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#Autobahn – Wer später bremst, ist länger schnell?

Kolumne: Irgendwas mit # – Für den Deutschen ist sie der Inbegriff von Freiheit: die Autobahn. Warum ich als Schnellfahrer trotzdem lieber auf Freiheit verzichtete und lieber ein Tempo-Limit hätte.

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Die Fliehkraft lässt langsam nach, vom Drehkarussell zur Geraden. Schlagartig wird der Fuß bleiern, die Nadel macht mehrere Sätze nach oben, die Zylinder hüpfen auf und ab, der Motor rattert. Jetzt nur noch den Blinker setzen und nach links zieh...

Von wegen. Am Ende des Beschleunigungsstreifens heißt's: voll in die Eisen. Weil neben mir irgendein Spinner mit 100 Sachen auf der rechten Spur schleicht. Wohlgemerkt: Der mittlere Streifen ist frei. Aber mit vorausschauendem Fahren haben wir's heute nicht so. Stattdessen darf ich mit 80 km/h (jaja, mit 80 kommt man überall hin) auf die Lkw-Spur wechseln. Hinter dem Fahrer, der gar kein Opa mit Hut ist, aber trotzdem im Schneckentempo über die Schnellstraße tuckert. Ich krieg' Puls...

Deutsche Autobahnen sind eine der Pathologien der modernen Gesellschaft. Sie stehen für grenzenlose Freiheit, die in Windeseile beschnitten wird. Durch Mitfahrer, durch Baustellen, durch Staugefahr-Hinweise (die meist erst zum Stau führen) oder sinnlose Geschwindigkeitsbegrenzungen. Und jetzt wird auch noch über ein Tempo-Limit diskutiert.

"Ich, als leidenschaftlicher Autofahrer, hab' langsam die Schnauze voll von dem Wirrwarr auf deutschen Autobahnen durch ein fehlendes Tempo-Limit."Max Meyer

Anfangs war ich davon kein großer Fan. Logisch, als Schnellfahrer will man Gas geben. Aber wäre ein Tempo-Limit wirklich ein Freiheits-Beschneider? Ich finde, nicht. Das hat mindestens zwei Gründe.

Zuallererst: Offenbar haben (und da ist man oft selbst mit eingeschlossen) viele deutsche Autofahrerinnen und -fahrer ihren Führerschein im Lotto gewonnen. Oder fahren zu selten auf der Schnellstraße. Auf alle Fälle ist ihr Verhalten eine einzige Katastrophe. Beispiel: Ich heize mit 180 km/h auf der linken Spur (3 Spuren) über den Asphalt, muss aber volles Mett aufs Bremspedal drücken. Grund ist irgendein Heinz, der gerade den überholenden Lkw auf der Mittelspur (Ich krieg' schon wieder Puls...) links mit 120 Sachen wie bei einem Spaziergang passieren will. Dass ich mit (zulässig) hoher Geschwindigkeit angebrettert komme, scheint ihn nicht zu jucken. "Ich fahre links ja schneller als die in der Mitte" – oder was sonst in solchen Köpfen vorgeht. Machste nix.

Freude am Fahren ist, auch mal den Auspuff durchzupusten

Doch mit den ausbaufähigen Fahrkünsten der lieben  Mitmenschen ist es nicht getan. Wer auf deutschen Schnellstraßen gerne Geschwindigkeits-Jojo spielt und alle 10 Kilometer von unbegrenztem Glück auf muffige 130/120 oder gar 100 Kilometer pro Stunde setzt, der sorgt gezwungenermaßen dafür, dass Verkehr zäh wird. Und niemand mag zähen Verkehr. Dass Baustellen ihr Übriges dazu tun, ist klar. Aber, seien wir ehrlich: Wo kann man denn (außer vielleicht nachts – und selbst dann nicht) noch seine Pferdestärken (dauerhaft) voll ausfahren?

Freude am Fahren ist, auch mal den Auspuff durchzupusten. Ich bleibe dabei: Schnellfahren schockt. Ob ich an diesem Punkt meine individuelle Freiheit gegen das Kollektiv heben will? Eher nicht. Denn die Erfahrung zeigt: Ohne Tempo-Limit fahren die meisten wie gesengte Säue (ich ja vielleicht auch). Also: Warum nicht der Umwelt und dem Miteinander zuliebe ein Tempo-Limit wagen? Einen Versuch wär's wert. Und wenn ich bei 180 Klamotten nicht mehr – zumindest gefühlt – den Rückwärtsgang einlegen muss, legt sich das mit dem Puls-Haben vielleicht auch.


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