Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Zwischendurch mal ein Bonbon

Kolumne: Batke dichtet – Reden wir mal über Bonbons. Die Idee dazu kam mir passenderweise vor Kurzem bei einem Zahnarztbesuch. Und nein, die Schweizer haben sie nicht erfunden.

Artikel teilen:

Einmal kurz durchschnaufen – zwischen zwei Wahlgängen haben wir uns ein wenig Entspannung verdient. Vielleicht etwas Süßes, etwas Fruchtiges, etwas, das auf der Zunge zergeht. Reden wir also über Bonbons. Ich habe an dieser Stelle schon über die Geheimnisse des Ackersenfs, den Zauber des Regenbogens oder den Überlebenswillen einer Stubenfliege philosophiert, aber noch nie über Bonbons. Die Idee dazu kam mir passenderweise vor Kurzem bei einem Zahnarztbesuch.

Machen wir uns nichts vor: Auch wenn in den Wartezimmern gerade Kinder vor übermäßigem Bonbonverzehr gewarnt werden, sichert die kariesfördernde Leckerei auch die Arbeitsplätze in der Dentalbranche. Zu den unauslöschlichen Erinnerungen an meine Kindheit gehören Zahnarztbesuche, oft hatten sie etwas vom Gang zum Schafott. Im Bereich Betäubung gingen Zahnärzte damals noch eher defensiv ans Werk, die Bohrer hatten etwas von Black & Decker – kurzum: Jede Visite beim Zahndoc war ein Graus. Und nur zu ertragen mit der Aussicht auf Belohnung – entweder mit einem Gang in die Eisdiele oder einer Stange „Storck Riesen“, was im Prinzip einen neuen Zahnarzt-Besuch garantierte.

"Häufig waren es auch 'Nimm 8', was durch die Blutzuckerwerte seismographisch genau dokumentiert wurde."Alfons Batke

Reden wir also über Bonbons, und nein, die Schweizer haben sie nicht erfunden. Wahrscheinlich waren es die Perser, die die erste Bonbonmasse aus Zucker und Fruchtsaft herstellten – ein kostbares Gut, das sich nur die betuchten Menschen in den Fürstenhäusern leisten konnten. Der Name Bonbon soll auf den französischen Regenten Henri IV. zurückgehen, der zu seiner Hochzeit Zuckerwaren zum Dessert reichte. Die Kinder sollen das mit den Rufen „Bon!Bon“ (Gut!Gut!) goutiert haben. Auch wenn die Geschichte nicht stimmt, so ist sie immerhin gut erfunden.

Jedenfalls war der bonbonale Siegeszug nicht mehr aufzuhalten, heutzutage ist daraus ein Milliardengeschäft geworden. Ich bin jahrelang auf den Slogan „Und naschen ist gesund“ hereingefallen, indem ich regelmäßig in die „Nimm 2“-Tüte gegriffen habe. Häufig waren es auch „Nimm 8“, was durch die Blutzuckerwerte seismographisch genau dokumentiert wurde. Von diesem Trip bin ich runter, heutzutage geht es zuckerfrei im Mund zu. Da kommen die Lutschpastillen mit Orangegeschmack, die bei „anhaltender Scheißlaune“ empfohlen werden, gerade recht. Sie werden unter dem Namen „Miesepeter“ vertrieben.

Die Auswahl skurriler Produkte ist riesig. Wer meint,“ Fisherman's Friend“ sei etwas für Kindergeburtstage, sollte es mal mit dem „Red Devils Taste“ probieren – hier schwören Feinschmecker auf die Chili-Salmiak-Lakritz-Variante mit scharfer Füllung. Achten Sie beim Verzehr darauf, dass ein Feuerlöscher in der Nähe ist. Wer anschließend etwas runterkommen möchte, könnte mit „Euphoria Cannabis“ Erfolg haben. Die Bonbons offenkundig karibischer Provenienz firmieren unter dem Markenbegriff „Rasta“. Es ist wohl besser, wenn unsere heimischen Basketballer die Finger davon lassen – es könnte bei den Dopingkontrollen böse Überraschungen geben.

Ob ich bombstechnisch noch eine Wahlempfehlung habe, wollen Sie wissen? Klar. Probieren Sie es mit „Pionir Negro“ (gefüllter Lakritz, schwarz), Eukalyptus Menthol (grün) und „Jelly Belly Very Cherry“ (Kirsche, rot). Ein wunderbares Triell im Mund – was auch Armin Laschet Mut machen könnte. Denn der Drops ist noch nicht gelutscht!


Zur Person:

  • Alfons Batke blickt auf eine über 40-jährige journalistische Laufbahn zurück.
  • Der 65-Jährige lebt als freier Ruheständler in Lohne.

Sie wollen nichts verpassen, worüber das Oldenburger Münsterland spricht? Dann abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter „Moin, OM!“. Er fasst für Sie das Wichtigste für den Tag auf einen Blick zusammen – immer montags bis freitags zum Start in den Tag.  Hier geht es zur Anmeldung

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Zwischendurch mal ein Bonbon - OM online