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Ärztekammer zur Corona-Politik: "Wir müssen weiter vorsichtig sein"

Die Corona-Maßnahmen sollen gelockert werden. Das ist für Niedersachsens Ärztekammerpräsidentin Wenker auch richtig. Aber gleich ganz die Maske fallen lassen? Dazu hat sie eine klare Meinung.

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Symbolfoto: dpa

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Niedersachsens Ärztekammerpräsidentin Martina Wenker hat Lockerungen in der Corona-Pandemie befürwortet, aber Augenmaß dabei angemahnt. Es sei notwendig, sich auf den Herbst mit deutlich mehr Infektionen vorzubereiten und erneuten massiven Ausbrüchen vorzubeugen, sagte Wenker der Deutschen Presse-Agentur. «Das Virus verzeiht nicht den kleinsten Fehler. Wenn die Politik einen «Freedom Day» beschließt, wird das Virus das ignorieren.»

Wenker forderte: «Wir müssen weiter vorsichtig sein.» Der Sommer müsse genutzt werden, um nicht in den dritten Virus-Winter zu gehen, sagte sie mit Blick auf eine allgemeine Impfpflicht, für die sie sich entschieden aussprach: «Ich gehöre ganz klar zum Team Vorsicht.»

Noch immer seien bundesweit über zwei Millionen Menschen über 60 nicht geimpft, dabei habe die Corona-Impfung große Erfolge gebracht. Sie betonte, es sei ein solidarisches Signal der älteren Generation, sich impfen zu lassen - junge Menschen hätten genug Vorleistung erbracht und fast zwei Jahre lang zurückgesteckt.

In Niedersachsen dürfen sich inzwischen geimpfte und von einer Infektion genesene Menschen wieder mit beliebig vielen Menschen privat treffen. Hintergrund ist eine überarbeitete Corona-Verordnung, die am Donnerstag in Kraft trat. Zuvor durften sich im Bundesland maximal zehn Menschen treffen, sofern sie gegen das Coronavirus geimpft oder nach einer Sars-CoV-2-Infektion genesen sind.

Martina Wenker, Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen. Foto: Moritz Frankenberg  dpa  ArchivbildMartina Wenker, Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen. Foto: Moritz Frankenberg / dpa / Archivbild

Bei Ungeimpften sind die Regeln weiterhin strenger: Wer weder geimpft noch genesen ist, darf neben seinem eigenen Haushalt nur zwei weitere Menschen eines weiteren Haushalts treffen.

Ministerpräsident Stephan Weil sprach von einem neuen Kapitel in der Pandemiebekämpfung: «Nach einem schwierigen Winter nehmen wir Kurs auf Lockerungen. Bis zum 20. März 2022 werden in drei Stufen, mit Ausnahme der Maske, alle coronabedingten Einschränkungen abgeschafft», sagte der SPD-Politiker. Er mahnte aber auch: «Glauben wir bitte nicht, die Pandemie sei vorbei. Sie ist es nicht.» Am 4. März sollen zudem weitere gelockerte Corona-Regeln in Kraft treten.

Wenker urteilte, es sei gerechtfertigt, die Regeln in kleinen Schritten zu lockern. «Es ist nicht alles gut am 20. März, aber wir müssen uns auf den Weg zu mehr Normalität begeben», sagte sie. Aber vor allem Menschen mit Vorerkrankungen müssten weiterhin Vorsichtsmaßnahmen wie die Hygieneregeln oder das Tragen einer Schutzmaske beachten. Das begründete sie auch damit, dass derzeit das Infektionsgeschehen unterschätzt werde, weil nicht mehr alle einen PCR-Test bekämen: «Die Inzidenz wird höher sein - das ist ein Argument, Vorsicht walten zu lassen.» Gleichzeitig sei auch die Influenza-Saison noch nicht vorbei.

Wenker lobte die Gelassenheit und Besonnenheit der meisten Menschen in Deutschland in der Pandemie. Drei Viertel der Bevölkerung hätten sich «sorgsam und mit unendlicher Geduld» an die Regeln gehalten und auch impfen lassen: «Wir haben ganz viel geschafft.» Am Montag (17.30 Uhr) sendet die Ärztekammer Niedersachsen über ihren Youtube-Kanal eine neue Folge des Live-Talks «Zur Sache Corona» mit Wenker und der niedersächsischen Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD).

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