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Auffällige Kinder: Mobiles Team berät Kitas im Kreis Vechta

In vielen Kindergärten arbeiten die Erzieherinnen an ihrer Belastungsgrenze, auch weil Eltern überfordert sind.  Das Jugendamt schickt Psychologen, Heilpädagogen und Sozialarbeiter zur Hilfe.

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Unterstützung für Kitas: Der Landkreis Vechta bildet ein mobiles Beratungsteam, um Fachkräfte beim Umgang mit verhaltensauffälligen Kindern und überforderten Eltern zu helfen. Foto: dpa/Picture Alliance 

Unterstützung für Kitas: Der Landkreis Vechta bildet ein mobiles Beratungsteam, um Fachkräfte beim Umgang mit verhaltensauffälligen Kindern und überforderten Eltern zu helfen. Foto: dpa/Picture Alliance 

Der Alltag in den Kindertagesstätten im Oldenburger Münsterland wird für Erzieherinnen und Erzieher immer herausfordernder: Die zu betreuenden Kinder werden immer zahlreicher, immer jünger, sie haben immer häufiger einen Migrationshintergrund und Verständigungsschwierigkeiten. Auch kulturelle Unterschiede beeinflussen das Miteinander in den Krippen und Kindergärten. Viele Erzieherinnen und Erzieher seien deshalb an ihrer Belastungsgrenze, warnt das Vechtaer Jugendamt.

Deshalb wird der Vechtaer Kreistag am 17. Dezember das Projekt „Mobile Beratung in Kindertagesstätten“ starten - wie von Jugendhilfe- und Finanzausschuss einmütig empfohlen. Dafür darf die Kreisverwaltung mit Jahresbeginn drei halbe Stellen besetzen. Die Personal- und Sachkosten in Höhe von 160.000 Euro jährlich wird der Kreistag zunächst für drei Jahre gewähren. Auch ein Fahrzeug wird gestellt. Das Angebot richtet sich laut Kreisverwaltung an die Fachkräfte in Kindertagesstätten und sei unbürokratisch, weil kostenlos und antragsfrei.

Team soll schnell eingreifen können

Eine besondere Herausforderung ergibt sich nach Angaben des Jugendamtes aus der Auflösung traditioneller Familienformen, aus der Vereinbarkeit von Beruf und Familie und der Veränderung von Werten und Normen. Das Resultat überforderter Eltern seien immer mehr Kinder mit herausforderndem Verhalten. Diese benötigten in der Kindertagesstätte eine hohe Aufmerksamkeit und besondere Zuwendung.

Mit dem Instrument der mobilen Beratung sollen frühkindliche Fehlentwicklungen frühzeitig erkannt und behandelt werden, damit sie sich nicht zu schwerwiegenden Verhaltensauffälligkeiten ausweiten. Die mobile Beratung soll die Kompetenz der Fachkräfte erweitern und einschätzen, ob ein Kind altersentsprechend körperlich, seelisch und geistig entwickelt ist. Ziel sei es, bezogen auf Kind und Eltern neue Perspektiven und Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln.

Das Team wird aus Psychologen, Heilpädagogen und Sozialpädagogen gebildet, um eine ganzheitliche Sicht auf Probleme sicherzustellen. Das Team der mobilen Beratung soll künftig telefonisch, per Fax oder Mail von allen Erzieherinnen und Erziehern in den Kindertagesstätten im Landkreis Vechta angefragt werden. Das Team berate zeitnah und vor Ort.

Weitere Entscheidungen in der Vechtaer Kreispolitik

  • Mit 225.000 Euro muss der Landkreis Vechta das Jugend- und Freizeitzentrum am Dümmer unterstützen, um die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie abzumildern. Die kreiseigene Einrichtung wird in diesem Haushaltsjahr voraussichtlich einen Verlust von 300.000 Euro machen. Der Landkreis muss mit dem außerplanmäßigen Zuschuss einspringen, da kommunale Einrichtungen keinen Anspruch auf einen Ausgleich von Einnahmeausfällen durch das Land Niedersachsen haben. Jugendherbergen, Familienfreizeitstätten und Familienbildungsstätten in nicht staatlicher Trägerschaft erhalten bis zu 75 Prozent ihrer Einnahmeausfälle aus dem Landeshaushalt.
  • Der Sozialdienst katholischer Frauen erhält bis 2023  jährlich 157.000 Euro, um den Familienhebammendienst im Landkreis Vechta fortzuführen. Schwerpunkt ist die Beratung von Schwangeren und jungen Müttern mit Säuglingen, bei denen die Gefahr einer Kindeswohlgefährdung möglich ist. Bisher hatte der SkF 146.000 Euro Zuschuss jährlich erhalten. Unter anderem werden die Honorare der Hebammen von 43 auf 46 Euro die Stunde erhöht. Zehn Prozent der neuen jährlichen Gesamtkosten von 174.000 Euro trägt der SkF. Der Landkreis erhält jährlich vom Land Niedersachsen  66.500 Euro zur Finanzierung der Familienhebammen.
  • Der Landkreis Vechta wird das Pro-Aktiv-Center des Caritas-Sozialwerks St. Elisabeth in Lohne  bis  Mitte 2022 mit bis zu 44.000 Euro fördern. Sozialpädagogisch unterstützt werden im Rahmen des Projekts benachteiligte Jugendliche und junge Erwachsene bis 27 Jahren ohne Schulabschluss oder  Ausbildungsplatz sowie Schulverweigerer. Das Projekt erhält im gleichen Zeitraum 337.500 Euro Zuschüsse von Land und Europäischer Union. Diese Förderung ist auf 90 Prozent der Ausgaben begrenzt. Die nicht gedeckten Kosten übernimmt wie bisher der Landkreis Vechta.
  • Der Landkreis Vechta beteiligt sich bis Mitte 2022 an den Kosten der drei Jugendwerkstätten der Diakonie in Damme, der Caritas in Lohne und des BDKJ in Vechta mit zehn Prozent der Gesamtkosten. Das sind jährlich maximal 18.334 Euro pro Jugendwerkstatt. In diesen Einrichtungen werden junge Menschen mit beruflichen Eingliederungshemmnissen und besonderem sozialpädagogischem Förderbedarf, aber auch junge Flüchtlinge  persönlich stabilisiert, sozial integriert und auf Schul- oder Berufsbildung vorbereitet. 90 Prozent der Kosten pro Einrichtung, aktuell 165.000 Euro jährlich, trägt das Land mit Mitteln der EU. 
  • Der Landkreis Vechta wird die Beratungsstelle für Arbeitsmigranten in prekären Beschäftigungsverhältnissen in Lohne bis Ende Januar 2022 mit maximal 82.000 Euro bezuschussen. Dann muss die Beratungsarbeit möglicherweise an ein neues Arbeitsschutzkontrollgesetz in der Fleischwirtschaft angepasst werden. Im Oktober 2017 hatte der Kreistag Einrichtung und Betrieb einer Beratungsstelle durch die Caritas beschlossen und zunächst für drei Jahre unterstützt. 
  • Der Katholische Verein für soziale Dienste (SKM) in Vechta erhält in diesem und im kommenden Jahr einen Zuschuss von 5.000 Euro, um das regionale Angebot an ehrenamtlichen Betreuern aufrechterhalten zu können. Der SKM wirbt Ehrenamtliche an und begleitet diese bei der Betreuung Hilfsbedürftiger.
  • Der Landkreis Vechta wird in den nächsten zwei Jahren das Jobportal des Verbundes Oldenburger Münsterland mit 50 Prozent der Gesamtkosten von 97.200 Euro bezuschussen. Voraussetzung ist, dass der Landkreis Cloppenburg die andere Hälfte zusteuert. Das Stellenportal unterstützt seit Februar 2019 die Gewinnung von Fachkräften insbesondere von kleinen und mittelständischen Unternehmen. Alle Angebote aus der Region werden mit für Jobsuchende interessanten Umfeld-Informationen präsentiert. Das Jobportal fasst überregionale Portale, regionale Stellenbörsen und Angebote der Arbeitsagentur zusammen. Künftig sollen auch die Agrarjobbörse und Anzeigen der Krankenhäuser eingebunden werden.
  • Die Kontakt- und Beratungsstelle Selbsthilfe des Landescaritasverbandes für Oldenburg erhält in den kommenden beiden Jahren einen jährlichen Zuschuss von 15.000 Euro. Die fünf Teilzeitkräfte der Kontaktstelle unterstützen über 90 Selbsthilfegruppen im Bereich von Krankheit, Behinderung, Sucht und anderer Gebrechen im Landkreis Vechta. Sie helfen auch bei der Beantragung von Fördergeldern. Der Eigenanteil des Landes-Caritasverbandes beträgt im kommenden Jahr 10.000 Euro. 

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