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"Bekehr dich, Wladimir Putin, und glaub an das Evangelium!"

Kolumne: Auf ein Wort – Ist die tiefe Religiosität des russischen Präsidenten Wladimir Putin etwa am Ende nur ein Teil seines Machtpokers? Der Oligarch braucht eine 180-Grad-Bekehrung.

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„Bekehr dich und glaub an das Evangelium!“, diese Aufforderung werde ich am Mittwoch etlichen Menschen zusprechen und ihnen dabei ein Aschekreuz auf die Stirn zeichnen. Für jede Christin und jeden Christen ist die Spendeformel beim Empfang des Aschekreuzes eine Einladung zu einer heilsamen Übung in der Fastenzeit. Sie besteht darin, in den nächsten Tagen und Wochen einen Moment innezuhalten und Selbsterforschung zu betreiben. Gibt es in meinem Leben Entwicklungen, die nicht gut sind? Nicht gut für mich selbst, nicht gut für Menschen, mit denen ich zusammenlebe?

Vielleicht meldet sich in einer solchen „besinnlichen Minute“ der Fastenzeit unser werksseitig eingebautes Navi – das manche auch „das Gewissen“ nennen – und fordert uns auf: „Wenn möglich, bitte wenden!“ Achtung: Der von dir eingeschlagene Weg ist nicht zielführend. Überleg‘ einmal, ob und wie du der Botschaft Jesu in deinem Leben besser gerecht werden könntest!

Die meisten, denen ich das „Bekehr dich und glaub an das Evangelium!“ zuspreche, werden keine 180-Grad-Wenden vollziehen müssen. Im Prinzip sind sie auf dem richtigen Weg. Vielleicht werden sie sich aber vornehmen, häufiger das Auto stehen zu lassen und dafür das Fahrrad zu nehmen. Vielleicht werden sie sich um noch bewusstere Ernährung bemühen oder endlich das klärende Gespräch führen, das schon längst überfällig ist. Da gilt wie so oft: Auch kleine Schritte führen zum Ziel!

"Viel Hoffnung habe ich nicht, wenn ihn selbst der orthodoxe Patriarch in seinem Vorgehen unterstützt."Karl Gierse

Leider wird eine Person, der ich die Bekehrungs-Aufforderung nur zu gerne ins Gesicht sagen möchte, nicht vor mich hintreten. Wie gerne würde ich an das christliche Gewissen des Präsidenten der Russischen Föderation, Wladimir Wladimirowitsch Putin, appellieren und ihm sagen: „Bekehr dich und glaub an das Evangelium!“ Oder ist seine in der Öffentlichkeit gezeigte tiefe Religiosität am Ende nur Teil seines Machtpokers?

Auf einer Internet-Seite der Russisch-Orthodoxen Kirche heißt es: „Der eigentliche Sinn des Fastens besteht darin, … vor allem den Geist zu reinigen und zu entgiften. Man sollte alle bösen Gedanken vertreiben, seinen Zorn zähmen, nicht lügen und auf sämtliche Gelüste verzichten.“

Wie viele 180-Grad-Bekehrungen muss der – vielleicht auch nur annähernd – tiefgläubige orthodoxe Christ, Wladimir Putin, angesichts dieser Definition in der kommenden Fastenzeit vollziehen. Sie beginnt in der russisch-orthodoxen Kirche leider erst am 7. März. Da bleiben noch ein paar Tage, an denen seine bösen Gedanken, sein Zorn, seine Lügen und seine Machtgelüste Tod und Zerstörung über die Ukraine bringen können. Uns bleibt nur, für eine frühzeitige Bekehrung zu beten. Viel Hoffnung habe ich nicht, wenn ihn selbst der orthodoxe Patriarch in seinem Vorgehen unterstützt!


Zur Person:

  • Karl Gierse ist Subprior des Vechtaer Dominikanerkonventes. Er wirkt in verschiedenen Bereichen der Seelsorge in Vechta und im Oldenburger Land.
  • Kontakt: redaktion@om-medien.de.

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