Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Bürger-Klimapark in Lohne wird konkreter

Auf knapp 8 Hektar soll beispielhaft eine Kombination aus Freizeitfläche und Ökosystem entstehen. Im Bauausschuss lieferten sich die Parteien einen lebhaften Schlagabtausch.

Artikel teilen:
Politik in Corona-Zeiten: Um die Abstands- und Hygieneregeln einhalten zu können, tagte der Lohner Bauausschuss kürzlich im Lohneum. Foto: Timphaus

Politik in Corona-Zeiten: Um die Abstands- und Hygieneregeln einhalten zu können, tagte der Lohner Bauausschuss kürzlich im Lohneum. Foto: Timphaus

Im Runenbrook in Hopen soll auf einer knapp 8 Hektar großen Fläche ein sogenannter Bürger-Klimapark errichtet werden. Das haben die Mitglieder des Bau-, Verkehrs-, Planungs- und Umweltausschusses in jüngster Sitzung mit den Stimmen der CDU-Mehrheitsfraktion empfohlen. Um die Abstands- und Hygieneregeln einhalten zu können, tagte das Gremium im Lohneum. Die Entscheidung fällt in der nächsten Sitzung des Verwaltungsausschuss am 9. Juni. 

Die Christdemokraten hatten beantragt, dass die Stadtverwaltung im Stadtgebiet eine größere zusammenhängende Fläche benennt, auf der die Errichtung eines Bürger-Klimaparkes möglich wäre. In Zusammenarbeit mit einem Fachbüro sollten dort verschiedene Klima- und Umweltschutzprojekte entwickelt werden.

Das städtische Bauamt hatte im Vorfeld der Sitzung das Flurstück 96/5 – südlich der Teichanlage des Fischereivereins und südöstlich des Kompensationsflächenpools „Runenbrook“ gelegen – ermittelt, welches sich grundsätzlich für ein solches Projekt eigne. Dies sei der Stadtverwaltung von einem Landschaftsplaner bestätigt worden, führte Bauamts-Mitarbeiterin Rebekka Graw aus.

Ackerfläche wird sukzessiv umgestaltet

Das 79.810 Quadratmeter große Areal ist aktuell noch an einen benachbarten Landwirt verpachtet und wird als Ackerfläche genutzt. Das Flurstück könnte laut Graw in drei Abschnitten aus der Pacht genommen werden, um dort verschiedene Klima- und Umweltschutzprojekte wie die Anlegung von Streuobstwiesen, die Aufstellung von Insektenhotels, Aufforstungen und mehr zu realisieren.

„Das ist ein Prüfauftrag. Die Verwaltung aber sucht bereits vor einer politischen Beratung nach einer geeigneten Fläche."Eckhard Knospe, SPD-Ratsherr

In der Diskussion kritisierte Dr. Lutz Neubauer (parteilos) den Ansatz eines Bürger-Klimaparks, der "in erster Linie doch nur Jokus für den Menschen" sei. "Das ist mir viel zu unehrlich." Wer die Natur schützen wolle, müsse sie erhalten – und dürfe sie nicht zerstören, wie es die CDU beispielsweise bei Hövemanns Wiesen getan habe.

Eckhard Knospe (SPD) bemängelte den Umgang mit dem CDU-Antrag, der ein Beispiel für die Ungleichbehandlung der Parteien sei. "Das ist ein Prüfauftrag. Die Verwaltung aber sucht bereits vor einer politischen Beratung nach einer geeigneten Fläche." 

Der SPD-Fraktionsvorsitzende sagte, seine Partei lehne einen Bürger-Klimapark ab, unter anderem weil Pflege und Betrieb mit einem hohen Aufwand verbunden seien.

Gerdesmeyer verteidigt Verwaltung

Bürgermeister Tobias Gerdesmeyer verteidigte seine Verwaltung: Bis vor zwei Jahren sei es gängige Praxis gewesen, vor einer politischen Beratung schon Vorarbeit zu leisten. Da sich die Zahl der Anträge jedoch gesteigert habe, würden nun meist nur noch Grundinformationen geliefert. "Die Besonderheit ist in diesem Fall, dass der Antrag ohne eine geeignete Fläche keinen Sinn macht."

Konrad Rohe (CDU) verwehrte sich gegen den von Neubauer geäußerten Vorwurf, seine Partei zerstöre die Natur. „Diese Behauptung ist falsch." Die CDU wolle etwas Gutes schaffen. Die Fläche eigne sich sehr gut, da sie direkt an das Naherholungsgebiet Hopen grenze. 

Göttke-Krogmann findet Vorgehen „irritierend"

Jürgen Göttke-Krogmann, beratendes Mitglied des Fachausschusses, zeigte sich irritiert über das Vorgehen. Laut dem 2018 entwickelten Klimaschutzkonzept solle aus dem gesamten Stadtgebiet "ein großer Klimapark" werden. Nun konzentriere man sich stattdessen auf eine Fläche und schreibe der neuen Klimaschutzmanagerin Sandra Mezger vor, was getan werde.

Gerdesmeyer entgegnete, das Klimaschutzkonzept sei für die gesamte Stadt gedacht. In diesem Fall handle es sich jedoch um eine Fläche in "ökologisch sinnvoller Lage", auf der verschiedene Projekte zu einer Aufwertung führen könnten. So könnte möglicherweise die Idee der Schulwälder aufgegriffen werden.

Walter Mennewisch (Grüne) merkte ironisch an, eine Beratung sei nicht notwendig, da die Zusammenarbeit zwischen Verwaltung und CDU funktioniere. Dann fragte er, ob dies der neue Ansatz der Christdemokraten sei, um von negativen Entscheidungen abzulenken. Aus diesem Grund hätten es die Grünen abgelehnt, an der Einstiegsberatung kommunaler Klimaschutz mitzuwirken.

„Wir wollen der neuen Klimaschutzmanagerin das Leben nicht schwer machen."Manuela Deux, Fraktion Grüne

Mennewisch forderte, statt eines Bürger-Klimaparks eine verstärkte Kontrolle von Bepflanzungen auf gewerblichen und privaten Grundstücken. Die Verwaltung solle ihr Augenmerk darauf legen, Steingärten zu beseitigen und die Rasenflächen im Stadtgebiet zu reduzieren.

Knospe verteidigte die Ergebnisse der Einstiegsberatung kommunaler Klimaschutz. Es sei ein dickes Brett zu bohren gewesen. "Ich bin froh, dass wir ein Arbeitspapier erarbeitet haben, das jetzt mit Leben gefüllt werden kann." Rohe meinte, die Gruppe habe gut gearbeitet – im Übrigen auch unter der Beteiligung von Mennewischs Schwester Manuela Deux (Grüne). „Wir wollen der neuen Klimaschutzmanagerin das Leben nicht schwer machen."

Stephan Blömer (Ratsgruppe Lohner – Die Linke) kritisierte die aus seiner Sicht unnötige Einbindung eines Fachbüros. Er fragte, warum eine Kompensation außerhalb Lohnes erfolge, wenn es Flächen wie jene im Runenbrook gebe.

Jetzt neu! Moin Friesoythe! Der wöchentliche Newsletter für die Eisenstadt mit aktuellen News und Informationen. So verpassen Sie nichts mehr. Jeden Donnerstag in Ihrem Postfach. Jetzt hier anmelden.  

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Bürger-Klimapark in Lohne wird konkreter - OM online