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Als ob es den Krieg nicht gäbe

Thema: Sollen Russen weiterhin Touristenvisa erhalten? Es ist keine einfache Entscheidung. Die Einwände russischer Oppositioneller sind ernst zu nehmen. Doch es gibt eine klare Botschaft.

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Nächsten Mittwoch (31. August) treffen sich die EU-Außenminister und diskutieren, ob Russen weiterhin Touristenvisa erhalten sollen oder nicht. Es ist keine einfache Entscheidung.

So sind die Einwände russischer Oppositioneller ernst zu nehmen, dass sie Möglichkeiten für Kontakte in den Westen und auch Fluchtwege benötigen. Für sie müssten also Lösungen gefunden werden. Auch ist nicht von der Hand zu weisen, dass es eher die aufgeklärten Russen sind, die in die EU reisen. Viele freilich genießen auch nur die Vorteile westlichen Lebens und verherrlichen daheim Putin, weil sie Profiteure seiner Diktatur sind.

Es ist jedenfalls arg blauäugig zu sagen, der Überfall auf die Ukraine sei "Putins Krieg" und nicht auch der des russischen Volkes, wie Bundeskanzler Scholz behauptet. Der Krieg findet nach allen Umfragen weiterhin große Unterstützung in der russischen Bevölkerung. Das liegt auch daran, dass seine Auswirkungen bei vielen noch nicht angekommen sind. Die Wirtschaftssanktionen verändern den Alltag erst mittelfristig. Und die Mittel- und Oberschicht kann bei ihren West-Reisen noch all das einkaufen, was es daheim nicht mehr gibt.

Kein Urlaub, sondern Leben in Angst

Für Ukrainer gibt es seit dem Überfall keinen Urlaub mehr, sondern nur noch ein Leben in Angst, das jederzeit aus heiterem Himmel enden kann. Millionen Frauen und Kinder sind ins Ausland geflohen, die Männer an der Front. Es ist einfach unerträglich, wenn diese Flüchtlinge dann zum Beispiel in Berlin-Charlottenburg auf russische Touristen treffen – leicht erkennbar daran, dass nur bei ihnen auch Männer mitlaufen –, die im KaDeWe auf Shoppingtour gehen. Und die die Ukrainer womöglich noch beschimpfen.

Sicher, nicht alle Russen haben diesen Krieg gewollt. Es gibt keine Kollektivschuld. Und nicht alle haben gewusst, was in der Ukraine geschieht. Die Staatspropaganda belügt sie jeden Tag. Aber ein halbes Jahr nach dem Einmarsch in das Nachbarland darf der Westen schon dafür sorgen, dass alle Russen, auch die wohlhabenderen, merken, dass ihr Land gerade ein großes Verbrechen begeht und dass das Leben deshalb auch für sie nicht einfach so weiter geht. Die Botschaft der EU sollte sein: Ihr seid als Touristen wieder herzlich willkommen, wenn auch die Ukrainer wieder unbeschwert ans Reisen denken können. Aber erst dann. Beendet den Krieg.

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