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Zwei Omas sind ein großes Privileg

Gästebuch: Cloppenburg braucht immer mehr Kita-Plätze. Der Bedarf steigt weiter. Das Ziel: Jedem Kind ein Kita-Platz. Aber was ist mit Oma, Opa und Co.? Ist die Betreuung zu Hause wirklich so falsch?

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Von Gebärstreik kann keine Rede sein. Dreht das Cloppenburger St.-Josefs-Hospital auch den Schlüssel zum Kreißsaal um. Vergibt der Kinderarzt im Oldenburger Münsterland, jedenfalls im Kreis-Cloppenburger Teil, auch nur sehr selten Termine und verweist auf Überbelastung. All das hält unsere Mitbürger:Innen (sagt man das heutzutage so?) nicht davon ab, Kinder in die Südoldenburger Welt zu setzen. Cloppenburg rechnet mit einem stetig steigenden Bedarf an Kita-und Krippenplätzen. Schon in 2 Jahren werden die vorhandenen Plätze nicht mehr ausreichen. Jetzt sind immerhin für 1200 Kinder 1300 Plätze vorhanden. Jetzt reicht's noch. Aber bei einer geschätzten jährlichen Steigerung der Geburtenrate um 2,6 Prozent ist der Engpass abzusehen. Aber sich deswegen zurückhalten, ist doch auch keine Lösung.

Und die Unabhängige Jutta Klaus verlangt im Rat ja noch mehr. Sie will eine Betreuungsquote von 100 Prozent. Jedem Kind sein Kitaplatz, lautet die Parole. Jetzt sind es immerhin 95 Prozent. Das bedeutet, dass jährlich etwa 60 Kinder in die Schule kommen, ohne zuvor in eine Kita gegangen zu sein.

"Aber ist es wirklich der Weisheit letzter Schluss, dass jegliche andere Form der Betreuung defizitär, also ein Minus gegenüber der Kita sein muss?"Otto Höffmann

Sind diese kitalosen Kinder ärmer dran als andere? Fehlt ihnen etwas, wenn sie direkt in die Schule kommen? In Zeiten der immer noch nicht erreichten Gleichberechtigung von Mann und Frau, in Zeiten von Gendern, Me-too und Helikopter-Eltern, in unserer erhitzten und empörungswütigen Zeit also, gerät auch dieses Thema schnell aus den Fugen. Es ist für berufstätige Mütter (ja vor allem für die Mütter) ein Segen, dass es die Kitas gibt. Aber ist es wirklich der Weisheit letzter Schluss, dass jegliche andere Form der Betreuung defizitär, also ein Minus gegenüber der Kita sein muss?

Die Cloppenburger junge Mutter, die sich mit einer lange nicht mehr gesehenen alten Bekannten in einem Café der Innenstadt traf, dachte sich nichts Böses, als sie auf Nachfrage von ihrem Kind berichtete. Knapp 3 Jahre sei der Sprössling alt, erzählte sie mit ganzem Mama-Stolz. Die Bekannte entgegnete, dann besuche der Nachwuchs ja schon die Kita. Wie schnell das doch alles ginge.

Nein, nein, stellte die Mutter klar. "Wir haben das große Glück, dass beide Großmütter gleich nebenan wohnen. Die geben sich bei der Betreuung gewissermaßen die Klinke in die Hand, und alle sind happy." Da hatte sich Mama aber ins allernächste Fettnäpfchen gesetzt. Sie meinte es doch nur gut. Aber in ein Fettnäpfchen tritt man mit einer unbedachten Äußerung, die einen anderen kränkt. Hier war das gelungen. "Großes Glück?", ereiferte sich nämlich die Bekannte. Wie könne man von "großem Glück" sprechen, wenn dem armen Kind die tolle frühe erste Erfahrung in der Gemeinschaft vorenthalten werde. Die Omas stammten doch aus einer anderen Zeit. Aus einer Zeit, die noch wenig von Gleichberechtigung kannte und überkommene Rollenbilder vermittelte.

Mehr Gelassenheit ist das Ziel – aber schwer zu erreichen in diesen Zeiten

Ein Dritter, der zufällig mithörte, wandte ein, dass es doch auch nicht so erstrebenswert wie in der untergegangenen DDR gewesen sei, dass alle Kleinstkinder in einer Reihe der Betreuungseinrichtungen auf den Pipi-Töpfchen saßen und Gemeinschaft lebten, damit die Frauen, deren Arbeitskraft benötigt wurde, auch dieselbe anbieten konnten.

Damit war der Boden der sachlichen Diskussion verlassen. Jeder verlangte nach der Rechnung. Kommunikation ade. Fazit der nachmittäglichen Runde: Mehr Gelassenheit. Aber wie erreichen in Zeiten, in denen alles brennt und nichts mehr gilt und niemand einen Weg weist, weil keiner einen weiß? Aber eines steht dennoch: Ob Glück oder nicht, 2 Omas zu haben ist auf jeden Fall ein Privileg.


Zur Person:

  • Otto Höffmann ist Rechtsanwalt in Cloppenburg.
  • Den Autor erreichen Sie unter der E-Mail-Adresse redaktion@om-medien.de.

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