Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

#Autolagerflächen – von geparkten Kühlschränken

Kolumne: Irgendwas mit # – Die Sprache festigt das Machtgefälle im Straßenverkehr, sagt Verkehrsforscher Dirk Schneidemesser. Doch ganz so scharf wie dessen Name ist seine Analyse bei weitem nicht.

Artikel teilen:

Rechts vor links: unbedenklich im Straßenverkehr. In der Politik ist das ein absolutes No-Go. Rotes Licht. Apropos rot: Dem modernen Journalismus wird ja zuhauf vorgeworfen, eher links angehaucht zu sein. Denkste! Denn auch wenn den meisten jedes nur annähernd rechte Getue in und außerhalb der Parlamente gehörig auf den Senkel geht, platzt mir bei linksidentitärer Verkehrspolitik mal der Kragen.

Das durfte ich kürzlich feststellen, als ich ein Interview zwischen Verkehrsforscher Dirk Schneidemesser und taz-Wirtschaftsredakteurin Anja Krüger las. Das Thema: Über die Wirkung der Sprache im Straßenverkehr – ich hatte ja keine Ahnung, was mich da erwarten würde...

Der Kern der Schneidemesser-scharfen Analyse: Wir reden falsch über den Verkehr. Steile These. Und leicht missverständlich. Zum Glück wird er konkret. Erstes Beispiel: das Wort "Unfall". Es verharmlose die meist von Autofahrern "verursachte Verkehrsgewalt" gegenüber schwächeren Teilnehmern auf der Straße und spiegele das Machtverhältnis im Verkehr. Das würden die Medien bekräftigen: "Radfahrer angefahren". Besser: "Autofahrer fährt Rad an." Wird aber nicht geschrieben. Weil wir bei der Zeitung alle Fahrräder hassen – oder so. Abgesehen davon, dass damit die rechtliche Schuldfrage bereits implizit geklärt ist. Juckt Schneidemesser anscheinend nicht. Es geht hier schließlich um das eigentliche Opfer auf dem Asphalt. Den braven Radler. Emissionsfrei und heilig, der nie wie eine gesengte Sau in die Pedale tritt und in 100 Prozent der Fälle nicht der Unfallverursacher ist. Nun gut. Dass Radfahrer im Straßenverkehr gefährlich leben, steht außer Frage. Über den Umgang von Autofahrern mit den Bikern lässt sich streiten. Das ist gut so.

"Mal ernsthaft: Was ist das für ein hinkender Vergleich? Ein Auto mit einem Kühlschrank gleichzusetzen. Weil beide Platz in Anspruch nehmen."Max Meyer, Volontär

Als sich das Gespräch jedoch Richtung "Parken im öffentlichen Raum" drehte, verlor ich völlig den Anschluss. Und je länger das Lesen andauerte, desto schwieriger fiel es mir, auf die Bremse zu drücken. Grund dafür ist folgende Textpassage: "Das Parken an sich ist ein absurdes Phänomen. Stellen wir uns mal vor, wir lagern etwas anderes im öffentlichen Raum: Ich montiere ein Schloss an meinen Kühlschrank und stelle ihn an den Straßenrand. Das klingt absurd, aber das ist eine ähnliche Praxis. Autos werden im öffentlichen Raum gelagert. Das Wort 'parken' normalisiert dieses Verhalten."

Mal ernsthaft: Was ist das für ein hinkender Vergleich? Ein Auto mit einem Kühlschrank gleichzusetzen. Weil beide Platz in Anspruch nehmen. Der eine – für gewöhnlich – in der Wohnung. Der andere eher draußen. So eine Metapher ist nicht gerade von Vorteil, wenn Schneidemessers Hauptkritikpunkt darin liegt, dass Sprache den (Auto-)Verkehr offenbar bevorteile.

Autolagerflächen statt Parkplätze – Warum? Keine Ahnung

Des Weiteren spricht sich der Sozialwissenschaftler für das Wort Autolagerflächen statt Parkplatz aus. Warum? Das Gespräch darüber, ob diese Flächen für private Autos, für Radwege oder als Aufenthaltsraum für Anwohner gebraucht würden, verliefe ganz anders. Erklärung? Fehlanzeige. Offenbar lagert Herr Schneidemeisser lieber, als zu parken. 

Zurück zum Unfall. Entschuldigung: zur Kollision. Denn laut Schneidemesser ist ein "normales Unfallgeschehen" viel zu verharmlosend. Schließlich handle es sich bei den tatsächlichen Folgen einer "Kollision" (das ist hierfür offenbar das deutlich bessere Wort?!) um Gewalt. Gewalt im Verkehr. Weil jeder Autofahrer, der einen Radfahrer anfährt (siehe oben) das absichtlich und vor allem böswillig macht. Und diese Form von Gewalt zeige, dass die Gesellschaft etwas dagegen unternehmen müsse. Weil die Gesellschaft keine Gewalt will. Aber AutoUNFÄLLE mit Fahrrädern schon?! 

Ein wenig mehr Feingefühl kann helfen, die Menschen für Kollisionen im von Gewalt charakterisierten Straßenverkehr zu sensibilisieren. Die Herleitung von Herrn Schneidemesser dafür ist jedoch in etwa zu messerscharf wie ein als Auto fungierender Kühlschrank.


Zur Person:

  • Max Meyer ist Volontär der OM Medien.
  • Den Autor erreichen Sie unter redaktion@om-medien.de.

Der OM online Podcast. Thema  der neuen Ausgabe sind Kunstrasenplätze im Oldenburger Münsterland. Welche Halme sind die besten, wie steht es um Ökologie und Nachhaltigkeit? Und was haben geschredderte Olivenkerne mit dem Thema zu tun?  Jetzt reinhören! 

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

#Autolagerflächen – von geparkten Kühlschränken - OM online