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Breitbandinitiative: Die ersten Haushalte im Kreis Vechta dürfen sich bald über schnelles Internet freuen

Das kreiseigene Glasfasernetz nimmt Gestalt an, Ende Oktober werden 100 Anschlüsse freigeschaltet. Die Verbesserung des Handynetzes zieht sich allerdings.

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Die ersten 100 von insgesamt 9000 Haushalten, die sich für das kreiseigene Glasfasernetz angemeldet hatten, sind online bald deutlich schneller unterwegs als bislang. Foto: dpa/Warnecke

Die ersten 100 von insgesamt 9000 Haushalten, die sich für das kreiseigene Glasfasernetz angemeldet hatten, sind online bald deutlich schneller unterwegs als bislang. Foto: dpa/Warnecke

Knapp 9.000 Haushalte zwischen Visbek und Vörden hatten Verträge für die erste oder zweite Ausbaustufe des kreiseigenen Glasfasernetzes abgeschlossen, das derzeit in Teilen gebaut und künftig von Vodafone als Kooperationspartner betrieben wird. Für 100 von ihnen, die alle im Bereich der Holdorfer Ortschaft Fladderlohausen liegen, ist das Warten auf schnelles Internet bald vorbei: Ende Oktober sollen sie ans Netz angeschlossen werden, sagte der Geschäftsführer der Breitbandinitiative Landkreis Vechta, Markus Fischer, auf Anfrage von OM Online.

Damit nimmt der Breitbandausbau nach einem holprigen Start und diversen Problemen mit Förderanträgen und der korrekten Ermittlung der weißen Flecken langsam Fahrt auf. Das erfüllt nicht zuletzt den scheidenden Landrat Herbert Winkel „mit Freude“. Politik und Verwaltung hätten beschlossen, das Glasfasernetz „bis an die letzte Milchkanne“ auszubauen. Und er sehe sich in der Verpflichtung, dieses während seiner Amtszeit angeschobene Projekt „ins Laufen zu bekommen“, was „wahrlich kein Selbstläufer“ sei.

Das Vergaberecht macht die Sache aufwendig

In der Tat: Die bürokratischen und technischen Komplikationen beim Bau des Netzes sind trotz der ersten Erfolgsmeldungen noch nicht vorbei. Das beginnt bei den letzten Ausschreibungen der Ausbaustufen 1 und 2, die sich nach Fischers Angaben unter anderem wegen der Prüfung der Bewerber und rechtlicher Beurteilungen in die Länge ziehen. Fischer: „Das Problem ist das aufwendige Vergaberecht.“

In 5 von kreisweit 10 Baulosen wird derzeit am neuen, öffentlichen Glasfasernetz gebaut. Ab Ende Februar ist das überall geplant. Foto: dpaPleulIn 5 von kreisweit 10 Baulosen wird derzeit am neuen, öffentlichen Glasfasernetz gebaut. Ab Ende Februar ist das überall geplant. Foto: dpa/Pleul

Hinzu kommen Probleme beim Tiefbau, aktuell etwa im Bereich Vechta, Bakum und Lohne (Baulos 4). Die beauftragte Tiefbaufirma hatte die Arbeiten an ein Subunternehmen weitergeleitet und dieses habe unter anderem Grabentiefen nicht eingehalten und verschmutzte Kabelenden verlegt, hieß es auf der jüngsten Sitzung des Betriebsausschusses Breitbandinitiative. Und weiter: 2 Mal sei die Firma ermahnt worden. Jetzt werde ein neues Subunternehmen eingesetzt. Allerdings müssten 25 Kilometer bereits verlegte Trasse noch einmal erneuert werden. Das führe zu einem Zeitverzug.

Apropos: Im Sommer 2020 hatten die ersten Tiefbauarbeiten in der Gemeinde Holdorf begonnen. Noch in diesem Sommer sahen die Planungen so aus, dass die Arbeiten bis Jahresende in allen 10 Baulosen beginnen sollten. Wegen der erwähnten Probleme ist das jetzt aber nicht mehr zu realisieren. Aktuell wird in den Baulosen 1 bis 4 sowie 10 gebaut. Sie umfassen neben den erwähnten Kommunen auch Teile von Dinklage, Neuenkirchen-Vörden und Steinfeld.

3. Ausbaustufe: Warten auf Förderbescheid

Im Baulos 5 (Holdorf, Damme, Neuenkirchen-Vörden) soll der Startschuss im November erfolgen, in den dann noch fehlenden Baulosen 6 bis 9, die zum Großteil im Nordkreis liegen, erst im Januar und Februar 2022. Der Abschluss der Arbeiten ist für Herbst 2023 geplant. Immerhin: Der letztgenannte Kostenrahmen „kann gehalten werden“, bekräftigt Fischer. Das bedeutet: Die Gesamtinvestitionen für beide Ausbaustufen belaufen sich auf 112 Millionen Euro. Mindestens 57 Millionen Euro davon sollen Bund und Land tragen.

Bewegung kommt derweil in die geplante 3. Ausbaustufe: Wie berichtet, sollen noch weitere Haushalte im Kreisgebiet in den Genuss einer schnelleren Datenleitung kommen, wenn sie denn wollen. Hintergrund: Bislang galten nur Gebiete als förderwürdig, in denen kein privates Unternehmen eine Datengeschwindigkeit von mehr als 30 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) anbietet. Im Frühjahr trat jedoch eine neue Förderrichtlinie des Bundes in Kraft, die den öffentlichen Netzausbau auch in Gebieten mit weniger als 100 Mbit/s unterstützt.

Nach Abgleich der Datenlage der bislang von der öffentlichen Hand als förderwürdig erachteten Haushalte sowie dem Ausbaustatus von Privatunternehmen entpuppten sich 1.400 zusätzliche Adressen als förderfähig. Diese Adressen werden den Angaben zufolge aktuell noch verifiziert. Parallel sei jedoch bereits ein entsprechender Förderantrag beim Bund gestellt worden. „Wir warten jetzt auf den positiven Bescheid“, sagt Geschäftsführer Fischer. Die Investitionskosten für dieses Projekt belaufen sich auf 20 Millionen Euro.

Funkloch-Umfrage: 1.022 Menschen beteiligen sich

Ausbaufähig ist aber nicht nur der stationäre Datenempfang im Kreis Vechta, sondern auch der Mobilfunk. Um das zu ändern, würde die Kreisverwaltung gerne die neue Mobilfunkrichtlinie des Landes nutzen. Damit werden erstmals Investitionen in den Bau von Netzinfrastruktur gefördert, etwa Masten, Zuwegungen, Leerrohre oder Planung – und zwar bis zu 90 Prozent. Problem: Um in den Genuss dieser Mittel zu kommen, muss nachgewiesen werden, dass es Funklöcher gibt. Im aktuellen Mobilfunkatlas des Landes gilt das Kreisgebiet – warum auch immer – jedoch als gut versorgt.

Um zu belegen, dass die Realität anders aussieht, hatte der Kreis eine neue Mobilfunkumfrage unter der Bevölkerung gestartet, die mittlerweile abgeschlossen ist. 1.022 Bürgerinnen und Bürger haben sich den Angaben zufolge daran beteiligt und jede Menge Funklöcher gemeldet. „Die Daten werden derzeit ausgewertet“, erklärt Fischer. Wenn das geschehen ist, sollen diese Ergebnisse mit den Resultaten eines neuen Markterkundungsverfahrens des Breitbandzentrums Niedersachsen-Bremen abgeglichen werden, um dann einen entsprechenden Förderantrag beim Land stellen zu können. „Das soll noch in diesem Jahr geschehen“, versichert Fischer.

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