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Bestellt und nicht abgeholt

Thema: Amazon-Beschäftigte legen ihre Arbeit nieder - Und viele Bürger solidarisieren sich mit ihrem ausbeuterischen Arbeitgeber. Das ist egoistisch - und unsozial. Es geht um Existenzen.

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Kaum legen ganze Branchen oder die Beschäftigten eines Großkonzerns die Arbeit nieder, solidarisieren sich viele Bürger nicht mit den Streikenden, sondern schimpfen über die persönlichen Auswirkungen des Streiks. Das ist unsozial und egoistisch.

Aktuelles Beispiel: Amazon. An mehreren Standorten haben Beschäftigte des Online-Händlers gestern die Arbeit niedergelegt. Die Gewerkschaft Verdi hatte dazu aufgerufen, um bessere Arbeitsbedingungen und einen neuen Tarifvertrag für die Angestellten zu erreichen.  Die Folge: In den Online-Netzwerken wird gejammert, weil die Geschenkpakete eventuell nicht mehr rechtzeitig vor Heiligabend ankommen. Liebe Jammernden: Hier geht es nicht um Wohlstandssorgen, sondern um Existenzen.

Jeder dritte Beschäftigte im Versandhandel arbeitet laut Bundesagentur für Arbeit als Niedriglöhner. Heißt: Viele dieser Menschen bekommen nur 2000 Euro brutto im Monat für einen Vollzeitjob. Im Fall Amazon kommt hinzu, dass der in Coronazeiten noch eminent wachsende Reichtum neben Ausbeutung auf Datensammelwut und rigoroser Steuervermeidung beruht.

Viel näher liegt es, beim Händler vor Ort einzukaufen. Auch dort geht es aktuell um Existenzen. Bei einer wachsenden Zahl von ihnen ist die Bestellung online möglich, Abholung oder Versand ebenso. Sehr hilfreich wäre es ferner, wenn die Bundesregierung das Digitalpaket der EU voranbringen würde, mit dem die Marktmacht der Online-Giganten reguliert werden soll. Erst dann würde auch Amazon dastehen, wie bestellt und nicht abgeholt.

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