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Bund erwartet deutlich mehr Impfstoff bis zum Sommer

Im Impfen liegt die Hoffnung im Kampf gegen die Pandemie. Aber es geht nur langsam voran. Das soll sich ändern. Vom Impfgipfel kommen positive Signale.

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Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) in der Videokonferenz. Foto: Steffen Kugler/Bundesregierung/dpa

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) in der Videokonferenz. Foto: Steffen Kugler/Bundesregierung/dpa

Nach dem schleppenden Start der Corona-Impfungen in Deutschland kommt mehr dringend erwarteter Nachschub in Sicht. Bis zum Sommer sollen die Impfstoff-Lieferungen deutlich anziehen – im gesamten Jahr könnten es laut einer neuen Schätzung des Bundes bis zu 322 Millionen Dosen werden. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bekräftigte am Montag nach einem „Impfgipfel“ das Ziel, allen Bundesbürgern bis zum Ende des Sommers am 21. September ein Impfangebot zu machen. Nach massivem Ärger über organisatorische Probleme wollen Bund und Länder sich enger über nach und nach zu erwartende Liefermengen abstimmen. Auch der Pharmariese Bayer will bei der Impfstoffproduktion helfen.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) zeigte sich nach dem Gipfel optimistisch: "Mit dem zweiten Quartal besteht – das ist die gute Nachricht – demgegenüber die begründete Hoffnung, dass sich die Liefermengen deutlich erhöhen werden. Gegen Ende des dritten Quartal 2021 werden wir dann – da bin ich zuversichtlich – tatsächlich allen impfwilligen Menschen in Deutschland ein Impfangebot machen können."

Spahn: Impfstoff-Knappheit noch für mehrere Wochen

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder berieten am Montag per Videokonferenz über den Stand der Impfungen, die vor gut einem Monat angelaufen sind. Angesichts knapper Mengen, teils unsicherer Lieferungen und oft überlasteter Telefon-Hotlines für Impftermine hat sich massive Kritik aufgestaut. Länder und Kommunen fordern mehr Zuverlässigkeit bei Lieferangaben, damit die regionalen Impfzentren vor Ort besser planen können.

Merkel sagte nach der Videokonferenz, besonders für die Länder sei ein „höchstes Maß an Planbarkeit“ wichtig. Den Herstellern sei sehr klar gemacht worden, dass jede voraussagbare Woche gut sei. Es sei aber auch verständlich, dass die Unternehmen nicht mehr zusagen wollten, als angesichts komplexer Prozesse redlich sei. Bund und Länder wollten in einem „nationalen Impfplan“ künftig auch bestimmte Annahmen modellieren, um Mengen vorab besser abschätzen zu können. Schon vor dem „Impfgipfel“ sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), realistischerweise sei noch mit einigen Wochen der Impfstoffknappheit zu rechnen.

Pharma-Konzerne sitzen mit am digitalen Tisch

Am „Impfgipfel“ nahmen auch die Pharmabranche und die EU-Kommission teil. Mit dabei waren unter anderem Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides und Binnenmarkt-Kommissar Thierry Breton sowie Vertreter der Firmen Biontech, Pfizer, Curevac, IDT, Moderna, Astrazeneca, Johnson&Johnson, Sanofi, Bayer und Schott.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet mahnte eine realistische Bestandsaufnahme an. Ziel sei dann, das Impfen optimal voranzubringen. Der CDU-Chef wandte sich gegen den Eindruck, man könne die Impfstoffproduktion „mal eben in einer Woche“ hochfahren. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte, er verstehe die große Erwartungshaltung. Realistisch sei aber, noch mit einigen Wochen Impfstoffknappheit zu rechnen. Es gelte, gemeinsam zu schauen, wo konkret etwa Beschaffung, Produktion und Terminvergabe verbessert werden können.

Im zweiten Quartal gibt es einen großen Schwung Impfdosen – so die Hoffnung

Die Impfstoff-Mengen sollen im Lauf des Jahres spürbar anwachsen. Das geht aus einer Übersicht des Gesundheitsministeriums hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Nach 18,3 Millionen Impfdosen im laufenden ersten Quartal könnten demnach laut aktueller Schätzung im zweiten Quartal voraussichtlich 77,1 Millionen Dosen und im dritten Quartal 126,6 Millionen Dosen verschiedener Hersteller folgen. Im vierten Quartal könnten es dann weitere 100,2 Millionen Dosen sein.

Die Schätzung bezieht sich auf Verträge und geplante Vereinbarungen sowie voraussichtliche Zulassungstermine einiger Impfstoffe. Zugleich hieß es, Termine und Liefermengen hingen von vielen Faktoren ab – etwa klinischen Prüfungen, Zulassungsverfahren und Produktionsprozessen. Das Ministerium betonte, dass die Prognosen immer mit Unsicherheiten behaftet und Änderungen nicht ungewöhnlich seien.

Bayer will bis Ende 2021 mit der Produktion beginnen, Biontech will mehr liefern

Bayer und die Biotechnologiefirma Curevac gaben eine Erweiterung ihrer Anfang Januar geschlossenen Kooperation bekannt. Konkret will Bayer 2022 rund 160 Millionen Dosen des Impfstoffes von Curevac herstellen. Angestrebt wird ein Start bereits Ende 2021. Wenn die weiteren Entwicklungs- und Zulassungsschritte planmäßig verlaufen, könnte er ab Sommer gespritzt werden - dann zunächst mit Dosen, die nicht von Bayer produziert werden. Curevac-Chef Franz-Werner Haas sagte: „Zum Ende des Jahres werden wir mehrere hundert Millionen Dosen zur Verfügung haben.“ Für das Jahr 2022 seien bisher 600 Millionen Dosen geplant gewesen. Durch Ausweitung des bestehenden Produktionsnetzwerkes würden es nun mindestens eine Milliarde werden.

Auch auf EU-Ebene gibt es Bewegung. So will der Hersteller Biontech im zweiten Quartal möglicherweise bis zu 75 Millionen zusätzliche Dosen seines Vakzins an die Europäische Union ausliefern. Und auch der Pharmakonzern Astrazeneca will nun doch mehr Impfstoff liefern. Im ersten Quartal kämen neun Millionen Dosen hinzu, insgesamt seien es also 40 Millionen Dosen, teilte EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen mit. Der Hersteller hatte vor gut einer Woche mitgeteilt, im ersten Quartal nur 31 Millionen statt 80 Millionen Dosen zu liefern.

Spahn kündigte Änderungen bei der Verordnung an, die Vorgaben für die Impfungen macht. Hintergrund ist, dass der Astrazeneca-Impfstoff in Deutschland laut Empfehlung der Ständigen Impfkommission vorerst nur Erwachsenen unter 65 Jahren gespritzt werden soll. „Im Grundsatz werden die Priorisierungsgruppen so bleiben, wie sie sind“, sagte der Minister. Eingefügt werden sollen aber Altersvorgaben.

Frühere Imfpungen für Menschen mit Vorerkrankungen

Das betrifft auch die laufenden Impfungen der Gruppe mit höchster Priorität – dazu gehören Über-80-Jährige, Bewohner und Personal in Pflegeheimen sowie Gesundheitspersonal etwa in Intensivstationen. Sind diese Beschäftigten jünger als 65, sollen sie vorrangig mit Astrazeneca geimpft werden. Ab 65 soll man Anspruch auf Impfungen mit einem der beiden anderen Impfstoffe von Biontech und Moderna haben.

Zudem sollen Menschen mit Vorerkrankungen voraussichtlich teilweise etwas früher zum Zug kommen können als bisher geplant. Nach einem der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Entwurf sollen etwa Diabetiker mit hohen Blutzuckerwerten eine Impfung in der zweiten Gruppe mit „hoher Priorität“ erhalten können. Dies gilt etwa auch für Menschen mit chronischen Leber- oder Nierenerkrankungen sowie bestimmten schweren chronischen Lungenerkrankungen. In dieser Gruppe sollen sonst weiter schwerpunktmäßig Menschen ab 70 erfasst werden.

Die Bundesregierung bekräftigte das Ziel, bis Ende des Sommers allen Bürgern ein Impfangebot zu machen - aber vorausgesetzt, dass bei Lieferungen und Zulassungen alles wie vorgesehen läuft, wie die stellvertretende Regierungssprecherin Martina Fietz deutlich machte. Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) sagte dazu der „Süddeutsche Zeitung“ (Montag): „Diese Zusage haben Kanzlerin und Gesundheitsminister gegeben. Wenn ich die aktuelle Debatte über Impfstofflieferungen verfolge und hochrechne, müssen wir uns sehr anstrengen.“

Lieferungen für Hausärzte unter Voraussetzungen

Trotz der Lieferengpässe sieht EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen den Staatenverbund auf dem richtigen Weg. Inzwischen seien zwölf Millionen Menschen in der Europäischen Union geimpft worden - eine „stattliche Zahl“ im Verhältnis zu den rund 370 Millionen erwachsenen EU-Bürgern, sagte sie im ZDF-„heute journal“. Ziel der EU sei es, dass bis zum Ende des Sommers 70 Prozent der Erwachsenen geimpft seien.

Für breiter angelegte Corona-Impfungen in normalen Arztpraxen sind nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums zunächst größere Impfstoff-Lieferungen nötig. Sobald es die Verfügbarkeit zulasse, solle „der maßgebliche Teil der Impfungen“ in die Praxen und die Versorgung der niedergelassenen Ärzteschaft übergehen, heißt es in einem Informationspapier des Ministeriums für den „Impfgipfel“ von Bund und Ländern am Montag. Es liegt der Deutschen Presse-Agentur vor. Zunächst berichteten die Zeitungen der Funke Mediengruppe darüber.

Etwa 50.000 in Frage kommende Praxen könnten dann nach Angaben der Kassenärzte mehr als fünf Millionen Impfungen pro Woche vornehmen. Der Wechsel ergebe aber erst Sinn, wenn für Transport und Lagerung in den Praxen geeignete Impfstoffe für mindestens drei Millionen Impfungen pro Woche zur Verfügung stünden.

Theoretisch 200.000 Impfungen pro Tag

Derzeit laufen die Impfungen in regionalen Impfzentren der Länder - auch, weil der zuerst zugelassene Biontech-Impfstoff aufwendig zu kühlen ist. Nach Rückmeldungen der Länder sei die aktuell aufgebaute Kapazität der Impfzentren für mehr als 200.000 Impfungen pro Tag bei regulären Öffnungszeiten ausgelegt, heißt es im dem Papier weiter. Bei Bedarf seien kurzfristige Erweiterungen möglich. Bisher seien an einzelnen Tagen Spitzen von etwa 100.000 Impfungen erreicht worden.

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