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Bloß nicht die Finger verbrennen...

Kolumne: Klartext

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Eines rechne ich der EU hoch an: Sie handelt mit durchschlagender Bedeutungslosigkeit, wenn es nicht gerade um deutsche Landwirte und Glühbirnen geht. Folglich waren realistische Notfall-Pläne in Brüssel nie ernsthaft ein Thema. Ursula von der Leyen rief lieber den Pseudo-Klima-Notstand aus. Der verlangte nur warme Worte und versprach mehr Sendezeit. Das Rednerpult war leider von Politikberaterin Greta besetzt, als alte weiße Virologen noch Parkplätze in der Nähe des Parlaments suchten, weil sie beim Hausmeister europäisches Handeln anmahnen und zehn Euro 50 für die Forschung wollten.

Obwohl es in Brüssel damals noch durchaus Luft zum Handeln gegeben hätte, denn das leidige Problem mit den Ofenhandschuhen war vom Tisch. Die Hochbetagten werden sich erinnern: Die Mitgliedstaaten wollten, dass Ofenhandschuhe für den privaten Gebrauch genauso sicher sind wie für Stahlarbeiter. Und zwar möglichst, bevor es an der Basis zu einer pandemieartigen Revolte wegen uneinheitlicher Sicherheitsstandards für private Ofenhandschuhe kommt. Alle Regierungen und das Europäische Parlament gingen den Hot Deal auf Vorschlag der Kommission zusammen an, um nationale Irritationen im Kern zu ersticken. Von der Idee über den Beschluss bis zur Umsetzung dauerte es nur 29 Jahre.

„Von der Idee über den Beschluss bis zur Umsetzung dauerte es nur 29 Jahre“Angelika Hauke, Journalistin

Bekanntlich ist der statistische EU-Europäer unfähig, eigenständig zu denken. Sobald er mit Omas gehäkelten Topflappen vor seinem Backofen steht, hantiert er hilflos mit heißen genormten Auflaufformen glutenfreien Inhalts und fällt somit unter die besonders gefährdeten Wirbeltiere. Ganz gleich, ob auf nationaler oder europäischer Ebene. In der Richtlinie von 1989 waren Backhandschuhe für den privaten Gebrauch von den Sicherheitsstandards ausgenommen. Denn im wirklichen Leben stellten die Hersteller an Brüssel vorbei Grillhandschuhe bereits ohnehin nach den für den professionellen Gebrauch bewährten nationalen Standards her.

Ärgerlich für den EU-Ausschuss, aber kein Grund aufzugeben. Die Sicherheitsnormen wurden mit Hinz und Kunz besprochen. Danach das große Aufatmen. Kein Hersteller hatte Einwände dagegen, dass Backhandschuhe für den privaten Gebrauch weiterhin sicher sein sollten. Damit war der Weg frei. Der unschlagbare Vorteil dieser Reform: Die Hersteller müssen nur eine weitere Verordnung beachten – und nicht ungeduldig auf ein EU-Gesetz mit identischem Inhalt warten, dessen Umsetzungsreife vermutlich 129 Jahre gedauert hätte. Diese penible Sorgfalt wird gerade in diesen Tagen, wo jeder seinen eigenen Placebo-Mundschutz näht, viel zu wenig gewürdigt.

Zur Person

  • Die Journalistin Angelika Hauke lebt in Cloppenburg. Sie war bis Jahresende 2016 Chefredakteurin der Münsterländischen Tageszeitung in der Nachbarkreisstadt.
  • Die Autorin erreichen Sie unter info@om-online.de.

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