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Auf dem rechten Auge blind

Thema: Die sogenannten "Reichsbürger" werden Thema im Bundestag – Ihr Hass auf die Demokratie wurde zu lange unterschätzt. Sie stehen an jenem Rand der Gesellschaft, an dem die AfD seit Jahren fischt.

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Nach der Großrazzia gegen die sogenannten "Reichsbürger" soll das Thema im Bundestag aufgegriffen werden. Auch wenn die Pläne von den Sicherheitskräften durchkreuzt wurden, so stellt sich doch die Frage: Ist Deutschland wieder einmal auf dem rechten Auge blind gewesen?

Denn viel zu lange wurden die "Reichsbürger" eher belächelt, als Freaks mit kruden Verschwörungstheorien abgetan. Dabei dürfen die Gewaltbereitschaft und der tief verwurzelte Hass auf alles, was unsere Gesellschaft ausmacht, nicht unterschätzt werden. Das zeigt sich auch bei den jetzt bekannt gewordenen Plänen: Waffen sollten zum Einsatz kommen. Todesopfer waren einkalkuliert.

Mindestens genauso erschreckend ist aber, dass die Agitatoren ihren "Staatsstreich" von langer Hand planten. Sie suchten Anhänger bei der Polizei und in der Bundeswehr, die ihrem absurden Weltbild mit ihrer Waffen-Expertise eine ausübende Kraft verleihen sollten.

"Das, was jetzt zutage gekommen ist, erfüllt die Definition einer Terrorzelle."Matthias Bänsch

Das, was jetzt zutage gekommen ist, erfüllt die Definition einer Terrorzelle innerhalb der "Reichsbürger"-Szene. Zur jetzt folgenden politischen Aufarbeitung gehört auch: Unter den festgenommenen Personen befindet sich eine Ex-Bundestagsabgeordnete der AfD. Von der Parteispitze kein Wort dazu. Stattdessen bemüht sich die Partei, die Bedeutung der Razzia kleinzuhalten.

Die AfD ist längst zum Sammelbecken für Außenrechtskonservative, Corona-Leugner und Verschwörungstheoretiker geworden, weil man seit Jahren an eben diesen Rändern der Gesellschaft fischt. Wer sich von dem bürgerlichen Etikett, das sich die Partei selbst anheftet, blenden lässt, ist ebenso auf dem rechten Auge blind.

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