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Bistum Münster: Von Missbrauch Betroffene wollen sich vernetzen

Die Diözese will die Aufklärung von sexueller Gewalt in den eigenen Reihen vorantreiben. Allerdings als Dienstleister. Auch Betroffene aus dem Oldenburger Münsterland rufen zum Zusammenschluss auf.

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Zeigt sich bereit zur Aufklärung: Das Bistum Münster will sich in den Dienst der Betroffenen stellen. Foto: dpa/Thissen

Zeigt sich bereit zur Aufklärung: Das Bistum Münster will sich in den Dienst der Betroffenen stellen. Foto: dpa/Thissen

Betroffene von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche sollen die Aufklärung im Bistum Münster künftig maßgeblich mitbestimmen. Das Bistum setzt dafür auf eine neue Art der Beteiligung. Das teilt die Bistumsleitung mit. Mit der Vorgehensweise will die Diözese nach eigener Darstellung vermeiden, dass die Opfer instrumentalisiert werden. Das Bistum selbst will demnach als Dienstleister die Aufklärung vorantreiben.

Betroffene aus dem Bistum Münster – auch aus dem Oldenburger Münsterland – rufen auf, sich zu vernetzen. Das geht aus einem vom Bistum Münster veröffentlichten Schreiben hervor. Die Initiative sucht demnach Kontakt zu weiteren Betroffenen. Dieses Netzwerk könne in einer Betroffenen-Beteiligung münden und die von vielen lange geforderte Mitsprache auf Bistumsebene bewirken.

Die Betroffenen-Vertreter wollen laut Mitteilung des Bistums nach einem intensiven Austausch mit der Diözese außerdem direkt weitere Betroffene anschreiben, die der Diözese bekannt sind. Dieses Vorgehen unterscheide sich von den bisherigen Ausschreibungen zur Betroffenenbeteiligung anderer Bistümer in Deutschland darin, dass der Aufruf von Betroffenen selbst an andere Betroffene ausgesprochen werde.

Betroffene fordern seit Jahren Beteiligung

Gleichzeitig nennt die Betroffenen-Initiative externe Ansprechpartner für Betroffene sexueller Gewalt, darunter Betroffenen-Vertreter, eine Notarin und Selbsthilfe-Initiatoren. Auch das Bistum stellt einen Ansprechpartner zur Verfügung.

Die neue Vorgehensweise ist laut Mitteilung des Bistums das Ergebnis eines monatelangen Austauschs mit Betroffenen. Diese hatten zuletzt immer wieder die Art der Aufarbeitung von Missbrauch in der Kirche kritisiert. 

Parallel läuft eine wissenschaftliche Aufarbeitung

Stephan Baumers von der Interventionsstelle des Bistum Münster erklärte in dem Schreiben der Diözese: "Uns ist es wichtig, erst gar nicht den Eindruck entstehen zu lassen, dass Betroffenenbeteiligung nur mit Zustimmung oder in Abhängigkeit vom Bistum möglich ist. Vielmehr sollen und können Betroffene sich unabhängig vom Bistum organisieren, sich mit den Fragen und Themen befassen, die ihnen wichtig sind und sich auch in der Öffentlichkeit so positionieren, wie sie das für richtig halten. Das Bistum ist hier außen vor und unterstützt die Betroffenen nur und in der Form, wie sie das möchten." Dieser Ansatz entspreche auch dem bei der wissenschaftlichen Aufarbeitung gewählten: Auch hier arbeiten Forscher der Universität Münster in völliger Unabhängigkeit vom Bistum.

Dem aktuellen Schritt seien intensive Beratungen mehrerer Missbrauchsbetroffener untereinander und ein Austausch von diesen mit dem Bistum vorausgegangen. Das Bistum Münster werde nun ein äußerlich absolut neutral gehaltenes Schreiben an alle Personen senden, deren Anschriften als Betroffene aus dem Bereich des Bistums vorliegen. Dies seien vor allem Personen, die Anträge auf Leistungen in Anerkennung des Leids gestellt haben. Verfasser des Briefes seien die Betroffenen, von denen die Initiative jetzt ausgeht, und nicht das Bistum.

„Da so nicht alle Betroffenen erreicht werden können, weisen wir als Bistum nun in Absprache mit Betroffenen auf diesem Weg auf die Initiative hin“, wird Baumers zitiert. Nach einer ersten Rückmeldung wollen dann die Betroffenen in eigener Regie möglichst schon im Herbst dieses Jahres zu einem ersten Betroffenen-Treffen einladen. Dieses soll ohne Beteiligung des Bistums stattfinden. Zu diesem Treffen ruft auch die Initiative auf.

Ansprechpartner beim Bistum und bei Betroffenen

Für Rückfragen stehen Martin Schmitz von der Selbsthilfe Rhede unter der Telefonnummer 0171/4785602 als Verantwortlicher für die Betroffenenbeteiligung des Bistum Münster, Stephan Baumers, unter Telefon 0251/4956029 zur Verfügung.

Die Betroffenen-Vertreter nennen in ihrer Mitteilung weitere Ansprechpartner und Kontaktdaten:

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