorherigen Runden – vor knapp drei Wochen ebenfalls im Saal Yilmaz sowie in der Vorwoche bei der Senioren-Union – setzten Ahlers, Sieveke und Voet jeweils auf dieselben Vorträge, lediglich in Nuancen variiert. 

Den Anfang machte Petra Ahlers. Die Rede der Leiterin des Gebäudemanagements beim Landkreis Vechta wies eine klare Struktur vor. Die 57-Jährige betonte ihre privaten und beruflichen Verbindungen zur Stadt – "ich weiß, wie die Lohner ticken" – und stellte im Falle einer Wahl einen Umzug aus Vechta in Aussicht. 

Ahlers sagte, sie wolle Ideengeberin sein. Sie schlug neuerlich ein Qualifizierungszentrum für Facharbeiter an den Lohner Berufsschulen vor und rief dazu auf, die Anliegen der Senioren stärker zu berücksichtigen. "Unsere Gesellschaft kann es sich nicht erlauben, auf die Kenntnisse der Älteren zu verzichten."

Sie gab den Auftakt der Vorstellungsrunde: Petra Ahlers. Foto: TimphausSie gab den Auftakt der Vorstellungsrunde: Petra Ahlers. Foto: Timphaus

Die Vechtaerin führte aus, dass ihr der Ausgleich von Ökonomie und Ökologie und der direkte Bürgerkontakt wichtig seien. Das Bürgermeisteramt erfordere hohes zeitliches Engagement. "Ich habe den Rücken frei", sagte Ahlers und nannte sich "eine mit Herz und Verstand".

Walter Sieveke betonte ebenfalls die Verbundenheit zu seiner Heimatstadt. Der stellvertretende Leiter und Leiter Einsatz der Polizeiinspektion Cloppenburg/Vechta hielt den emotionalsten Vortrag aller Bewerber. Mehrfach unterstrich er, dass er sich nie davor gescheut habe, Verantwortung zu übernehmen. Dies wolle er, kraft seiner Verwaltungs- und Führungskompetenzen, auch jetzt tun.

Sieveke verspricht vollen Körpereinsatz

"Ich bin Lohner durch und durch", sagte Sieveke. Er wolle die erfolgreiche Politik des vormaligen Amtsinhabers Tobias Gerdesmeyers, der seit dem 1. November neuer Landrat des Landkreises Vechta ist, fortsetzen. "Heimat und Hightech gehören zusammen", beschrieb er seine Politik, deren Credo er mit "mehr Pragmatismus, weniger Bürokratie" umschrieb.

Sieveke versprach, dass, falls er Bürgermeister von Lohne würde, er sich mit Leidenschaft und vollem Körpereinsatz einbringen werde. "Den Kopf für die Wirtschaft, das Herz für die Familien und die Beine, damit Lohne weiter läuft."

Dr. Henrike Voet, in Dinklage aufgewachsen und heute nach mehr als zehn Jahren Berlin mit ihrer Familie auf dem Voßberg lebend, zeichnete von sich selbst das Bild einer "echten Südoldenburgerin", die zudem über "Auslandserfahrung" verfüge. Die 38-Jährige, die sich schon während ihrer Schulzeit in der CDU engagierte, wiederholte mehrfach, dass sie Lohne gemeinsam mit den Menschen gestalten wolle. Sie sehe sich in der Rolle einer Dirigentin, die zwar den Takt vorgebe, aber jedem Musiker den Raum zur Entfaltung lasse.

Hielt eine emotionale Rede: Walter Sieveke. Foto: TimphausHielt eine emotionale Rede: Walter Sieveke. Foto: Timphaus

Voet sagte, sie wolle "mit Mut, Leidenschaft und Verstand" an das Wirken Gerdesmeyers anknüpfen. Der Wirtschaft versprach sie verlässliche Rahmenbedingungen, Familien mehr Flexibilität bei der Kinderbetreuung. Ob Barrierefreiheit, Ehrenamt, Digitalisierung der Verwaltung, Flächendruck oder Klimawandel: Die zweifache Mutter riss viele der sogenannten Zukunftsthemen in ihrer Rede an.

Voet sagte, sie stehe für "frische Ideen und den Blick von außen". Bei der Bürgermeisterwahl reiche das Etikett "CDU" allein nicht mehr aus. Innerhalb ihrer Partei werde mehr Jugend und Weiblichkeit gefordert. "Ich bin bereit, die Herausforderungen anzupacken."

"Ich möchte erfahren, was die Menschen bewegt und wo der Schuh drückt."Dr. Henrike Voet, Bürgermeisterkandidatin der CDU in Lohne

In ihren Schlussworten nach der Wahl bedankte sich die neue CDU-Spitzenkandidatin für das Vertrauen. Sie ermunterte ihre unterlegenen Mitbewerber, sich weiterhin in der Kommunalpolitik einzubringen. Voet schwor ihre Parteikollegen auf einen gemeinsamen Kurs ein. "Nur zusammen können wir für Lohne das Bestmögliche erreichen."

Ihrer möglicherweise noch fehlenden Bekanntheit will Voet mit einer Vorstellungstour entgegentreten – und mit ihrem Bürgercafé, das erstmals am 2. Dezember (Donnerstag) um 10 Uhr im "Heinz" stattfindet. "Ich möchte erfahren, was die Menschen bewegt und wo der Schuh drückt." Der Wahlkampf in Lohne hat begonnen.

Sie weiß die CDU-Mehrheit hinter sich: Dr. Henrike Voet. Foto: TimphausSie weiß die CDU-Mehrheit hinter sich: Dr. Henrike Voet. Foto: Timphaus

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