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An einem Ausbau der Industriestraße führt wohl kein Weg vorbei

Keine Reparatur, keine Sanierung: Die Holdorfer Politiker sind sich im Grundsatz einig. Doch was ist mit der Finanzierung des Mammutprojekts? Und welche Detailfragen sind noch zu klären?

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Lkw- und Autofahren macht hier wenig Spaß: Die Industriestraße in Holdorf weist an sehr vielen Stellen eklatante Schäden auf. Foto: Böckmann

Lkw- und Autofahren macht hier wenig Spaß: Die Industriestraße in Holdorf weist an sehr vielen Stellen eklatante Schäden auf. Foto: Böckmann

Die Gemeinde Holdorf soll die Planungen für einen Ausbau der Industriestraße forcieren – und wird dafür dann wohl tief in die Haushaltskasse greifen müssen. Diese einstimmige Empfehlung hat jetzt der Infrastrukturausschuss der Verwaltung in einer erneuten Sitzung mit auf den Weg gegeben. Einmütig sprachen sich die Politiker von CDU/FDP, SPD und Interessengemeinschaft damit auch gegen die beiden anderen Optionen aus – nämlich eine Reparatur oder Sanierung der arg ramponierten Umgehungsstraße.

Holdorfs Bürgermeister Dr. Wolfgang Krug hatte in seinem Eingangsstatement erläutert, dass die Gemeinde nach den bisherigen Erkenntnissen drei Möglichkeiten hätte, die Industriestraße zu erneuern. 

  • Variante 1: Die Oberfläche der Industriestraße wird abgefräst. Die Straße soll eine neue Fahrbahndecke erhalten und im Bankettbereich sollen Rasengittersteine verlegt werden. Die Kosten dafür schätzt er auf 2 Millionen Euro. Es gibt keine Fördermittel.
  • Variante 2: Die Industriestraße wird grundlegend saniert. Diese Kosten liegen nach einer schon älteren Prognose bei 7,5 Millionen Euro. Rund 50 Prozent der Kosten werden gefördert. Das Projekt ist für diese Variante im Haushalt bereits durchfinanziert.
  • Variante 3: Die Industriestraße wird von jetzt 6,50 Meter auf 8 Meter Breite ausgebaut. Die Kosten dafür hatte das Planungsbüro zuletzt zwischen 9,8 und 12,6 Millionen Euro taxiert. Eine Förderzusage (für ebenfalls rund 50 Prozent der Kosten) hat die Gemeinde dafür bislang noch nicht – weil ohne politischen Auftrag noch kein Antrag gestellt worden ist.

Drei Gründe sprechen gegen eine Sanierung

Frank Wolters vom zuständigen Planungsbüro Eberhardt machte in einem neuen Vortrag, den Bürgermeister Dr. Krug wegen eines anderen Termins nicht mehr hören konnte, den Politikern aber unmissverständlich klar, dass die Gemeinde Holdorf die Industriestraße nicht sanieren sollte. Vor allem aus drei Gründen:

Erstens: Die Sanierung werde für die Gemeinde "noch wesentlich teurer" werden, als die von einem anderen Büro einmal prognostizierten 7,5 Millionen. Es seien bei diesen Planungen "noch jede Menge Fallstricke drin", die die Kosten in die Höhe trieben. Zweitens: Bei einer Sanierung werde die Straße nicht lange halten, prognostizierte Frank Wolters. Und: Mit einer Breite von 6,50 Metern werde die Straße auch "niemals von irgendwem übernommen werden", sprich Kreis oder Land. Unter anderem auch, weil die Straße dann nicht regelkonform erneuert worden sei.

Frank Wolters appellierte an die Politiker: "Bauen Sie es richtig aus, nehmen Sie in Kauf, dass es teurer wird – oder reparieren Sie die Straße." Wobei der Planer von einer Reparatur ebenfalls wenig hält. Denn, das prognostizierte Wolters: Die Straße werde dann keine 30 Jahre halten, sondern höchstens 5 Jahre. Die Empfehlungen des Straßenplaners teilte die Politik in der Debatte uneingeschränkt.

Nur – wie steht es um die Finanzierung des Mammut-Projekts? Über das Thema diskutierte die Politik dieses Mal nicht detailliert. Christdemokrat Jan-Dierk Brand machte nochmals deutlich, dass das ganze Projekt "kein Fass ohne Boden werden dürfe". Auch Thomas Deters wiederholte den IGeHo-Standpunkt: Die Industriestraße sollte mit Blick auf die Finanzen nur mit Förderung ausgebaut werden. Die SPD dagegen hatte sich zuvor dafür ausgesprochen: Notfalls müsse die Industriestraße eben auch auch ohne Fördergelder ausgebaut werden. Die Verbindungsstraße zum Gewerbegebiet sowie zwischen Handorf-Langenberg und dem Ortskern sei die Zukunft Holdorfs.

Ist ein Baustart bis 2023 überhaupt noch möglich?

Einen Ausbau ohne Fördergelder – das kann sich Bürgermeister Dr. Wolfgang Krug kaum vorstellen. Er hatte sich im Vorfeld der Sitzung gegenüber OM-Medien aber optimistisch gezeigt, dass die Gemeinde auch für einen Ausbau eine 50-prozentige Förderung erhalten werde. Deutlich wurde in der Aussprache indes auch: Es sind noch jede Menge Formalien zu klären, Sitzungen nötig und Unterlagen einzureichen, bevor überhaupt eine Baureife vorliegt – und es eine Förderzusage gibt.

Markus Vocks, der Bauexperte in den Reihen der CDU, meinte: "Wir sollten uns nicht der Illusion hingeben, dass wir noch 2023 mit dem Bau beginnen können." Auch deshalb war sich der Fachausschuss einig, dass die vielen Detailfragen erst später geklärt werden können. Ist ein Kreisverkehr auf Höhe der Straße Steinbrüggen sinnvoll? Soll der gepflasterte Teil der Bahnhofstraße in Langenberg ebenfalls im Rahmen des Projekts erneuert werden? Soll die Industriestraße auf ihrer gesamten Länge von 4 Kilometern beleuchtet werden? Komplett förderfähig wäre das nämlich nicht, erklärte Krug.

Eine kurzfristige Antwort erhoffen sich Politik und Verwaltung allerdings bei dieser Frage: Muss die Gashochdruckleitung in Handorf Richtung Kreisel bei einem Ausbau der Industriestraße verlegt werden? Wenn ja, wer übernimmt die Kosten? Die EWE oder die Gemeinde? Denn die Antworten darauf könnten weitere finanzielle und planungsrechtliche Konsequenzen haben.

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