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Zur falschen Zeit am falschen Ort

Kolumne: Batke dichtet – Portugal wurde kürzlich zum Virusvariantengebiet erklärt, was Freunde von mir bitter traf. Hinzu kam die Tatsache: Kurze Zeit später wurde die Verordnung wieder aufgehoben.

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Ich mag Portugal. Ein wunderschönes Land mit ausgesprochen freundlichen Leuten, denen man mitunter einen leichten Hang zur Melancholie nachsagt. Fado, Sie wissen schon. Eigentlich wollte ich ja Portugal für immer den Rücken kehren, denn die erste Visite vor mehr als vierzig Jahren verlief im Rahmen einer Interrail-Tour eher suboptimal. Es kam zu einigen Missverständnissen mit den lokalen Ordnungshütern an der Algarve; erst als ich verlangte, den deutschen Botschafter zu sprechen, ließ man uns unter der Maßgabe, das Land sofort zu verlassen, unserer Wege ziehen.

Ich bin nicht nachtragend und habe den Portugal-Boykott nicht lange durchgehalten. Auch beruflich war der Westen der iberischen Halbinsel immer mal wieder ein erquickliches Reiseziel; die Fußball-Europameisterschaft 2004 ist dabei ebenso in lebhafter Erinnerung wie Werders größter internationaler Erfolg mit dem Gewinn des Europacups der Pokalsieger im Jahr 1992. 2:0 gegen AS Monaco, Allofs und Rufer, Grün-Weiß-Fans werden sich leise weinend erinnern.

Portugal erfreut sich auch im Kreise von Verwandten und Bekannten größter Beliebtheit. Und wie bei meiner ersten Visite vor vierzig Jahren haben (ich belasse es mal bei Namensabkürzungen) auch D., V. und M. das schöne Land eher unfreiwillig verlassen. Das hatte nichts mit ungebührlichem Verhalten zu tun, sondern mit der zwischenzeitlichen Einstufung Portugals als Virusvariantengebiet.

"Von einer auf der anderen Minute war an entspanntes Urlauben nicht mehr zu denken"Alfons Batke

Das erwähnte Reise-Trio hatte sich – wie in vielen Jahren zuvor – in ihrem Feriendomizil an der im Vergleich zur Algarve touristisch eher ruhigen Atlantikküste eingerichtet, als die Hiobsbotschaften aus der Heimat kamen. Von einer auf der anderen Minute war an entspanntes Urlauben nicht mehr zu denken – das Organisieren einer vorzeitigen Rückreise und die sich abzeichnende 14-tägige Quarantäne daheim lagen wie Mehltau über dem Trip. Aus 2 Wochen wurde eine – der Rückflug musste extra bezahlt werden, der erforderliche PCR-Test vor der Rückkehr verschlang zusätzliche Kosten.

„Wofür habe ich mich eigentlich impfen lassen?“, schimpfte D. in einem Telefonat aus seiner Zwangsisolation. Es war der Tag, als Portugal laut Robert-Koch-Institut trotz steigender Inzidenzzahlen plötzlich kein Virusvariantengebiet mehr war. Wären D., V. und M. wie ursprünglich geplant bis zu diesem Freitag in Portugal geblieben, hätte es keine Sicherheitsverwahrung in der Heimat gegeben – es war der Fluch einer eigentlich vernünftigen Tat. So müssen die 3 Portugal-Reisenden, die zur falschen Zeit am falschen Ort waren, noch eine weitere Woche Hausarrest über sich ergehen lassen – das Gesundheitsamt kennt da kein Pardon und war bereits zu Kontrollen vor Ort.

Immerhin: Es kam auch schon zu Aktionen unverbrüchlicher Solidarität, wie D. zu berichten wusste. So habe ein wohlmeinender Zeitgenosse jüngst 2 Tiefkühlpizzen durch die Essensklappe geschoben. Und auch der Wirt seiner Stammkneipe, selbst gestählt im Umgang mit coronalen Turbulenzen, habe ein Carepaket mit für diese Region typischen Erfrischungen vorbeigebracht. Da schließen wir doch gern mit einem portugiesischen Sprichwort: „E na dificuldade que se prova a amizade“ – was auch auf Deutsch gilt: Die Freundschaft beweist sich in der Not.


Zur Person

  • Alfons Batke blickt auf eine 40-jährige journalistische Laufbahn zurück.
  • Der Autor lebt als freier Ruheständler in Lohne.

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