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Bilanz nicht schönreden

Thema: Politiker loben Afghanistan-Einsatz – Der Afghanistan-Einsatz ist gescheitert. Das zuzugeben, fällt den Verantwortlichen noch immer schwer. Die Aufarbeitung dürfte schmerzhaft werden.

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In dieser Woche veröffentlichte ein Nachrichtenmagazin ein Foto, das die ganze Tragik des Afghanistan-Einsatzes symbolisiert. Bei Kunduz hatte die Bundeswehr eine Brücke über einen Fluss gebaut. Nachdem sie von den Taliban gesprengt wurde, war der Ärger unter den Bewohnern der Umgebung groß. Schließlich besorgten die Gotteskrieger ein wackeliges Fährboot. Im Schatten der halb zerstörten Brücke verkehrt es nun von einem Ufer zum anderen.

Es ist wieder Mittelalter in Afghanistan und die Frage, warum das 20-jährige Engagement der westlichen Truppen am Ende so krachend scheiterte, dürfte die Zeithistoriker noch lange beschäftigen. Dass es gescheitert ist, kann wohl niemand ernsthaft bezweifeln, auch wenn  die verantwortlichen Politiker und Militärs die Bilanz permanent schönreden. 59 Tote hat der Einsatz gekostet – umsonst war er also wahrlich nicht. Die Gesellschaft tut gut daran, der Gefallenen zu gedenken. Letztlich haben auch sie geglaubt, die Sicherheit Deutschlands würde am Hindukusch verteidigt. Wenn es so wäre, stünde es jetzt schlecht um uns.

Noch schlimmer dran sind aber all jene jungen Afghanen, die zwei Jahrzehnte lang in einer verhältnismäßigen Freizügigkeit aufgewachsen sind. Damit ist es vorbei und niemand weiß, wie lang und brutal die Herrschaft der Taliban diesmal sein wird. An die Bundeswehr dürfte sich danach wohl kaum noch jemand erinnern – auch nicht beim Blick auf die Brückenruine bei Kunduz.

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