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Atommüll: Teile der Region kommen als Endlager infrage

Wo sollen die rund 1900 Fässer mit verstrahltem Müll landen? Deutschlandweit wird nach dem besten Ort für ein Endlager gesucht - am Montag ist der Zwischenbericht vorgelegt worden.

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Symbolfoto: dpa

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90 Gebiete in Deutschland haben nach Erkenntnissen der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) günstige geologische Voraussetzungen für ein Atommüll-Endlager. Der Salzstock Gorleben in Niedersachsen ist im Gegensatz zu großen Teilen des Oldenburger Münsterlandes nicht darunter, wie aus dem am Montag veröffentlichten Zwischenbericht Teilgebiete hervorgeht.

Berücksichtigt man die Überlagerung einiger Gebiete, ist laut Bericht in Deutschland ein Anteil von 54 Prozent der Landesfläche als Teilgebiet ausgewiesen. Teilgebiete liegen vor allem in Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen, aber auch in den ostdeutschen Ländern.

Welche Räume etwa in den Landkreisen Cloppenburg und Vechta infrage kommen, steht auf einer interaktiven Karte mit Postleitzahl- und Ortssuche:

Eine Vorfestlegung auf einen Standort ist mit Zwischenbericht aber noch längst nicht verbunden. In den kommenden Monaten und Jahren werden die möglichen Standorte nach und nach weiter eingegrenzt, indem weitere Kriterien - etwa die Bevölkerungsdichte - berücksichtigt werden.

Dennoch dürfte die Debatte über die Endlagerung von hoch radioaktivem Atommüll damit in Fahrt kommen - vor allem in den Gebieten, die nun näher unter die Lupe genommen werden sollen.

Das Endlager soll unterirdisch in Salz, Ton oder Kristallin, also vor allem Granit, entstehen. 2031 soll der Standort gefunden sein, ab 2050 sollen Behälter mit strahlendem Abfall unterirdisch eingelagert werden.

"Gorleben ist nicht der bestmögliche Standort."Steffen Kanitz, Geschäftsführer der Bundesgesellschaft für Endlagerung

Geologische Mängel haben den Salzstock Gorleben aus dem bundesweiten Suchverfahren für ein Atomendlager ausgeschlossen. «Gorleben ist nicht der bestmögliche Standort», sagte Steffen Kanitz, Geschäftsführer der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) am Montag in Berlin. Unter anderem weise der Salzstock ein nicht intaktes Deckgebirge vor, auch die Gewässerchemie spreche gegen den Standort. Er betonte auf Nachfrage, dass die Entscheidung rein wissenschaftlich erfolgt sei, es habe keinen politischen Druck gegeben. Gorleben habe bei der ersten Prüfung der Geologie die Hürde genommen, weise aber keine «günstige Gesamtsituation» auf.

Kritik an Bayerns Abwehrhaltung

Die für die Suche nach einem Endlager für Atommüll zuständige Bundesbehörde hat jegliche Kritik am Verfahren aus Bayern kategorisch zurückgewiesen. «Wir arbeiten rein wissenschaftlich», sagte der Geschäftsführer der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE), Stefan Studt, am Montag in Berlin. Dass Bayern die Auswahl von zerklüftetem Granitgestein nun kritisiere, sei überraschend, immerhin habe auch Bayern dem bundesweiten Suchverfahren wiederholt zugestimmt.

Das Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) kritisiere, dass auch das Granit in Bayern im Fokus stehe, spiele für die BGE keine Rolle, sagte Studt. Glauber hatte in der vergangenen Woche Zweifel am Verfahren angemeldet, weil der Granit in Bayern stark zerklüftet sei und für eine sichere Endlagerung technische Nachbesserungen notwendig wären.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) sagte der «Rheinischen Post», der Atomausstieg ist und bleibe beschlossene Sache, und die Endlagersuche sei eine Gemeinschaftsaufgabe. Mit Blick auf die Vorstellung des Zwischenberichts sagte Schulze, die Geologie entscheide, welcher Standort es am Ende werde. «Politische Überlegungen spielen keine Rolle. Ich erwarte von allen Politikerinnen und Politikern, jetzt zur Verantwortung zu stehen - für diese gesamtgesellschaftliche Aufgabe und für das gemeinsam gewollte Verfahren.»

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