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Anwohner kämpfen weiter um den Erhalt ihrer Wiese

Ärger in Neuenkirchen: Die Gemeinde plant ein neues Baugebiet und hat der Änderung des Flächennutzungsplans zugestimmt. Doch Anwohner und Naturschützer äußern nun Kritik.

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Die Anwohner (von links) um Jens Brönstrup, Helmut Hackmann und Martina Steinkamp sowie die Naturschützer Ulrich Heitmann und Heinz Hanken kämpfen weiterhin um den Erhalt einer rund zehn Hektar großen Grünfläche. Foto: Oevermann

Die Anwohner (von links) um Jens Brönstrup, Helmut Hackmann und Martina Steinkamp sowie die Naturschützer Ulrich Heitmann und Heinz Hanken kämpfen weiterhin um den Erhalt einer rund zehn Hektar großen Grünfläche. Foto: Oevermann

Schon 2019 sorgten sich Anwohner um eine große Grünfläche im Bereich der Westerhauser Straße und des Erlenwegs in Neuenkirchen. Die Gemeinde bestritt damals Gerüchte, nach denen die gesamte Fläche für Wohngebäude oder ein Regenrückhaltebecken überbaut werden könnte. Nur ein kleiner Randbereich im Osten könne von einer Bebauung betroffen sein, sagte Bauamtsleiter Jürgen Rolfsen im Januar 2019.

Dies könnte demnächst so weit sein, denn die Gemeinde beabsichtigt, den Flächennutzungsplan zu ändern und in einem kleinen Bereich im östlichen Teil der Wiese Wohnbebauung zu erlauben.

Der Ende Februar vor der Corona-Krise öffentlich tagende Bauausschuss stimmte bereits dem Aufstellungsbeschluss und damit der Einleitung des Verfahrens zu. Der Rat muss diesem Votum in seiner heutigen Sitzung ab 18 Uhr im Saal Otte in Neuenkirchen noch folgen. Die Beteiligung der Öffentlichkeit würde sich in einem darauf folgenden Schritt anschließen. Dann hätten auch die Anwohner die Gelegenheit, sich zu äußern und so ihre Bedenken und Anregungen in das Verfahren einzubringen.

Verein Pro Natura kündigt Widerstand an

Anwohner und der Naturschutzverein Pro Natura kündigten bereits ihren Protest gegen das Vorhaben an. „Es ist in der heutigen Zeit beinahe unverschämt, ein solches Biotop anzufassen. Da brennt es mir im Herzen“, sagte Jens Brönstrup kürzlich bei einem Ortstermin. Zusammen mit weiteren Anwohnern hat er seinen schriftlichen Protest bereits im Rathaus eingereicht.

Sollte dieser Fall eintreten, kündigt auch der Naturschutzverein Pro Natura seinen Widerstand an. Die Naturschützer Ulrich Heitmann und Heinz Hanken unterstützten von Beginn an die Anwohner in ihrem Protest. Gegen weitere Planungen, auf der durch einen Privatweg von der Wiese getrennten, landwirtschaftlich genutzten Fläche ein neues Wohnbaugebiet nahe der Mühlensiedlung zu errichten, sei nach Worten Heitmanns nichts einzuwenden.

Wiese soll als Lebensraum für Tiere erhalten bleiben

Davon gänzlich unberührt sollte jedoch die gegenüberliegende Wiese mit ihrem Lebensraum für die heimische Tierwelt sein. Neben Steinkäuzen seien hier unter anderem auch Fledermäuse und Hirschkäfer zu finden. Wird nun ein Teilbereich der Grünfläche als Wohnfläche ausgewiesen, könnten demnächst auch noch weitere Schritte folgen. Dies befürchten zumindest die Anwohner und Naturschützer.

„Es ist alltägliche Praxis in den Kommunen im Landkreis, dass lange um das Biotop herum geplant wird und dann Stück für Stück auch im Biotop selbst"Ulrich Heitmann

„Es ist alltägliche Praxis in den Kommunen im Landkreis, dass lange um das Biotop herum geplant wird und dann Stück für Stück auch im Biotop selbst“, so Heitmanns Vorwurf. Stattdessen sollte der Fokus  eher auf dem Erhalt solcher noch selten vorzufindenden Grünflächen liegen. „So etwas zu erhalten, müsste eigentlich an allererster Stelle stehen“, meinte auch Heinz Hanken.

Die Gemeinde erklärt, wichtige Belange würden im Planungsverfahren berücksichtigt

Bauamtsleiter Rolfsen erklärte hingegen auf Anfrage, es gehe um die Schaffung eines "dringend benötigten Baugebietes". Dabei stehe die Gemeinde aber "erst am Anfang der Bauleitplanung". Zu diesem Zeitpunkt gehe es lediglich darum, "die Änderung des Flächennutzungsplans auf den Weg zu bringen". Die teils scharfen Vorwürfe der Anlieger wollte er auf Anfrage nicht kommentieren.

Im Zuge des Bauleitverfahrens würden Fachbehörden Stellungnahmen einbringen. Auch Bürger könnten sich äußern, das geschehe regelmäßig bei vergleichbaren Verfahren, betonte Rolfsen. Anschließend würden die Ergebnisse "mit allen Akteuren" diskutiert.

Nach  Angaben des Bauamtsleiters müsse die Politik nach der Änderung des Flächennutzungsplanes noch einen Bebauungsplan beschließen. Auch hier gebe es reichlich Möglichkeiten zur Diskussion aller vorgetragenen Bedenken. Die öffentlichen Verfahren seien gerade dazu da, "um private und öffentliche Belange abzuwägen". Am Ende müsse und werde es dann aber eine politische Entscheidung geben. 

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