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Aus Zauderern werden keine Gewinner

2022 war geradezu apokalyptisch. Aber wenn wir daraus lernen, kann es nur besser werden.

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Das Jahr war für nur wenige Menschen auf dieser Erde ein richtig gutes. 2022 war das wärmste Jahr in der bisherigen Wetteraufzeichnung – weitere Rekorde werden sicher folgen. Putin hat einen brutalen Krieg gegen die ukrainische Zivilbevölkerung vom Zaun gebrochen und damit die Weltwirtschaft ins Wanken gebracht. Die Auflehnung mutiger Frauen gegen das menschenverachtende Mullah-Regime im Iran ist bei der Nachrichtendichte schon fast zu kurz gekommen.

All diese weltweiten Krisen könnten sich im Nachhinein als schmerzhafter Start in eine bessere Zukunft erweisen. Doch das hängt in erster Linie von uns ab, von der persönlichen Ebene angefangen, über die Kommunen im Oldenburger Münsterland, bis hin zur internationalen Politik. Es liegt an uns, die Welt ein Stück besser zu machen.

Wir sind in diesem Jahr aus etlichen Träumen aufgewacht, die wir über Jahrzehnte geträumt haben. Der Überfall Putins auf die Ukraine hat den Westen schockiert und zu einer radikalen Kursänderung geführt. Keine Geschäfte mehr mit dem Regime, Waffenlieferungen an die Ukraine, Aufrüstung der Bundeswehr mit einem 100-Milliarden-Euro-Sondervermögen, Bau von LNG-Terminals im Rekordtempo, Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken (wenn auch nur um 3 Monate). Und das alles maßgeblich vorangetrieben von der einstigen Friedens- und Ökopartei, von den Grünen. So hatten sich Annalena Baerbock und Robert Habeck die lang ersehnte Gestaltungsmacht in der Regierung sicherlich nicht vorgestellt. Doch es war notwendig und richtig, so zu handeln.

Es ist ja schon wohltuend, dass eine deutsche Regierung überhaupt mal etwas anpackt und dabei natürlich auch Fehler macht, wie beim Hickhack um die Gasumlage geschehen. Stillstand und Ausruhen auf Erreichtem gab es jahrelang genug.

"Die gestiegenen Energiepreise könnten der Katalysator sein, um das Ende des fossilen Zeitalters einzuläuten."Stefan Freiwald

Leider macht die Ampel in Sachen Klimaschutz derzeit einen Schritt zurück. Hoffen wir, dass sie nur Anlauf nehmen will. Denn die Aufgabe, die Energieversorgung komplett auf Erneuerbare umzustellen, ist eine gewaltige. Insofern hat Putins Energiekrieg gegen ganz Europa auch etwas Gutes. Er hat uns allen vorgeführt, dass wir als rohstoffarmes Land mit fossilen Energieträgern immer abhängig von anderen sein werden, während Wind und Sonne fast überall und fast jederzeit frei verfügbar sind. Die gestiegenen Energiepreise könnten der Katalysator sein, um das Ende des fossilen Zeitalters einzuläuten. Während etliche Kommunen im Oldenburger Münsterland früher wie Don Quijote gegen die modernen Windmühlen angekämpft haben, kann es ihnen jetzt nicht schnell genug gehen. Alles redet von Energie-Autarkie, die die Region erlangen soll. Die Vorzeichen standen noch nie so günstig, dieses ehrgeizige Ziel auch zu erreichen, vorausgesetzt, Landräte, Bürgermeister und Unternehmen bleiben dran am Thema und verschieben es bei sinkenden Energiepreisen nicht wieder auf den Sanktnimmerleinstag. Aus Zauderern werden keine Gewinner. Das machen uns die mutigen Ukrainer vor.

Das Jahr 2023 könnte das Jahr werden, in dem auch wir in Deutschland zu den Gewinnern werden können. Wir können die überkommenen Energieträger hinter uns lassen und mit dazu beitragen, das Pariser 1,5-Grad-Ziel wenigstens halbwegs zu erreichen. Wir können unseren Wohlstand sichern und außenpolitisch auf Menschenrechte pochen, um zum Beispiel die Rechte von Frauen im Iran zu stärken. Wir können es schaffen, die Welt ein kleines bisschen besser zu machen. Nicht missionarisch, sondern als Vorbilder. Sie meinen, das ist nicht unsere Aufgabe? Dann haben Sie nichts aus 2022 gelernt.

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