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75 Prozent fürs Bauen, 100 Prozent fürs Planen: Stadt bezuschusst Umbau des Stadions von Blau-Weiß Lohne

Die Debatte im Stadtrat über die Pläne des Turn- und Sportvereins verlief kontrovers. Die Opposition kritisierte letztlich vergebens, dass die Stadt die Planungskosten vollständig übernimmt.

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Raureifkälte im Dezember: Die Diskussion über den städtischen Zuschuss für den Umbau des Heinz-Dettmer-Stadions von Blau-Weiß Lohne lief dagegen zwischenzeitlich heiß.    Foto: Timphaus

Raureifkälte im Dezember: Die Diskussion über den städtischen Zuschuss für den Umbau des Heinz-Dettmer-Stadions von Blau-Weiß Lohne lief dagegen zwischenzeitlich heiß.    Foto: Timphaus

Die Finanzierung ist gesichert: Der Turn- und Sportverein Blau-Weiß Lohne (BWL) kann den ersten Teil des geplanten Umbaus und der Erweiterung des Heinz-Dettmer-Stadions in Angriff nehmen. Der Stadtrat hat in jüngster Sitzung mit deutlicher Mehrheit beschlossen, dass BWL für die Erneuerung des Kunstrasens auf Platz zwei und die Neugestaltung der Plätze drei und vier einen Zuschuss gemäß der Sportförderrichtlinien in Höhe von 75 Prozent der anfallenden Baukosten erhält, maximal 1,323 Millionen Euro. Ebenfalls unstrittig war, dass die Stadt im Falle eines Vorsteuerabzugs durch den Verein den Zuschuss anteilig zurückfordert.

Eine kontroverse Debatte entbrannte indes über der Frage, wie hoch die prozentuale Beteiligung der Stadt an den Planungskosten ausfällt. Während die CDU-Fraktion mit Ausnahme von Paul Sandmann für eine vollständige Übernahme (maximal 388.000 Euro) votierte, sprach sich die Opposition geschlossen gegen diesen Vorschlag der Verwaltung aus. Letztlich behielten die Christdemokraten aufgrund ihrer Mehrheit mit 18:15 Stimmen die Oberhand.

Was ist konkret geplant? BW Lohne will den Platz drei neu anlegen – als Naturrasen in einer Größe von 99 mal 60 Metern. Platz vier soll in einen Kunstrasenplatz (99 mal 64 Meter) umgewandelt werden. Dazu müsste die dortige Böschung zum Teil zurückgebaut und angepasst werden. Den Belag des Kunstrasenplatzes zwei tauscht der Turn- und Sportverein aus. Nördlich dieses Platzes soll eine Soccer-Arena errichtet werden.

Neubauer warnt vor einem "riesigen Fehler"

Das Vorhaben selbst thematisierte während der Sitzung einzig Dr. Lutz Neubauer ("Pro Wald"). Er stellte dessen Verträglichkeit in Zweifel, zumal der Verein für die Neugestaltung der westlichen Plätze erneut ein kleines Stück vom Landschaftsschutzgebiet (LSG) "Geestrücken mit seinen bewaldeten Gebieten zwischen Vechta und Steinfeld" abzwacken wolle. Neubauer warnte vor einem "riesigen Fehler" und sprach von tiefgreifenden Eingriffen, bei denen tief drainiert, Bäume gerodet und Sicherheitsräume minimiert würden.

Zum Hintergrund: 2019 hatte BWL beabsichtigt, auf einem Areal südlich des Schützenplatzes, welches im LSG liegt, bis zu zwei Fußballplätze zu errichten. Aufgrund fehlender Akzeptanz für das Projekt in Teilen der Bevölkerung rückten die Verantwortlichen von diesem Vorhaben schnell wieder ab.

"Wir sollten nicht immer das Haar in der Suppe suchen."Ulrich Zerhusen, CDU-Ratsherr in Lohne

Die Diskussion drehte sich zum Großteil um Details der Finanzierung. Ulrich Zerhusen (CDU) hob – wie später auch andere Redner – den Stellenwert von Blau-Weiß Lohne hervor. Er rief dazu auf, "endlich ins Machen zu kommen". Der Sportverein sei eine Welt der Ehrenamtlichen, die es verdient hätten, dass die Stadt ihnen eine gute Infrastruktur zur Verfügung stellt. "Wir sollten nicht immer das Haar in der Suppe suchen."

Thomas Schlarmann (CDU) blies in dasselbe Horn wie sein Parteikollege. Er ging auf Kritik ein, dass der BWL-Vorstand sich ein Denkmal setzen – "davon distanziere ich mich ganz deutlich" – oder der Verein sich bereichern wolle – "das ist ein Schlag ins Gesicht der Ehrenamtlichen". Schlarmann befürwortete, dass die Stadt die Planungskosten vollständig übernimmt, da für ein solches Vorhaben immer auch diverse Gutachten gefordert seien und Auflagen erfüllt werden müssten.

Peter Willenborg (SPD/Grünen-Gruppe) war anderer Meinung. Zunächst stellte er klar, dass seine Gruppe die Notwendigkeit anerkenne. Der "Casus knacksus" sei jedoch die Frage, in welcher Höhe die Bezuschussung erfolgen sollte. Willenborg kritisierte, dass eine Differenzierung zwischen Bau- und Planungskosten vorgenommen werde. Er führte an, dass eine Kostenschätzung stets nach DIN 276 vorgenommen werde – "das beinhaltet auch die Planungskosten". 

Willenborg kritisiert Ex-Bürgermeister Gerdesmeyer

Der SPD-Ratsherr ging auf die "großzügigen" Sportförderrichtlinien ein, die durch das vorgeschlagene Vorgehen ausgehebelt würden. "Es geht um Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit." Er verwies auf den "Präzedenzfall Stage 7" und warnte vor einer "Lex BWL".

Willenborg kritisierte die Entscheidung des damaligen Bürgermeisters Tobias Gerdesmeyers beim Kunstrasenprojekt von Grün-Weiß Brockdorf. Damals sei seitens der Politik ein 25-prozentiger Eigenanteil des Vereins festgelegt worden. Nach Zusage von Gerdesmeyer seien schließlich aber 100 Prozent der Planungskosten von der Stadt bezuschusst worden. Der Kroger kündigte an, dass seine Gruppe sich eine Prüfung des Falls von der Kommunalaufsicht vorbehalte. "Gleichheit im Unrecht darf es nicht geben", konstatierte er mit Blick auf die BWL-Pläne.

"Wenn man jetzt 100 Prozent bezuschusst, muss man anschließend so weitermachen."Moritz Ovelgönne, UBG-Ratsherr in Lohne

Abschließend plädierte Willenborg für eine sachlich-abgewogene Entscheidung. Falls die CDU die Sportförderrichtlinie nochmals anpassen wolle, könne sie ja einen Vorstoß unternehmen.

Jürgen Tönnies (SPD/Grünen-Gruppe) hinterfragte vor dem Hintergrund des von der Verwaltung vorgeschlagenen Prozederes ebenfalls die Sportförderrichtlinien. "Wenn wir jetzt Ausnahmen machen, wo führt das dann alles hin?"

Moritz Ovelgönne (UBG) hielt die Trennung von Bau- und Planungskosten ebenfalls für nicht nachvollziehbar. Die Sportförderrichtlinie sei bereits sehr großzügig. "Wenn man jetzt 100 Prozent bezuschusst, muss man anschließend so weitermachen", mahnte er. Die Stadt manövriere sich "sehenden Auges in eine schwierige Situation".

Theder verteidigt seinen früheren Chef

Kämmerer Hermann Theder ging auf Willenborgs Einlassungen ein. Er sprang seinem früheren Chef Gerdesmeyer bei. Es sei keinesfalls eine Ein-Mann-Entscheidung über Nacht gewesen. Schon in der damaligen politischen Diskussion sei das Bewusstsein für eine 100-prozentige Übernahme der Planungskosten vorhanden gewesen, sagte er.

Eckhard Knospe (SPD/Grünen-Gruppe) beharrte darauf, dass ein gesonderter Beschluss notwendig gewesen wäre. Aus seiner Sicht müsse man im Falle einer Zustimmung die Sportförderrichtlinie abschaffen und wieder zu Entscheidungen im Einzelfall zurückkehren.

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