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Ärzte auf Gegenkurs zu Spahns Plänen für Biontech-Deckelung

Die Ärzteschaft läuft Sturm gegen Überlegungen aus dem Bundesgesundheitsministerium, Biontech-Impfstoff zu deckeln und verstärkt Moderna fürs Boostern, also für Auffrischungsimpfungen, zu nutzen.

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Symbolfoto: dpa

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Die Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen hat die angekündigte Begrenzung der Biontech-Auslieferungen als eine «weitere Fehlorganisation» durch den geschäftsführenden Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zurückgewiesen. «Das Hauptproblem ist, dass wir den Moderna-Impfstoff nach der neuesten Stiko-Empfehlung bei bestimmten Personengruppen nicht einsetzen dürfen. Alle unter 30 Jahre - Kinder, Jugendliche und Erwachsene und zudem alle Schwangeren - müssen mit Biontech geimpft werden», sagte Martina Wenker am Samstag der Deutschen Presse-Agentur. Stiko ist die Abkürzung für Ständige Impfkommission.

Aktuelle Analysen zeigten, dass Herzmuskel- und Herzbeutelentzündungen bei Jungen und jungen Männern sowie bei Mädchen und jungen Frauen nach der Impfung mit Moderna (Spikevax) häufiger beobachtet würden als nach der Biontech-Impfung. Der Moderna-Impfstoff sei gut, effektiv und hervorragend geeignet für über 30-Jährige, betonte Wenker, die als Oberärztin und Lungenfachärztin in einer Klinik arbeitet. Seit der Einführung beider Präparate ist laut Stiko bekannt, dass sie «in seltenen Fällen» Herzmuskel- und/oder Herzbeutelentzündungen bei jüngeren Menschen zur Folge haben können.

"Jetzt soll die gesamte Impflogistik schlagartig umgestellt werden. Das geht nicht."Martina Wenker, Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen

«Die Arztpraxen haben ihre Patienten teils auf Wochen vorbestellt und entsprechend Impfstoff von Biontech bestellt, der eine erfreuliche Akzeptanz hat. Jetzt soll die gesamte Impflogistik schlagartig umgestellt werden. Das geht nicht», warnte Wenker mit Blick auf die unterschiedlichen Größen- und Dosierungsbedingungen der Impfstoffe Biontech und Moderna.

Der Moderna-Impfstoff werde idealerweise an die Mobilen Impfteams gegeben oder an Impfzentren, die wieder aktiviert werden müssten. «Dort kann eine höhere Anzahl von Menschen geimpft werden. Dann wäre es anders als in Arztpraxen nicht so wichtig, ob der Impfstoff wie bei Biontech in 6er-Packs oder wie bei Moderna in 10er- oder 20er-Packs verimpft werden muss.»

Auch Kinder- und Jugendärzte in Niedersachsen schlossen sich der Kritik an. Die «fehlende Verlässlichkeit» in der Impfstoffbelieferung werde zu immensen Problemen in den Impfsprechstunden der niedergelassenen Ärzte führen, warnte Tilman Kaethner, Landesverbandsvorsitzender des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte BVKJ. Viele Praxisinhaber hätten für Wochenenden Impfkampagnen geplant. Diese Planungen würden durch die Beschränkungen über den Haufen geworfen.

Eingelagerte Moderna-Dosen drohen zu verfallen

Das Bundesgesundheitsministerium hatte in einem Schreiben an die Länder betont, dass bis Jahresende genug Impfstoff auch für Auffrischungsimpfungen zur Verfügung stehe. Neben dem Präparat von Biontech/Pfizer solle dafür aber vermehrt das von Moderna eingesetzt werden. Andernfalls drohten eingelagerte Moderna-Dosen ab Mitte des ersten Quartals 2022 zu verfallen, was aber vermieden werden müsse.

Für Biontech sollen daher «Höchstbestellmengen» definiert werden, wie es in dem Schreiben heißt. Praxen sollen demnach vorerst maximal 30 Dosen pro Woche bestellen können, Impfzentren und mobile Impfteams 1020 Dosen. Betont wird: «Bestellungen für Moderna-Impfstoff werden keiner Höchstgrenze unterliegen und vollumfänglich beliefert.»

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