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9-Euro-Ticket hilft allen, viele andere Verkehrs-Subventionen helfen nur Lindners Klientel

Thema: Debatte um Nachfolge des 9-Euro-Tickets – Der Finanzminister spricht von Gratismentalität und verkennt, dass Mobilität in erster Linie eine Frage des (fehlenden) Geldes ist.

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Unsere Gesellschaft krankt derzeit an vielem. Vorneweg fehlt es an Mitgefühl, Menschlichkeit, Empathie, Solidarität und sozialer Verantwortung. Manche Personen haben sich in ihrer Wagenburg oder ihrem Elfenbeinturm regelrecht eingemauert. Von dort erachten sie jede Maßnahme, die die Geschwindigkeit ihres stetig wachsenden Wohlstands – und den ihrer Gleichgesinnten – auch nur leicht verlangsamen könnte, als Generalangriff und werten zugleich selbst kleine Hilfen zur Linderung existenzieller Nöte von finanzschwachen Menschen als Förderung des Schmarotzertums ab.

Bundesfinanzminister Christian Lindner ist ein echtes Ass in derlei zweifelhaftem Tun. Der personifizierte Bremskraftverstärker der Berliner Ampelkoalition hat bislang allen wichtigen sozial- und umweltpolitischen Änderungen einer „Weiter so“-Politik einen Riegel vorgeschoben – vom Tempolimit bis zum Bürgergeld, das diesen Namen verdient.

Andere Subventionen zur Refinanzierung abschaffen

Jüngste Respektlosigkeit gegenüber allen, die jeden Euro dreimal umdrehen müssen: Lindner blockiert eine Fortsetzung des erfolgreichen 9-Euro-Tickets. Er halte nichts von einer „Gratismentalität“. Auch sei es nicht fair, wenn Menschen auf dem Land den günstigen Nahverkehr mitfinanzierten, ohne selbst davon zu profitieren.

Was Lindner nicht sagt: Mobilität ist eine Frage des (fehlenden) Geldes. Und: Jeder und jede von uns finanziert Straßen, auf denen er oder sie noch nie gefahren ist. Oder den Flugverkehr – womöglich ohne selbst zu fliegen. Das Gleiche gilt für das Diesel- und das Dienstwagenprivileg. Unterschied: Vom 9-Euro-Ticket profitieren alle. Viele andere genannte Subventionen bedienen dagegen allein Lindners Klientel. Würde er sie zumindest in Teilen abschaffen, könnte er auch hervorragend den günstigen ÖPNV-Booster finanzieren.

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