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Boris Pistorius würde nicht in einer Gesellschaft ohne Ehrenamt leben wollen

Der Landesinnenminister war der Einladung von SPD-Kandidatin Pia van de Lageweg nach Friesoythe gefolgt. Ehrenamtliche Rettungs- und Sozialkräfte schilderten dem Politiker ihre Sorgen.

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Unbezahlbare Arbeit: Das Engagement von Hilfsorganisationen war ein wichtiges Thema bei dem Besuch von Boris Pistorius in Friesoythe, er war der Einladung von Pia van de Lageweg gefolgt. Foto: Hahn

Unbezahlbare Arbeit: Das Engagement von Hilfsorganisationen war ein wichtiges Thema bei dem Besuch von Boris Pistorius in Friesoythe, er war der Einladung von Pia van de Lageweg gefolgt. Foto: Hahn

Als der Minister für Inneres und Sport am Mittwoch in Friesoythe zu Gast war, ging es eigentlich um ein Thema, dass gar nicht in Boris Pistorius Ressort fällt. Denn für das Ehrenamt ist das Sozialministerium zuständig, erklärte Pistorius, in seinem Bereich seien allerdings die meisten Ehrenamtlichen tätig. Pia van de Lageweg, SPD-Landtagskandidatin für den Wahlkreis 66 – Cloppenburg-Nord, hatte eingeladen. Ehrenamtliche aus der Branche Rettung und Soziales konnten dem Landespolitiker ihre Sorgen schildern.

"Unsere Gesellschaft wäre eine vollkommen andere – eine, in der ich ehrlich gesagt nicht leben wollen würde – ohne das Ehrenamt", erklärte der Minister zum Beginn der Veranstaltung in der Reihe "Auf ein Wort". Viele Menschen würden die Leistungen als selbstverständlich nehmen. Dabei funktioniere die Säule der Sicherheitsstruktur ohne das Ehrenamt nicht, betonte Pistorius. Gerade in den aktuellen Krisenzeiten werde die Bedeutung noch wichtiger.  

Pistorius möchte die Ausstattung und Ausbildung im Ehrenamt fördern

Pia van de Lageweg verriet dem Publikum in der Wassermühle, dass ihr im Wahlkampf noch mal bewusst geworden sei, wie viele Menschen aus der Region sich engagieren. Deswegen würde sie gerne ihre erste Rede im Landtag, wenn sie denn rein gewählt werde, dem Ehrenamt widmen. Den Beifall von Pistorius hätte sie sicher, antwortete der Minister, der zum Geburtstag der Landtagskandidatin spontan ein Ständchen anstimmte. 

Danach wurde es politisch: Von dem Vorschlag von der Bundesinnenministerin und SPD-Kollegin Nancy Faeser halte er nichts, machte Pistorius deutlich. Faeser hatte im August angestoßen, für ehrenamtliche Arbeit Rentenpunkte zu verteilen. Um Geld oder frühere Rente gehe es den Engagierten jedoch nicht, berichtete der Politiker aus seinen Erfahrungen. Stattdessen sei es wichtig, die Ausbildung und Ausstattung zu stärken.

Der Katastrophenschutz bräuchte viel mehr Geld, forderte Pistorius. Als Beispiel führte er auf, dass bei zunehmenden Waldbränden die Feuerwehr dementsprechend ausgerüstet sein muss. Allerdings leide die Politik laut ihm unter "Katastrophendemenz" – wenn das Problem weniger wird, werde kein Geld mehr investiert. Es gebe viele Baustellen und man müsse Prioritäten setzen, schmälerte Pistorius die finanziellen Versprechungen.

Pistorius: Gewinnen von Ehrenamtlichen ist ein Kernproblem

Ein wichtiger Aspekt war dem Minister, dass Freiwillige von Hilfsorganisationen mit Katastrophenschutzorganisationen gleichgestellt werden und so auch über den Katastrophenfall hinaus eine Freistellung bekommen. Dieser Anstoß kam bei dem Publikum aus den vielfältigen Bereichen des Ehrenamts gut an. Die Gäste, die aus der ganzen Region angereist waren, beteiligten sich rege mit Fragen. 

So berichtete eine Aktive beim Deutschen Roten Kreuz, dass es immer schwerer werde, neue Menschen für das Ehrenamt zu gewinnen und alte Engagierte zu halten. Das sei ein Kernproblem, erwiderte Pistorius. Deswegen gelte es, das Ehrenamt attraktiv zu machen. Dafür sei es von zentraler Bedeutung, Bürokratie abzubauen.

In Schulen und Kindergärten müsste man zudem das Gefahrenbewusstsein stärken, befand der Minister. So würden die Kinder auch die Organisationen kennenlernen und das Ehrenamt wachse nach. Zwischendurch erlaubte sich der SPD-Mann immer wieder Spitzen gegen die CDU als jetzigen Koalitionspartner und hob die Grünen als Wunsch-Partner hervor. 

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