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Atomkraft: Keiner will der nächste Mappus sein

Thema: Atomkraft – Eine einfache Frage bringt die heutigen Atomfans in der Politik sofort ins Schlingern: "Darf in Ihrem Wahlkreis ein neues Kernkraftwerk und ein Endlager errichtet werden?"

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Es war Reporterglück, dass ich Stefan Mappus (CDU) just an jenem 12. März 2011 im Wahlkampf begleitete, als Fukushima in die Luft flog. Mappus war Ministerpräsident von Baden-Württemberg und ein besonders eifriger Befürworter der Kernenergie.

Fast stündlich führte er nun hektische Krisentelefonate mit Berlin, auch mit Angela Merkel (CDU). Mit jeder Nachricht von der Katastrophe im fernen Japan verdünnisierte sich seine vorher noch sichere Chance auf einen Wahlsieg jedoch immer mehr. „Das reicht nicht, das reicht nicht“, ist mir als sein letzter Kommentar in Erinnerung, nachdem von Vizekanzler Guido Westerwelle (FDP) der Vorschlag kam, wenigstens sofort die ältesten deutschen Atomkraftwerke abzuschalten. Atomfan Mappus wollte nun den Totalausstieg. Den beschloss Merkel zwar kurz danach, aber der wendige Stuttgarter Landeschef verlor die Wahl dennoch krachend. Ein Grüner löste ihn ab. Ausgerechnet.

Daran darf erinnert werden, wenn jetzt wieder führende Politiker von CDU, CSU, FDP und AfD der Atomenergie das Wort reden. Nicht, dass man angesichts der Lage nicht darüber nachdenken sollte, die letzten drei Kraftwerke noch etwas weiter laufen zu lassen, sofern das rechtlich und technisch möglich ist. Doch ein Wiedereinstieg in die Kernenergie ist etwas anderes. Erstens sind Atomkraftwerke nicht hundertprozentig sicher und können gewaltige Katastrophen verursachen. Siehe Fukushima oder Tschernobyl.

Dann schweigen alle betreten

Zweitens ist Atomstrom teurer als der aus Wind oder Sonne. Und drittens ist völlig unklar, wo der atomare Müll bleiben soll. Wo immer Standorte vorgeschlagen werden, regt sich massiver Widerstand, selbst wenn es in der benachbarten Schweiz ist. Die Atomenergie ist ein vergiftetes Geschenk des Teufels; der Mensch lässt besser die Finger davon. In Deutschland gibt es dafür ohnehin keine Mehrheit.

Eine einfache Frage übrigens bringt die heutigen Atomfans in der Politik sofort ins Schlingern: „Darf in Ihrem Wahlkreis ein neues Kernkraftwerk und ein Endlager errichtet werden?“ Also bei Markus Söder (CSU) in der Region Nürnberg, bei Christian Lindner (FDP) in Wermelskirchen, bei Friedrich Merz (CDU) in Arnsberg oder bei Tino Chrupalla in Görlitz? Dann schweigen sie alle betreten und finden, dass andere Gegenden Deutschlands besser geeignet seien. Keiner will eben der nächste Mappus sein.


Zur Person:

  • Der Lohner Werner Kolhoff (66) hat für den Berliner Tagesspiegel und die Berliner Zeitung gearbeitet.
  • Er war Sprecher des Berliner Senats und leitete ein Korrespondentenbüro.
  • Heute ist er in der Hauptstadt als politischer Kolumnist tätig.

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