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Abstimmungseklat: Deutschlands Katholiken ringen um Reformen

Trotz eines Abstimmungseklats zur 4. Synodalversammlung soll der Reformprozess fortgesetzt werden. Bischof Genn und Weihbischof Theising hatten sich für die Erneuerung der Sexualmoral ausgesprochen.

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Bischof Franz-Josef Bode, Thomas Söding, Irme Stetter-Karp und Bischof Georg Bätzing. Foto: dpa/Gollnow

Bischof Franz-Josef Bode, Thomas Söding, Irme Stetter-Karp und Bischof Georg Bätzing. Foto: dpa/Gollnow

Trotz der Blockade reformskeptischer Bischöfe bei einer Abstimmung auf der Synodalversammlung der deutschen Katholiken geben sich die Befürworter weitreichender Veränderungen kämpferisch. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Georg Bätzing, denkt nach eigenen Worten nicht an Rücktritt. "Ich überlasse das Feld nicht denen, die sich nicht bewegen wollen", sagte er am Freitag in Frankfurt am Main. Er betonte erneut den "ungeheuren Veränderungsdruck" für die katholische Kirche. "Es kann nur nach vorne gehen."

Auf der vierten Synodalversammlung war am Donnerstagabend die Abstimmung über einen Text, der eine Liberalisierung der kirchlichen Sexualmoral anstrebte, an der fehlenden Zwei-Drittel-Mehrheit der Bischöfe gescheitert. Er stieß zwar in der allgemeinen Abstimmung auf 82 Prozent Zustimmung – aber nur 33 Bischöfe stimmten für den Text bei 21 Gegenstimmen und zwei Enthaltungen.

"Ich habe für die Beschlussvorlage (...) gestimmt. Denn es ist problematisch, wenn Sexualität vor allem als sündhaft angesehen wird und wenn über Sexualität nicht gesprochen werden kann."Felix Genn, Bischof von Münster

Der Bischof des Bistums Münster, Felix Genn, betonte am Freitagabend in einer Pressemitteilung: "Ich habe für die Beschlussvorlage ‚Leben in gelingenden Beziehungen – Grundlinien einer erneuerten Sexualethik‘ gestimmt. Denn es ist problematisch, wenn Sexualität vor allem als sündhaft angesehen wird und wenn über Sexualität nicht gesprochen werden kann." Und Genn fügte hinzu: „Klar ist für mich auch: Wenn ich sexuellen Missbrauch verhindern möchte, dann muss ich offener und qualifizierter über Sexualität sprechen können und muss weg von einer rigiden Sexualmoral.“ Auch Offizial und Weihbischof Wilfried Theising habe dem reformorientierten Antragstext zugestimmt, teilte das Offizialat in Vechta am Freitagabend mit.

Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Georg Bätzing, betonte nach einer nächtlichen Krisensitzung der Bischöfe mit Blick auf den deutschen katholischen Reformprozess, der Synodaler Weg genannt wird: "Dieser Prozess des Synodalen Wegs darf nicht scheitern, denn darauf beruht die Hoffnung so vieler Menschen in Deutschland – und das schulden wir den Betroffenen sexueller Gewalt", betonte Bätzing nach einer nächtlichen Krisensitzung der Bischöfe mit Blick auf den deutschen katholischen Reformprozess, der Synodaler Weg genannt wird. Allerdings: "Wenn sich zeigt, dass wichtige Grundtexte vertagt werden, ist eine Gefahr des Scheiterns gegeben."

Mahnende Worte gab es auch von der Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp. Auf dem Synodalen Weg sei die "Veränderungsbereitschaft aller Beteiligten ausschlaggebend", sagte sie.

Am Freitagnachmittag ging es in der Debatte um einen Text über den Zugang von Frauen zu sakramentalen Ämtern. Stetter-Karp sagte, dieses Thema sei ihr besonders wichtig. Die Lage nach der Abstimmungsniederlage für den Text zur Sexualmoral bezeichnete sie als schmerzlich. "Die deutschen Bischöfe sind in ihrer Gesamtheit dem gegebenen Vertrauen nicht gerecht geworden", sagte sie und warnte vor "fatalen Konsequenzen", sollte der Reformprozess scheitern.

Er fürchte um das Ansehen der Kirche, sollte auch die Annahme des Frauentextes scheitern, mahnte der Aachener Bischof Helmut Dieser. Andere Bischöfe, die für die Annahme des Textes warben, gestanden einen Lernprozess ein. Die Theologin Julia Knop sagte an die Adresse derjenigen Bischöfe gewandt, die mit Verweis auf die kirchliche Lehrmeinung den Text ablehnen wollten, als Katholikin sei sie "wütend, dass dogmatische Selbstbeschneidungen wichtiger sind als Menschenwürde".

Rolle des Missbrauchsskandals

Der Essener Weihbischof Ludger Schepers warb mit "Geht nicht – gibt's nicht" für die Annahme des Frauentextes und für den Mut, "das Unmögliche zu denken".

Kritik gab es am Umgang der Kirche mit den Opfern des sexuellen Missbrauchs. Der Schutz der Institution Kirche und seiner Würdenträger werde über die Versorgung und Unterstützung der Opfer gestellt, kritisierte der Sprecher des Betroffenenbeirats bei der Deutschen Bischofskonferenz, Johannes Norpoth. Er erinnerte daran, dass es der Missbrauchsskandal gewesen sei, der den Synodalen Weg als Reformprozess überhaupt erst ausgelöst habe.

Missbrauchsbetroffene könnten sich zudem nicht ausreichend bei der Aufarbeitung beteiligen. Auch werde das Leid der Menschen nicht genügend mit den Entschädigungszahlungen anerkannt. Rund zwei Drittel der Entschädigungssummen liegen laut Norpoth im Bereich von 20.000 Euro oder weniger. "Damit wird vieles deutlich, aber sicher keine wertschätzende Haltung den Opfern von sexuellem Missbrauch gegenüber, die ihr Leben lang daran zu tragen haben."

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