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Bundestagswahl: So lief die Podiumsdiskussion der Direktkandidaten im Wahlkreis Cloppenburg/Vechta

Einige Gäste vor Ort und viele über das Internet verfolgten die Debatte. Dabei wurden die unterschiedlichen Ansichten, etwa beim Klimaschutz, sehr deutlich.

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Politischer Schlagabtausch: Intensiv diskutierten am Freitagabend die sechs heimischen Bewerberinnen und Bewerber für den Bundestag über die Zukunft des Oldenburger Münsterlandes. OM-Medien-Chefredakteur Ulrich Suffner und Politik-Reporter Giorgio Tzimurtas sprachen mit (von links) Tom Dobrowolski (Linke), Waldemar Herdt (AfD), Silvia Breher (CDU), Alexander Bartz (SPD), Carolin Abeln (FDP) und Tanja Meyer (Grüne). Foto: M. Niehues

Politischer Schlagabtausch: Intensiv diskutierten am Freitagabend die sechs heimischen Bewerberinnen und Bewerber für den Bundestag über die Zukunft des Oldenburger Münsterlandes. OM-Medien-Chefredakteur Ulrich Suffner und Politik-Reporter Giorgio Tzimurtas sprachen mit (von links) Tom Dobrowolski (Linke), Waldemar Herdt (AfD), Silvia Breher (CDU), Alexander Bartz (SPD), Carolin Abeln (FDP) und Tanja Meyer (Grüne). Foto: M. Niehues

Einen weitgehend fairen und zumeist sachlichen Schlagabtausch lieferten sich die Direktkandidatinnen und -kandidaten im Bundestagswahlkreis Cloppenburg/Vechta am Freitagabend (17. September) auf einer Podiumsdiskussion. OM Online hat live übertragen - hier können Sie sich die Aufzeichnung der Diskussion noch einmal ansehen. Eingeladen hatte die OM-Medien. Coronabedingt war die Gästezahl im Kolpinghaus in Vechta begrenzt. 70 Besucherinnen und Besucher verfolgten die Debatte vor Ort, 250 nahmen über einen Livestream im Internet teil.

Auf dem Podium saßen Carolin Abeln (FDP, Cappeln), Alexander Bartz (SPD, Vechta), Silvia Breher (CDU, Lindern), Tom Dobrowolski (Die Linke, Löningen), Waldemar Herdt (AfD, Neuenkirchen-Vörden) und Dr. Tanja Meyer (Bündnis 90/Die Grünen, Lohne). Durch den Abend führten OM-Medien-Chefredakteur Ulrich Suffner und Politikreporter Giorgio Tzimurtas.

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde, in der die Kandidatinnen und Kandidaten vielfach die Bereiche Digitalisierung, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Landwirtschaft sowie Klimaschutz als „Herzensthemen“ bezeichneten, wurde in Themenblöcken diskutiert, die dazu passten: Transformation der Landwirtschaft, Klimawandel sowie Familie und Soziales.

Klimaschutz: Alle Bewerberinnen und Bewerber - mit Ausnahme der AfD - waren sich einig, dass hier dringender Handlungsbedarf besteht. Auf die provokante Frage, ob die ambitionierten Ziele der Grünen nicht Wirtschaft und Wohlstand gefährden würden, sagte Tanja Meyer: „Es ist genau andersherum. Wenn wir jetzt nichts tun, gefährden wir den Wohlstand.“ FDP-Kandidatin Carolin Abeln setzte hingegen ganz auf den CO2-Handel als „Anreiz für Unternehmen, sich beim Klimaschutz weiterzuentwickeln“. Zudem müssten Innovationen gefördert werden.

„Steuerbegünstigte Innovationen“ forderte auch CDU-Kandidatin Breher. Gleichzeitig sei es wichtig, dass Deutschland ein Industrieland bleibe und im Bereich Klimaschutz die Technologieführerschaft anstrebe. Abeln und Meyer waren sich derweil einig, dass viele Unternehmen in Sachen Klimaschutz heute schon viel weiter seien als allgemein vermutet.

SPD und CDU uneins, FDP fordert fairen Wettbewerb

Tom Dobrowolski von den Linken sagte, diejenigen, die viel Energie verbrauchen, müssten auch mehr dafür zahlen. Gemeint waren vor allem Unternehmen. Es dürften aber nicht „die kleinen Bürger sein, die die Rechnung bezahlen müssen“, erklärte SPD-Mann Bartz. AfD-Vertreter Herdt bezeichnete die verschiedenen Klimaschutzkonzepte dagegen als „Konzepte, um unsere Industrie kaputtzumachen“. Ohnehin werde der menschliche Einfluss auf die Klimakrise „überschätzt“.

Landwirtschaft: Uneins waren sich SPD und CDU erneut darin, warum der sogenannte Borchert-Plan, der zu mehr Tierwohl und Tierschutz führen soll, bislang nicht auf den Weg gebracht werden konnte. Die SPD hatte zuletzt die Zustimmung verweigert, das Baurecht umzugestalten. „Wir wollen das Baurecht anpassen, damit die Landwirte in Tierwohl investieren können“, sagte Breher. „Auch wir sind dafür, dass das Baurecht geändert wird, damit Landwirte investieren können“, entgegnete Bartz. Es würden aber noch klare Kriterien für die Tierhaltung fehlen.

Herdt und Dobrowolski kritisieren Familienpolitik

Meyer von den Grünen lobte den Plan grundsätzlich, weil viele verschiedene Akteure beteiligt seien. Er gehe aber „noch nicht weit genug“. So fehle eine Kennzeichnungspflicht im Handel. Eile sei aber geboten, weil das Vertrauen der Landwirte in die Politik schwinde. Abeln sprach sich dafür aus, klare Rahmenbedingungen „mit fairen Wettbewerbsbedingungen“ für die Landwirte zu schaffen. Laut Herdt werde zu viel über Tierwohl und zu wenig über „Bauernwohl“ gesprochen. Die Landwirte würden „gezwungen, die Tierzahl zu erhöhen“.

Für die stärkere Förderung der regionalen Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte, etwa in Form von kostenlosen Mittagessen für Schulkinder, votierte Dobrowolski. Mit Regionalität alleine gehe es aber nicht, entgegneten Breher, Bartz, Abeln und Meyer.

Das ganze politische Spektrum, versammelt in einer Runde mit (von links) Dr. Tanja Meyer, Carolin Abeln, Alexander Bartz, Silvia Breher, Waldemar Herdt und Tom Dobrowolski. Foto: M. NiehuesDas ganze politische Spektrum, versammelt in einer Runde mit (von links) Dr. Tanja Meyer, Carolin Abeln, Alexander Bartz, Silvia Breher, Waldemar Herdt und Tom Dobrowolski. Foto: M. Niehues

Familie: Die Familienpolitik der letzten 20 Jahre verdiene diesen Namen nicht, fand Herdt. „Mama ist der wichtigste Job der Welt“. Das werde zu wenig gewürdigt. Auch Dobrowolski kritisierte die aktuelle Familienpolitik, allerdings aus anderer Richtung. Ob Corona-Prämie, Mehrwertsteuer-Senkung oder Unternehmenshilfen: Viel sei „mit der Gießkanne“ ausgeschüttet worden, hätte aber „in die Familien gehen müssen“.

Bartz und Meyer fordern Umdenken

Bartz und Meyer waren sich derweil einig, dass in vielen heimischen Unternehmen ein Umdenken notwendig sei, um vermehrt jüngere Menschen einzustellen, vor allem junge Frauen. Es könne nicht sein, dass Frauen im Oldenburger Münsterland heute für die gleiche Arbeit immer noch weniger verdienen als Männer und deswegen zuhause bleiben müssen, sagte Meyer.

Abeln merkte an: „Wir wollen erwirtschaften, nicht verteilen“. So gebe es bereits Aktien-Sparpläne für 25 Euro. Breher sprach sich indes dafür aus, den Steuerfreibetrag für Kinder auf das Erwachsenenniveau anzuheben und hob - wie Bartz - die Flexibilisierung bei der Kinderbetreuung hervor, etwa bezogen auf die entstehenden Betriebskindergärten vor Ort.

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