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49-Euro-Ticket: Die wichtigste Entscheidung steht noch aus

Ohne die Modernisierung der maroden Bahn ist der günstige Deutschland-Fahrschein nur die Hälfte wert.

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Das 9-Euro-Ticket war ein Erfolg. In 10 Prozent der Fälle ersetzte der ÖPNV Autofahrten, rechnet der Verband Deutscher Verkehrsbetriebe vor. Das klingt wenig, ist aber viel: Das Ticket hat so viel Kohlendioxid eingespart wie ein Jahr Tempolimit auf den Autobahnen. Gelingt es, dass Menschen dauerhaft vom Auto auf die Bahn umsteigen, wäre das ein Sieg für das Klima.

Ein weiteres schlagendes Argument für die Fortsetzung eines bundesweit gültigen und zugleich günstigen Fahrscheins ist das Ende des Tarifdschungels. Wer mit Bus und Bahn versucht, auch nur ein Bundesland zu durchqueren, wechselt im Stundentakt Tarifzonen unzähliger Verkehrsverbünde. Deren Einzugsbereiche bilden im 21. Jahrhundert noch immer grenzscharf die deutsche Kleinstaaterei des 19. Jahrhunderts ab. Freie Fahrt für freie Bürger.

Nun soll ein bundesweit geltendes und monatlich kündbares 49-Euro-Ticket eingeführt werden. Man kann wie die Verbraucherzentralen und Sozialverbände sogleich reflexhaft bemängeln, dieser Preis sei für Geringverdiener und Hilfeempfänger noch immer zu teuer. Aber zunächst sollte man vier Punkte festhalten:

49 Euro sind ein großzügiges Angebot der Steuerzahler, also auch jener, die auf dem Lande mangels ÖPNV weiter auf das Auto angewiesen sein werden.Ulrich Suffner, Chefredakteur OM-Medien

49 Euro sind ein großzügiges Angebot der Steuerzahler, also auch jener, die auf dem Lande mangels ÖPNV weiter auf das Auto angewiesen sein werden. Zweitens entlastet dieser Durchbruch Millionen Menschen und ist gut für das Klima. Drittens haben Krisen offensichtlich auch gute Seiten: Eine derart radikale Reform hätte die stets vielstimmige Verkehrsminister-Runde in sorglosen Zeiten niemals zustande gebracht. Und viertens: Es mag sein, dass weitere Vergünstigungen zum Beispiel für Geringverdiener, kinderreiche Familien oder Bürgergeldbezieher sinnvoll sein könnten. Aber warum sollen wohlhabendere Menschen deshalb fast gänzlich umsonst fahren? Bahnfahren muss weiter seinen Preis haben.

Vor allem aber müssen Bund und Länder endlich Ernst machen mit der Vorfahrt für Bus und Schiene: Züge fehlen, die Strecken sind verschlissen und ländliche Industrieregionen wie das Oldenburger Münsterland hatten schon zu Kaisers Zeiten bessere Anschlüsse als heute. Die Verbünde und die Städte und Gemeinden brauchen viel mehr Geld für den Ausbau des Nahverkehrs.

Der ÖPNV ist chronisch unterfinanziert. Dieser Teil der politischen Abmachung steht noch aus. In der nächsten Woche treffen sich Kanzler und Länderchefs. Misslingt ihnen wie schon so oft der längst überfällige Ausbau- und Modernisierungspakt einer mittlerweile maroden Bahn, kann sich Deutschland auch das 49-Euro-Ticket sparen.

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