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Benötigt das Wohngebiet in Langenberg eine spezielle Energieform?

Ein Energieexperte erklärt der Holdorfer Politik, welche möglichen Konzepte es gibt. Es kristallisiert sich heraus: Das neue Baugebiet wird wohl andere Wohn-Charakteristika haben als die vorherigen.

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Noch eine landwirtschaftliche Fläche, bald eine Wohnsiedung mit speziellen Merkmalen? Am Steinfelder Damm in Langenberg sind mehr als 80 Grundstücksflächen möglich. Foto: Böckmann

Noch eine landwirtschaftliche Fläche, bald eine Wohnsiedung mit speziellen Merkmalen? Am Steinfelder Damm in Langenberg sind mehr als 80 Grundstücksflächen möglich. Foto: Böckmann

Die Gemeinde Holdorf plant in Langenberg ein neues Baugebiet. Diese nackte Nachricht aus dem vergangenen November dürfte bei den zahlreichen Bauwilligen in der Kommune viel Freude ausgelöst haben. Doch das Baugebiet am Steinfelder Damm mit seinen mehr als 80 Grundstücksflächen, die in drei Abschnitten vermarktet werden sollen, wird im Bebauungsplan wohl vom Standard der bisherigen Wohnsiedlungen abweichen. Diese Tendenz kristallisierte sich jetzt in der jüngsten Sitzung des Planungs- und Bauausschusses heraus.

Es geht im Allgemeinen jetzt vor allem um diese Fragen: Welche baulichen Merkmale soll das neue Wohngebiet haben? Welchen energetischen Charakteristika soll die Siedlung am Langenberger Ortsausgang haben? Und: Soll die Gemeinde im Bebauungsplan etwas verpflichten? Oder setzt sie auf Freiwilligkeit?

Energieformen stehen im Ausschuss im Mittelpunkt

Die Debatte um eine andere, neue Art von Wohnformen hatte die Interessengemeinschaft Holdorf (IGeHo) und speziell deren Mitglied Sergej Belz in Schwung gebracht. Die IGeHo kritisierte den Flächenfraß und wünschte ressourcenfreundlicheres Bauen. Während die Politik in der vorherigen Sitzung vor allem über innovative Wohnmodelle diskutierte, tauschten sich der Ausschuss in der jüngsten Sitzung speziell über die Energieformen aus. 

Dazu hatte die Verwaltung Ralf Enneking eingeladen. Der Dammer ist Leiter des Energiemanagements bei der Firma Ingenieur Netzwerk eG in Bad Iburg. Enneking erklärte dem Ausschuss fast 120 Minuten lang sehr detailliert, welche möglichen Konzepte es für die Energieversorgung für ein Wohngebiet gibt - inklusive Vor- und Nachteilen und Fördermöglichkeiten. Zwei Konzepte sind für Wohnquartiere denkbar, auch als Hybridlösung.

Das Nahwärmenetz: Dort wird auf die klassischen Wärmeerzeugnisse zurückgegriffen – also Blockheizkraftwerk, Biomassekessel, Solartechnik, Abwärme und Großwärmepumpe. Enneking spricht von einer "aktiven Netzstruktur", weil ein hoher Anteil an zentraler Technik vorgegeben ist. Der Nachteil: Die Wärmeverteilung über Wärmenetze führt zu Netzverlusten. Der Energiefachmann sagt: Ein Nahwärmenetz sei ein eher ein Konzept für Gebiet mit hoher Wärmebelegung. Hilfreich sei eine quartierseigene Energiegenossenschaft, welche die Wärme- und Stromversorgung sichert.

Das Kaltnetz: Hier wird die Energie durch dezentral installierte Wärmepumpen in den Gebäuden mit zentral erschlossener Umweltwärme (durch Erdwärmesonden, Erdkollektoren) erzeugt. Das Kaltnetz benötigt im Vergleich zur klassischen Nahwärme keine Heizzentrale, es entstehen keine Netzverluste. Energieexperte Enneking ist vor allem von der Funktion der Wärmepumpe überzeugt. Diese liefere nicht nur Heizwärme, sondern sorge auch für eine passive Kühlung im Sommer.

So lief die Aussprache:  Energieexperte Enneking bejahte die Frage von Bürgermeister Dr. Wolfgang Krug, dass zuerst die Städtebauliche Fragen vor den Energiefragen für das Wohnquartier zu klären seien. Dafür nannte er dieses Beispiel: Eine Bebauung mit Mehrfamilienhäusern bietet weniger Fläche für Photovoltaik, weshalb auch weniger Strom erzeugt werden kann. Einfamilienhäuser dagegen bieten mehr Dachfläche, haben auch einen höheren Energiebedarf. 

Ralf Enneking warb für eine Art Energie-Genossenschaft. Er räumte ein, dass der Weg dorthin nicht so einfach und mit viel Wissen zu bewerkstelligen sei. Deshalb sollte sich die Gemeinde einen Partner (zum Beispiel einen Energieversorger) ins Boot holen.

„Wir haben ja gar keine andere Möglichkeit, als eine neue Art der Bebauung zuzulassen.“Andreas Lucht

Sehr positiv nahm die IGeHo die Ausführungen auf. Der Vorsitzende Andreas Lucht meinte: "Wir haben ja gar keine andere Möglichkeit, als eine neue Art der Bebauung zuzulassen." Er glaube, dass die Gemeinde in Langenberg ein Vorzeigeobjekt in puncto Wohnbebauung entwickeln könne. Er glaubt auch: Die junge Generation sei dafür empfänglich. Sergej Belz war einmal mehr die Frage der Bausubstanz- und Form wichtig. Der Architekt sagte: "Wenn wir kompakter bauen, haben wir viel weniger Fläche, die verloren geht." Und umso höher sei die Energieeffizienz. 

Bürgermeister Dr. Wolfgang Krug wollte viele Details wissen. Und stellte dem Ausschuss diese, später wohl wichtige, Frage: "Wollen wir als Gemeinde so weit gehen, die Bauherren zu zwingen, nach speziellen Umweltgesichtspunkten zu bauen?" Bei dieser Frage glaubte Sozialdemokrat Martin Lampe nicht, auf viel Widerstand in der Bevölkerung zu treffen. Die jetzigen Bauherren seien doch ziemlich energie-, umwelt- und technikaffin.

Grundsätzlich positiv, aber (noch) etwas zurückhaltender nahmen die Christdemokraten die Vorschläge auf. Stefan Witte sprach sich gegen Verpflichtungen aus, sondern setzt lieber auf überzeugende Argumente. Sein Parteikollege Mario Stickfort glaubt nicht, "dass der Südoldenburger Bauherr für jeden Bautrend empfänglich ist". Er hält auch das Genossenschaftsmodell für schwieriger umsetzbar. Stickfort schlug Investoren als Baupartner vor. Diese hätten "mehr finanziellen Spielraum".

So geht es weiter: Die Fachpolitiker hatten bereits das dritte Mal in den vergangenen vier Monaten über das Thema diskutiert - und sie werden auch im März (21.3.) und April (25.4.) darüber sprechen. In der Zwischenzeit wird das Thema weiter in den Fraktionen beraten. Der stellvertretende Ausschussvorsitzende Carsten Völkerding stellte jedenfalls fest: "Wir sind auf einem guten Weg."

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