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Biker wollen sich Gehör verschaffen

Der Bundesrat will ein Fahrverbot an Sonn- und Feiertagen ermöglichen. Dagegen regt sich massiver Widerstand unter der Liebhabern der motorisierten Zweiräder.

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Wollen sich ihr Hobby nicht nehmen lassen: Frank Neumann (rechts) und Jürgen Tabeling. Deshalb rufen sie zur Demonstration gegen ein mögliches Fahrverbot auf. Foto: Thomas Vorwerk

Wollen sich ihr Hobby nicht nehmen lassen: Frank Neumann (rechts) und Jürgen Tabeling. Deshalb rufen sie zur Demonstration gegen ein mögliches Fahrverbot auf. Foto: Thomas Vorwerk

Die Harley Davidson steht an der Hauptstraße in Garrel und sollte jeder polizeilichen Überprüfung standhalten. „Alles vom TÜV genehmigt“, sagt Besitzer Frank Neumann. Freie Fahrt also für den 55-Jährigen, doch der Bundesrat hat unlängst beschlossen, dass ein Fahrverbot an Sonn- und Feiertagen für Motorradfahrer möglich sein soll. Jetzt ist der Bundestag an der Reihe.

Demonstration in Garrel: Organisatoren haben Silvia Breher eingeladen

„Durch ein Fahrverbot fühle ich mich in meinen Grundrechten verletzt“, meint der Garreler und steht damit nicht alleine da. Deshalb organisieren er und Jürgen Tabeling für Samstag, 4. Juli, eine Demonstration auf dem Busbahnhof in Garrel. Um 12 Uhr sollen sich dort bis zu 250 Motorradfahrer treffen und auch die örtliche Bundestagsabgeordnete Silvia Breher ist eingeladen. Nach einer kurzen Begrüßung sind alle eingeladen, sich individuell auf den Weg nach Papenburg zu machen, wo um 14 Uhr eine größere Kundgebung geplant ist. Bundesweit gibt es an diesem Tag ähnliche Demonstrationen.

Für Neumann ist es ein ­Hobby, bei der entspannen kann. Und wer, wie er, unter der Woche arbeitet, dem bleibt für sein Freizeitvergnügen nur das Wochenende und speziell der Sonntag, argumentiert der Biker. Gleichzeitig gebe es auch viele Fahrer, die das Motorrad als einziges Fortbewegungsmittel haben. Er argwöhnt zudem, dass in Zeiten, in denen Corona das beherrschende Thema in den Nachrichten ist, solche Beschlüsse ganz bewusst gefasst werden, um sie möglichst geräuschlos über die Bühne zu bringen.

Einige wenige bringen Millionen Fahrer in Verruf

Die Hintergründe sind beiden bekannt. Laute Motorräder, die zudem in Drehzahlen bewegt werden, die eine deutliche Geräuschkulisse provozieren. Neumann: „Natürlich gibt es unter den Fahrern schwarze Schafe, aber die machen nur einen geringen Teil aus, und um die hat sich die Polizei zu kümmern. Deshalb kann man nicht alle über einen Kamm scheren.“

Das man sich damit einen Bärendienst erweist, davor haben die Organisatoren des Treffens keine Angst. „Wir werden Fahrer gezielt ansprechen, die mit lauter Fahrweise oder dezibelstarken Auspuffanlagen auffallen“, verspricht Frank Neumann. Außerdem sei es selbstverständlich, dass alle geltenden Hygienevorschriften eingehalten werden.

Bundesrat fordert Lärm-Obergrenze von 80 Dezibel

Der Bundesrat hat in seinem Beschluss vom 15. Mai außerdem gefordert, dass künftig für neue Motorräder eine Lärm-Obergrenze von 80 Dezibel eingeführt wird. Das wird aktuell von den wenigsten Serienmotorrädern erreicht. Im Nachbarland Österreich hatte man einen anderen Weg eingeschlagen und in Tirol einige Bereiche für Motorräder, die lauter als 95 Dezibel sind, gesperrt.

Die Konsequenz: Die Polizei musste ihre eigenen Ducati Multistrada abziehen. Sie erfüllen diesen Grenzwert nicht, berichtet das Fachmagazin „Motorrad“.

Neben den Demos gibt es auch eine Online-Petition gegen Fahrverbote, die bis gestern Mittag knapp 190.000 Unterstützer gefunden hat. Weil die Petition mehr als die 50.000 notwendigen Stimmen erreicht hat, wird der Petitionsausschuss des Bundestages in einer öffentlichen Sitzung über die Forderung beraten.


Ein Kommentar zum dem Thema von Thomas Vorwerk (Redakteur):

Man mag sich kaum vorstellen, dass die Initiative aus dem Bundesrat von Erfolg gekrönt sein wird. Mit einem generellen Fahrverbot an Sonn- und Feiertagen würde man angesichts von über vier Millionen in Deutschland zugelassenen Motorrädern fast ebenso viele Wähler verprellen. Nicht eingerechnet die Tankstellenpächter und Betreiber von Ausflugslokalen, denen ein guter Teil ihrer Kundschaft wegbricht. Mehr noch: Wer am Wochenende seinem Hobby nicht mehr nachkommen kann, der verliert vielleicht gänzlich das Interesse. Umsätze in Millionenhöhe gingen den Importeuren verloren, tausenden Werkstätten würde die Schließung mangels Aufträgen drohen. So weit kann es eigentlich nicht kommen. Ich bin selber Motorradfahrer und habe großes Verständnis dafür, dass Anwohner beliebter Strecken Verbote einfordern. Den wenigen schwarzen Schafen muss man aber Herr werden können, ohne alle Fahrer in Sippenhaft zu nehmen. Maschinen, die zu laut sind, stilllegen und hohe Bußgelder verhängen – dann trifft es auch die Richtigen. Es gibt genügend Autos, deren Besitzer ganz tief in die Tuning-Kiste gegriffen haben, um vor der Eisdiele röhrend Aufmerksamkeit zu erhaschen. Deshalb käme niemand auf die Idee, das Autofahren grundsätzlich an Sonn- und Feiertagen zu verbieten.

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