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Zur Entspannung ab aufs Rad

Kolumne: Batke dichtet – Warum ich heute über das Radfahren schreibe, wollen Sie wissen? Weil ich in den letzten Monaten wieder gelernt habe, wie viel Spaß es macht und wie gesund es ist.

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Hat der ganze Wahlstress auch an Ihren Nerven gezerrt? Entspannen Sie sich, Sie müssen ja jetzt nicht die Nächte durchmachen und irgendwelche Koalitionsgespräche mit Leuten führen, die Sie letzte Woche noch beschimpft haben. Also gemach! Setzen Sie sich mal wieder aufs Fahrrad, umrunden Sie den Dümmer oder cruisen Sie entlang der Thülsfelder Talsperre. Aber übertreiben Sie es nicht: Wer die Dammer Berge gemeistert hat, sollte sich nicht gleich das gepunktete Trikot des Kletterkönigs überstreifen.

Warum ich heute über das Radfahren schreibe, wollen Sie wissen? Weil ich in den letzten Monaten wieder gelernt habe, wie viel Spaß es macht und wie gesund es ist. Das kann man dann erst einschätzen, wenn man wie ich länger als ein Jahr aufgrund einer hartnäckigen Fußverletzung nicht in die Pedalen treten durfte. Mediziner raten nicht nur deshalb zum Radfahren, weil es vielen Krankheiten vorbeugt, sondern auch gut zur mentalen Erholung ist und hilfreich beim Stressabbau. Forscher haben jetzt herausgefunden, dass derjenige, der täglich 30 Minuten Rad fährt, leichter einschläft und die Dauer des Schlafes um eine Stunde verlängern kann.

"Aber es muss ja nicht unbedingt die Grüne Insel sein, um die Freuden des Radelns zu genießen."Alfons Batke

Zugegeben: Die Form meiner besten Radlerjahre habe ich noch nicht wieder erreicht – werde ich angesichts der gnadenlos tickenden biologischen Uhr wohl auch nicht. Seinerzeit waren wir viel an der irischen Westküste unterwegs, einmal im Jahr ging es für eine Woche mit der Cycling Safari über Berg und Tal. Es waren organisierte Touren mit internationaler Besetzung, das Gepäck wurde im Bully von B&B zu B&B transportiert. Und ehrlicherweise fiel es mitunter leichter, mit entsprechendem Guinness-Doping Herausforderungen wie den Connor- oder Healy Pass zu meistern. Aber es muss ja nicht unbedingt die Grüne Insel sein, um die Freuden des Radelns zu genießen. Auch unsere Region hat einiges in den Radwegeausbau investiert; als echte Bereicherung empfinde ich die frisch sanierte alte Bahnstrecke zwischen Lohne und Dinklage, die ich in den zurückliegenden Monaten häufig genutzt habe.

Als ich vorletzten Sonntag von einer dieser Touren zurückkam, war ich rechtschaffen müde, was vielleicht auch daran lag, dass mein Bike knarzende Geräusche von sich gab und nicht mehr wirklich rund lief. Ich quälte mich in Lohne den letzten Kilometer mehr schlecht als recht dem Ziel entgegen, als ich plötzlich von hinten eine helfende Hand auf der Schulter spürte. Es war die von Franz-Josef Nieberding, seines Zeichens 1997 Deutscher Meister der Radcrosser in Denzlingen und im gleichen Jahr WM-Siebter im Münchener Olympia-Park und seit vielen Jahren Betreiber eines Fahrradhandels. „Fanny“, mein Anschieber, kam gerade von einem 90-km-Ausritt, der ihn ins Artland geführt hatte, zurück und diagnostizierte mit Kennerblick: „Da ist was mit der Kette. Komm' morgen früh in der Werkstatt vorbei, dann richten wir das.“

Ein Deutscher Meister als Gelber Engel – hat man auch nicht alle Tage. Und wo das alles passierte, wollen Sie wissen? In Lohne. Auf der Nieberdingstraße.


Zur Person: 

  • Alfons Batke (65) blickt  auf eine über 40-jährige journalistische Laufbahn zurück. Er lebt in Lohne.

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