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6 Weltkriegsgräber, 6 Sanierungsfälle

Goldenstedts Ratsherr Ralf Fennig (AfD) beantragt die Restaurierung der Ruhestätten auf dem katholischen Friedhof. Die Schätzungen von Zeitaufwand und Kosten dafür fallen unterschiedlich aus.

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Die Witterung hat ihre Spuren hinterlassen: Der Zahn der Zeit nagt an den 6 Weltkriegsgräbern auf dem Goldenstedter Friedhof. Foto: Ferber <br>

Die Witterung hat ihre Spuren hinterlassen: Der Zahn der Zeit nagt an den 6 Weltkriegsgräbern auf dem Goldenstedter Friedhof. Foto: Ferber

Der Goldenstedter AfD-Ratsherr Ralf Fennig hat die Restaurierung der  6 nebeneinander liegenden Weltkriegsgräber auf dem katholischen Friedhof der Gemeinde beantragt. Die dort ruhenden Menschen seien aus unterschiedlichen Gründen in Goldenstedt "gelandet" und teils weit von ihrer Heimat entfernt bestattet worden. "Auf ihre Weise erzählen diese Grabstätten von den Irrungen und Wirren des 20. Jahrhunderts – und sind auf diese Weise nicht ,nur' Grabstätte, was an sich eine würdige Pflege und ein Gedenken nahe legen würde, sondern auch Mahnmal für den inneren und äußeren Frieden", schreibt Fennig in seinem Antrag.

"Die Inschriften sind schwer lesbar und die Grabsteine machen keinen guten Eindruck."Ralf Fennig (AfD) in seinem Antrag

Dementsprechend würden diese Grabstätten, teilweise seit mehr als 100 Jahren, zumindest notdürftig, gepflegt und erhalten. Dennoch zeige das aktuelle Bild: "Die Inschriften sind schwer lesbar und die Grabsteine machen keinen guten Eindruck." Daher, so der AfD-Vertreter, stelle er den Antrag, möglichst noch vor dem Volkstrauertag am 15. November die 6 Kriegsgräber zu restaurieren. Mindestens sollten sie von einem Maler so hergerichtet werden, dass die Inschriften gut lesbar seien. Persönlich würde er weiße Farbe für die Grabsteine und schwarze Farbe für die Inschrift vorschlagen.

Ferner beantragt Fennig in unmittelbarer Nähe der Grabstätten eine Schautafel aufzustellen, "die den Hintergrund und die Todesumstände der dort bestatteten Menschen erläutert, um den heutigen Goldenstedtern und ihren Nachkommen einen Bezug zu den Zeiten des Lebens und Sterbens dieser Menschen zu ermöglichen". In die Erstellung dieser Tafeln und Herrichtung der Grabstätten sollten nach Möglichkeit Kriegsgräberfürsorge, Heimatverein und der Bund der Vertriebenen einbezogen werden.

Antragsteller rechnet mit "überschaubaren Kosten"

Er selbst, schreibt Ralf Fennig, rechne mit "überschaubaren Kosten", wahrscheinlich einem dreistelligen Betrag für "Farbe, 2 oder 3 Stunden maximal für einen Maler" sowie die Infotafel. Fennig bringt in diesem Kontext auch einen Spendenaufruf ins Spiel – und die Idee, ein Spendenkonto "für die Erstellung und Platzierung von Informationstafeln zu Themen der Goldenstedter Geschichte, Kultur und Gesellschaft einzurichten".

Für Goldenstedts Bürgermeister Alfred Kuhlmann (parteilos) ist es "selbstverständlich, dass Weltkriegsgräber in einem vernünftigen Zustand sein müssen. Dass die Gefallenen eine würdige Ruhestelle haben, ist das Anliegen aller Kommunen in Deutschland und das wird auch so praktiziert", erklärt Kuhlmann mit Verweis auf das Gräbergesetz. Dieses dient dazu, "der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft in besonderer Weise zu gedenken und für zukünftige Generationen die Erinnerung daran wach zu halten, welche schrecklichen Folgen Krieg und Gewaltherrschaft haben". Laut Paragraf 5 haben die Länder die entsprechenden, in ihrem Gebiet liegenden Gräber zu erhalten.

Instandsetzung bis 15. November ist nicht machbar

Die angesprochenen Gräber auf dem Goldenstedter Friedhof seien sanierungsbedürftig, räumt Alfred Kuhlmann ein. Man habe sich nach Eingang des Antrags zügig mit der katholischen Kirchengemeinde und dem Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge vor Ort kurzgeschlossen. "Wir werden in Kooperation eine vernünftige Lösung finden und uns um die Instandsetzung kümmern", verspricht Kuhlmann. Allerdings gehe das nicht bis zum 15. November. Man könne die Gräber nicht selbst bemalen. Vielmehr müsse ein Fachmann, ein Steinmetz, hinzugezogen, müssten zunächst Angebote eingeholt werden. "Das ist nicht mit einem Eimer Farbe zu verrichten. Es soll ja für die nächsten 30, 40 Jahre halten", sagt Fachbereichsleiter Steffen Boning.

Für die Aufbereitung der Grabsteine – ob dies vor Ort möglich ist, sei ebenfalls noch zu klären – rechne man intern mit Kosten zwischen 3000 und 5000 Euro – wobei dies noch keine offizielle Schätzung ist. Zudem wolle man sich wegen möglicher Förderungen erkundigen. Das weitere Vorgehen werden dann in Absprache mit Kirchengemeinde und Volksbund abgesprochen. "Das Ganze muss in einem würdigen Rahmen bleiben und darf nicht den Eindruck erwecken, dass es nachher lieblos aussieht", verdeutlicht Alfred Kuhlmann.

Die Pflege der Grabstellen indes, erläutert Steffen Boning, mache die katholische Kirchengemeinde. "Dass die Steine verwittert sind, dafür kann die Kirchengemeinde nichts." Mit Blick auf eine mögliche Infotafel plädiert Steffen Boning für Einheitlichkeit an Kriegsgräbern in den Kommunen. Standorte mit und ohne Tafel könne man andernfalls auch als eine Art Bewertung verstehen.

Heimatverein wartet Verlauf der Diskussion ab

Zum politischen Prozedere: Wenn, so sieht es laut Bürgermeister Alfred Kuhlmann die Geschäftsordnung der Gemeinde Goldenstedt vor, innerhalb eines Monats nach Eingang eines Antrags keine Ratssitzung stattfindet, steht dieser "nur" auf der Tagesordnung des nicht öffentlich tagenden Verwaltungsausschusses. Dieser entscheide über das weitere Vorgehen. Heißt, auch eine Weitergabe in öffentliche Ausschüsse ist möglich.

Beim Heimatverein Goldenstedt indes, wo der Antrag ebenfalls einging, hält man die Pflege solcher Anlagen und damit das Gedenken an die Verstorbenen für wichtig und unterstützt solche Initiativen im Rahmen der eigenen Möglichkeiten. Gleichwohl verweist der erste Vorsitzende Martin Sander auf die notwendige Stellungnahme des "Hausherrn" und Friedhofsbetreibers, der katholischen Kirchengemeinde Goldenstedt, und möglicher Angehörigen zu diesem Vorhaben. Auch das Thema Infotafel, "die dort aus unserer Sicht sinnvoll sein könnte", sei mit diesen Beteiligten zu besprechen. Man habe sich daher entschlossen, "den Verlauf der weiteren Diskussion abzuwarten und bei Bedarf die mit allen Beteiligten abgestimmten Maßnahmen zu unterstützen", erklärt Martin Sander.

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