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Bernd Wichmann will seine Heimat mitgestalten

Der Kandidaten-Check von OM online: Bernd Wichmann will neuer Bürgermeister in Friesoythe werden. Er tourt dafür mit einem Wahlmobil durch die Ortschaften, um mit den Leuten ins Gespräch zu kommen.

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Kein Radweg, kein Fußweg: Die Kamper Brücke über den Küstenkanal ist für CDU-Kandidat Bernd Wichmann eines der Themen, bei denen die Stadt den Hut aufhaben und andere ins Boot holen muss. Foto: Stix

Kein Radweg, kein Fußweg: Die Kamper Brücke über den Küstenkanal ist für CDU-Kandidat Bernd Wichmann eines der Themen, bei denen die Stadt den Hut aufhaben und andere ins Boot holen muss. Foto: Stix

Der Kandidaten-Check von OM online. In dieser Reihe stellen wir zur Kommunalwahl im September die Bürgermeister- und Landratskandidaten in den Landkreisen Cloppenburg und Vechta vor. Das Konzept: Einen thematischen Treffpunkt darf der Kandidat wählen, den anderen bestimmt die Redaktion. In dieser Folge: Friesoythes Bürgermeister-Kandidat Bernd Wichmann (CDU) im Talk mit Reporter Heiner Stix. 

Die Frage nach dem "Warum" beantwortet Bernd Wichmann kurz und schnörkellos: "Weil ich die Stadt mitgestalten will", sagt er, und schiebt dann doch noch eine Erläuterung hinterher. "Friesoythe war immer meine Heimat, egal wo ich gerade war. Hier bin ich aufgewachsen und es war auch immer klar, dass ich nach dem Studium hier sesshaft werde."

Wohnzimmer im Mercedes-Sprinter

Seit 5 Jahren sitzt Wichmann im Friesoyther Stadtrat, ebenso lange ist er stellvertretender Bürgermeister. Jetzt will er an die Stadtspitze und setzt dabei in hohem Maß auf die direkte Kommunikation mit den Bürgerinnen und Bürgern. Dafür tourt er mit seinem "Wahlmobil", einem zum Wohnzimmer umgebauten Mercedes Sprinter, den ihm ein Freund aus Nordrhein-Westfalen zur Verfügung gestellt hat, durch die Stadt. Genauer gesagt: vor allem durch die Ortschaften. "Ich will dort zu den Leuten und mit ihnen ins Gespräch kommen, denn ich bin in den Ortschaften nicht so bekannt", sagt der CDU-Kandidat. "Auf dieser Tour lerne ich die Ortschaften kennen, und darum geht es mir." 

Gleichzeitig nimmt er dabei viele Themen mit. In Thüle etwa ging es sehr stark um das Thema Verkehr, in Kampe sprachen ihn die Leute auf die Geruchsemissionen der Oldenburgischen Fleischmehlfabrik OFK und auf den neu zu gestaltenden Spielplatz an. "Kampe ist für mich ein Beispiel für die Stärken unserer Ortschaften, für das ehrenamtliche Engagement, das Miteinander und die Kreativität bei der Gestaltung des Ortes", sagt der 51-Jährige, der auch im Vorstand des Vereins "Jedem Kind eine Chance" ist, beim Ortstermin an der Kamper Brücke über den Küstenkanal.  

„Einer muss den Hut aufhaben, und das muss die Stadt sein, denn es geht um unsere Bürger.“Bernd Wichmann, Bürgermeister-Kandidat

Die Brücke verbindet Kampe und Kamperfehn. Zumindest für Autofahrer. Sie ist so schmal, dass 2 Lkw nur mit Mühe aneinander vorbeikommen. Fuß- und Radweg sucht man vergeblich. Die Situation ist ein großes Thema in der Friesoyther Ortschaft und für Wichmann ein gutes Beispiel dafür, wie Bürgermeister, Stadtverwaltung und Rat dafür sorgen können und sollen, dass die Ortschaften für alteingesessene und potenzielle Zuzügler attraktiv bleiben. "Verkehrsthemen gibt es an vielen Orten, und da muss die Stadt dann die anderen Beteiligten, also etwa andere, zum Teil übergeordnete Behörden, eben an einen Tisch bringen, um eine Lösung zu finden", sagt der Jurist. "Einer muss bei sowas den Hut aufhaben, und das muss, wenn das Thema für andere Behörden nachrangig ist, eben die Stadt sein, denn es geht um unsere Bürger."

Die Verkehrsthemen will er, sollte er zum Bürgermeister gewählt werden, als einen der ersten Punkte auf seiner Liste angehen. Die Wirtschaftsförderung gehört dazu und das Ehrenamt in allen seinen Facetten. "Das ist ungemein vielfältig", sagt er, "und eben sehr viel mehr als die Sportvereine." Und dann ist da noch das Thema Bildung. "Die Stadt muss als Träger der Grund-, Ober- und Realschulen dafür sorgen, dass die sächlichen und infrastrukturellen Rahmenbedingungen stimmen, damit die vom Land bezahlten Lehrer ihre Arbeit machen können", sagt er auf der Baustelle des neuen Schulzentrums an der Dr.-Niermann-Straße. Soll heißen: Die Stadt ist bei ihren Schulen unter anderem für die Instandhaltung und bei Bedarf auch für die Neu- und Umbauarbeiten zuständig.

Streit um das Schulzentrum ist für den Kandidaten inzwischen erledigt

Und da hat es in letzter Zeit in Friesoythe gewaltig geknirscht. Die lange Planungsarbeit beim Neubau der Grundschule in Altenoythe war ein Streitthema im Stadtrat, vor allem aber am Neubau des Schulzentrums an der Dr.-Niermann-Straße erhitzten sich die Gemüter. Die CDU warf der Stadtverwaltung Fehler bei der Planungsarbeit und insbesondere eine schlechte Finanzkalkulation vor, die am Ende zu einer annähernden Verdoppelung der ursprünglich geplanten Kosten geführt habe.

Für Wichmann ist der Streit Geschichte, es geht ihm um die Lehren, die man daraus ziehen kann. "Es gab wenig Streit um die Frage, wie die Ludgerischule hier untergebracht und wie die Realschule saniert werden soll", sagt er auf der Baustelle. "Es war ein kommunikatives Problem." Wenn man aus der Zeitung erfahre, dass es eine gewaltige Kostensteigerung gibt, dann sei das "für politisch ehrenamtlich Tätige nicht hinnehmbar", erläutert er. Das müssten die zuständigen Gremien zuerst erfahren und dann auch beraten. "Wir haben aus diesem Beispiel gelernt, dass die Kommunikation offener und transparenter werden muss, und das läuft jetzt auch in der Umsetzung gut weiter."

Einen konkreten Plan für die ersten 100 Tage oder für ein erstes Vorhaben hat Wichmann, sollte er denn gewählt werden, noch nicht. Seine Schwerpunktthemen – Wirtschaft, Ehrenamt, Verkehr – stehen fest, jetzt aber gehe es erst einmal darum, mit dem Amtsinhaber um die Zustimmung der Wählerinnen und Wähler zu wetteifern. "Das Wort Wahlkampf mag ich nicht", betont er. "Das ist mir zu martialisch." Und wenn er es denn schaffen sollte? "Dann", sagt Wichmann, "muss ich erst einmal ankommen."


Zur Person:

  • Bernd Wichmann ist 51 Jahre alt, verheiratet und Vater eines Sohnes
  •  Abitur am Albertus-Magnus-Gymnasium Friesoythe
  • Nach dem Wehrdienst Jura-Studium in Freiburg und Münster, anschließend Referendariat in Düsseldorf
  • Selbstständiger Rechtsanwalt in Friesoythe
  • Seit 2016 Mitglied im Friesoyther Stadtrat und stellvertretender Bürgermeister

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