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Zukunftsmacherin: Mina Amiry aus Molbergen unterstützt Schutzsuchende

1988 floh die gebürtige Iranerin nach Deutschland. Heute steht sie Migranten mit ihrem Verein "Integrationslotsen für den Landkreis Cloppenburg e.V." zur Seite und trägt das Bundesverdienstkreuz.

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Hilfe und Unterstützung für Schutzsuchende: Mina Amiry gründete 2012 den Verein „Integrationslotsen für den Landkreis Cloppenburg e.V.“. Foto: Sabine Neumann

Hilfe und Unterstützung für Schutzsuchende: Mina Amiry gründete 2012 den Verein „Integrationslotsen für den Landkreis Cloppenburg e.V.“. Foto: Sabine Neumann

„Ich hatte schon immer das Bedürfnis, mich für Menschen einzusetzen und für ihre Rechte zu kämpfen“, sagt Mina Amiry, Gründerin und erste Vorsitzende des Vereins „Integrationslotsen für den Landkreis Cloppenburg e.V.“ Das hat sie bereits als junge Frau in ihrer Heimat, dem Iran, getan. Da die Lebensumstände für sie und ihre Familie dort jedoch immer schwieriger wurden und ihr Mann nach der islamischen Revolution untertauchen musste, entschied sich die Familie 1988, den Iran zu verlassen.

Ihr Ziel war damals eigentlich Dänemark. Die Flucht endete allerdings in Frankfurt a.M. „Dort fand schließlich unsere Registrierung für Deutschland statt“, erzählt sie. Nach mehreren Stationen in Deutschland kommt die Familie dann in den Landkreis Cloppenburg nach Grönheim. „Die Menschen dort haben uns sehr geholfen“, erinnert sie sich. Allerdings vermisste die damals 26-Jährige ihre Familie und ihre Heimat. „Zu der Zeit gab es noch kein Handy oder WhatsApp. Telefonieren war seinerzeit sehr teuer“, erzählt sie.

2007 besucht Mina Amiry den Integrationslotsenkurs

Ihr neues Leben in einem kleinen Ort in einem fremden Land stellte die Familie vor einige Herausforderungen. Aber Mina Amiry und ihr Mann nahmen sie an. Sie lernten die Sprache, Mina machte ihren Führerschein und holte ihren Realschulabschluss nach. Nach einem zweijährigen Arbeitsverbot wollte die junge Mutter in ihrem erlernten Beruf als Krankenschwester arbeiten. Da ihr aufgrund der Flucht die nötigen Zertifikate fehlten, holte sie die dreijährige Ausbildung in Deutschland schließlich noch einmal nach. „Das war mit vier Kindern nicht immer einfach“, sagt sie. Seither arbeitet sie – zunächst viele Jahre als OP-Schwester, mittlerweile in der Verwaltung – im Cloppenburger Krankenhaus.

Ihr Engagement für ihre Mitmenschen führte Mina Amiry auch in Deutschland fort. Ihr fünftes Kind, wie sie es nennt, ist der Integrationslotsenverein, den sie vor vielen Jahren gründete. Seit 1994 engagiert sie sich ehrenamtlich für andere Schutzsuchende. Die Hilfe und Unterstützung, die sie ihnen bietet, habe es damals in der Form noch nicht gegeben. „Es gab Momente, in denen ich verzweifelt war. Wenn man aber den festen Willen hat, kann man das schaffen“, sagt sie über sich selbst. 2007 besuchte sie schließlich den Integrationslotsenkurs und bildet seither selber Lotsen aus. Für ihre Arbeit konnte die Molbergerin zunächst eine Räumlichkeit bei der Volkshochschule Cloppenburg nutzen. Die Nachfrage und der Bedarf stiegen binnen kurzer Zeit, auch aufgrund der Kriegsflüchtlinge aus Syrien, so stark an, dass Mina Amiry und ihr Team diese Aufgabe nicht mehr länger nur ehrenamtlich leisten konnten. Für die Bewilligung finanzieller Unterstützung durch den Landkreis gründete sie 2012 schließlich den Verein „Integrationslotsen im den Landkreis Cloppenburg e.V.“. Heute hat der Verein über 160 Mitgliederinnen und Mitglieder und beschäftigt neun Mitarbeitende sowie mehrere Honorarkräfte. Zudem gibt es viele ehrenamtliche Lotsen, die beratend tätig sind.

Beratungen in 35 Sprachen

Mittlerweile haben die Integrationslotsen ihren Sitz in einem angemieteten Haus des St. Pius Stiftes in der Straße „Auf dem Hook“ in Cloppenburg und beraten über 2000 Klienten. Viele der 392 Integrationslotsen, die Mina Amiry ausgebildet hat, haben den Weg zunächst als Klienten zum Verein gefunden. „Dadurch, dass so viele Migranten jetzt selber ihre Hilfe anbieten, können wir Beratungen in über 35 Sprachen durchführen“, betont Mina Amiry. „Die Menschen, denen wir helfen, haben oft keine Familie hier, sie verstehen und sprechen die deutsche Sprache nicht und benötigen Beratung und Unterstützung bei notwendigen Behördengängen. Wir machen das, um ihnen zu helfen. Wir merken, dass den Schutzsuchenden unsere Beratung guttut. Viele haben ein Trauma, weil sie auf ihrer Flucht, aber auch schon vorher in ihrem Heimatland, schlimme Dinge gesehen oder erlebt haben.“

Ihre Tätigkeit für den Verein der Integrationslotsen führt Frau Mina Amiry bis zum heutigen Tag ehrenamtlich aus. Für ihr Engagement wurde der Molbergerin 2018 das Bundesverdienstkreuz verliehen. „Ich habe mich sehr über die Anerkennung für meine Arbeit gefreut. Es berührt mich, dass man geachtet, gesehen und gehört wird“, sagt sie. „Aus meiner Heimat musste ich fliehen, weil ich mich für andere eingesetzt habe, in Deutschland werde ich dafür ausgezeichnet“, gibt Mina Amiry einen Denkanstoß. „Ich bin dankbar für jeden guten Menschen, den ich hier kennengelernt habe. Ich bin dankbar, wenn ich sehe, dass meine Kinder glücklich sind. Und ich bin auch dankbar, dass ich den Menschen hier helfen kann“, sagt sie. Seit über dreißig Jahren ist sie nicht mehr im Iran gewesen. Sie vermisst ihre Heimat und ihre Familie, aber sie möchte und kann nicht wieder zurück. „Ich bleibe hier, weil ich glücklich bin. Trotzdem bewahre ich mir meine Erinnerungen an den Iran. Diese Erinnerungen und Erfahrungen prägen uns zu dem, wer wir sind und was wir werden“, sagt sie.

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