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Zwei infiziert: Schule zieht die "Notbremse"

Die Jahrgänge 8 und 11 der Cloppenburger Liebfrauenschule bleiben bis mindestens Ende nächster Woche zu Hause. Zwei Schüler in zwei Klassen wurden positiv auf Covid-19 getestet.

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Fromme Zuwendung: Julie Billiart, die Ordengründerin „Unserer lieben Frau“, auf dem Flur der Liebfrauenschule. Foto: Kreke

Fromme Zuwendung: Julie Billiart, die Ordengründerin „Unserer lieben Frau“, auf dem Flur der Liebfrauenschule. Foto: Kreke

Covid-19 ist in der Cloppenburger Liebfrauenschule angekommen: Zwei Brüder aus den Klassen 8 und 11 und deren Eltern sind positiv getestet worden. Damit gibt es vier Neuinfektionen in Cloppenburg. Die Leitung des katholischen Gymnasiums zog am Donnerstag die Notbremse und strich 220 Jugendlichen der betroffenen Jahrgänge den Unterricht bis zum 4. Juli. Weitere Abwehrschritte behält sich die Schule vor, teilte der Träger, die katholische Stiftung St. Benedikt, mit.

Die beiden Schüler haben sich offensichtlich bei ihrem Vater angesteckt, der als Zerleger in einem Putenschlachtbetrieb in Wildeshausen arbeitet und an Covid-19 erkrankt ist. Seine Infektion hatten die Söhne bereits der Schule mitgeteilt. Als die zwei am Samstag selbst Symptome spürten, hätten sich die Jugendlichen „sehr verantwortungsbewusst verhalten“, berichtete der kommissarische Schulleiter, Dr. Norbert Dörner, am Donnerstag. Sie teilten am Mittwoch ihr Testergebnis mit: positiv.

Ihre Mitschüler könnten jedoch weiter unterrichtet werden, meinte das um Rat gefragte Gesundheitsamt des Landkreises Cloppenburg am Donnerstag. Die Behörde empfahl der Schule am Morgen, praktisch nichts zu unternehmen. Angesichts der Hygiene- und Abstandsregeln, die in der Schule eingehalten wurden, bestehe nur ein „geringes Infektionsrisiko“, der Unterricht könne selbst in den betroffenen Klassen ohne Einschränkung fortgesetzt werden, so die Maßgabe des Landkreises.

Gesundheitsamt empfahl: Abwarten

Weder die Schüler noch die Lehrer sollen vorsorglich getestet werden. Stattdessen empfahl die Behörde abzuwarten und zu beobachten, ob weitere Kinder und Jugendliche Symptome zeigen. Erst dann solle über mögliche Einschränkungen von Amts wegen entschieden werden.

"Wir können nur ein kontrollierbares Risiko verantwortungsvoll eingehen."Direktor Andreas Weber

Das Risiko war und ist der Schulleitung zu groß. Dörner und der noch erkrankte Direktor Andreas Weber beschlossen gestern nach Rücksprache mit ihren Kollegen: Beide betroffenen Jahrgänge werden komplett bis Ende nächster Woche in Quarantäne geschickt. Die Entscheidung sei aus eigener Initiative noch vor der ersten Veröffentlichung der Covid-19-Fälle auf OM online gefallen, merkte Weber an.

„Wir können nur ein kontrollierbares Risiko verantwortungsvoll eingehen“, sagte Weber. Weil sich Jugendliche der beiden Jahrgangsstufen teilweise außerhalb der Schule mit den beiden Brüdern getroffen haben, um sich beim Lernen zu unterstützen, sei es aus Sicherheitsgründen erforderlich, über die Empfehlungen des Gesundheitsamtes hinausauszugehen, erklärte das Leitungsteam in einem Gespräch mit der Redaktion. Das sei „ein übervorsorglicher, aber verantwortungsvoller Schritt“, meinte Weber.

Der Schulträger sprach in einer Pressemitteilung sogar irrtümlich von „weiteren Verdachtsfällen“. Tatsächlich gebe es aber bisher niemanden sonst in der Schule, der Symptome zeige, betonte Weber auf Nachfrage von OM online. Mit der Formulierung sind offenbar die Kontaktpersonen der Schüler gemeint, die jetzt unter Überwachung des Gesundheitsamtes stehen. Nach allen vorliegenden Informationen sollen sie bisher keine Symptome zeigen.

Eltern reagierten teils panisch

Dennoch reagierten Eltern, deren Kinder andere Klassen besuchen, teils panisch. Dörner und Weber berichteten von Anrufern, die ihre Zöglinge aus Klasse 5 oder 6 nicht mehr zum Unterricht schicken wollen. Handwerker, die in einem leeren Gruppenraum einen neuen Fußboden verlegen sollten, fragten nach Infektionsgefahren.

Weber warnte vor Hysterie. „Wenn wir es mit unserem auditierten Sicherheitskonzept nicht schaffen, den Unterricht aufrechtzuerhalten, dann schafft das keine Schule“, sagte er. Ein kompletter „Lockdown“ wäre überzogen, weil sich die Schüler unterschiedlicher Jahrgänge kaum privat träfen. Der Einfluss auf die Einhaltung von Hygiene- und Abstandsregeln ende ohnehin an der Schultür. Wie sich Kinder im Bus oder in ihrer Freizeit verhielten, könne niemand in der Schule kontrollieren, unterstrich Dr. Norbert Dörner.


Kommentar zu dem Thema von Hubert Kreke (Redakteur):

Die Leitung der Liebfrauenschule hat rasch und umfassend gehandelt, um eine Ausbreitung des Virus zu bekämpfen – umfassender und rascher als das Gesundheitsamt. Das hält sich noch immer an jeden Buchstaben in den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts, obwohl die längst der Realität hinterherhinken: Vorsorgliche Tests in Risiko-Situationen halten alle für nötig, aber möglich sind sie offenbar erst, wenn Fleischbarone die Schatulle öffnen oder Verbraucher Sturm laufen.

Angesichts der Besonnenheit der Schule wäre es fair, wenn nun auch Eltern nicht in Panik verfallen und Kinder, die keinen Kontakt mit den infizierten Corona-Opfern hatten, nicht aus dem ohnehin spärlichen Unterricht reißen. Vielleicht sollten sie lieber mithelfen, politischen Durck aufzubauen, damit endlich vorsorgliche Test für Schüler und Lehrer aus betroffenen Klassen veranlasst und bezahlt werden.

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