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Zucker? Am besten wie ein Gewürz behandeln

Übergewicht ist meist erklärbar, sagt Ernährungsexpertin Sigrid Lömker. Viele äßen zu viel und zu süß - und zu oft. Den kleinen Snack zwischendurch sollte man sich besser verkneifen.

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Gut informiert: Expertin Sigrid Lömker (links) überreichte den Mitgliedern der Gruppe "Big Ladys" ihre selbst geschriebenen Kochbücher. Foto: Döring

Gut informiert: Expertin Sigrid Lömker (links) überreichte den Mitgliedern der Gruppe "Big Ladys" ihre selbst geschriebenen Kochbücher. Foto: Döring

Es ist der Zucker. Jedenfalls fast immer. Wenn Menschen so dick werden, dass es nicht mehr gesund ist, spielen die überflüssigen Kohlenhydrate meist die entscheidende Rolle, sagt Sigrid Lömker. Von „Low Carb“ hält die Diplom-Ökotrophologin aber trotzdem nichts, wie sie beim Treffen der Gruppe „Big Ladys“ in Löningen verriet. „Der Körper braucht von allem etwas“, sagt sie. Mit Verboten käme man beim Abnehmen nicht weiter.

Nach langer Zeit durfte die Selbsthilfegruppe wieder im Vikar-Henn-Haus zusammenkommen. Ihr gehören zumeist Frauen an, aber auch Männer sind willkommen. Was die Teilnehmer eint, ist ihr Kampf gegen die Fettleibigkeit. Gewinnen wollen sie ihn vor allem mit Informationen. Der Austausch stockte in den vergangenen Monaten jedoch. „Daher freuen wir uns, dass es jetzt endlich weitergehen kann“, sagt Anette Döring. Durch die Lockdowns seien die Frauen in ihren Bemühungen, abzunehmen, zurückgeworfen worden. „Das haben wir an uns festgestellt“, gibt Döring zu.

Corona führt zur Gewichtszunahme

Mit ihren zusätzlichen Pfunden stehen die „Big Ladys“ nicht allein da. Rund 40 Prozent der Erwachsenen geben an, dass sie seit Beginn der Pandemie deutlich zugenommen haben, berichtet die Apotheken-Umschau. Im Schnitt seien es 5,6 Kilogramm. Das gelte für Männer und Frauen gleichermaßen, allerdings sei es bei den Frauen durchschnittlich ein Kilo weniger. Besonders betroffen ist die Altersgruppe der 30- bis 44-Jährigen. Sigrid Lömker kann die Ergebnisse der Umfrage zwar nicht bestätigen. Dass Übergewicht in der Regel mit einer falschen Ernährungsweise zu tun hat, liegt für sie aber auf der Hand.

Eine Verzichtskultur predigte die Ernährungsberaterin im Pfarrheim jedoch nicht. Auch Kohlenhydrate seien wichtig - wie eigentlich alles, was der Körper aufnehme, sagt sie. Der maßvolle Genuss von Vollkornbrot, Nudeln und Reis ginge schon in Ordnung. Den kleinen Snack zwischendurch sollte man jedoch vermeiden. „Je länger der Abstand zwischen den Mahlzeiten ist, desto mehr Fett wird verbrannt“, weiß Lömker und rät zum Intervallfasten. Hau-Ruck-Diäten lehnt sie dagegen ab. "Sie führen nur zum Muskelabbau. Später sammelt sich dann das Fett dort, wo es nicht hingehört." Ein Ernährungstagebuch könne Abnehmwilligen helfen, den Überblick zu behalten.  

Den sollen eigentlich auch die Lebensmittelhersteller ermöglichen. Beim Zucker ließen sich die Verbraucher allerdings oft von Schönfärbungen blenden, weiß Sigrid Lömker. Wenn etwa mit den Begriffen „Apfel- oder Fruchtsüße“ geworben werde, handele es sich in der Regel um Fruchtzucker aus Maisstärke. Der sei zwar billig, gesundheitlich aber problematisch. "Grundsätzlich gilt: Je kürzer die Zutatenliste, desto besser", sagt die Quakenbrückerin. Und beim Umrechnen der Zuckermenge helfe es, durch 3 zu teilen. „Dann weiß ich, wie viele Stücke Würfelzucker drin sind.“

"Kinder sollten Süßes am besten gleich nach dem Mittagessen bekommen."Sigrid Lömker, Ernährungsberaterin

Wie also süßen? „Vor allem sparsam“, betont Lömker. „Wir sollten den Zucker wie ein Gewürz behandeln.“ Schmackhaft kochen könne jeder auch ohne Zucker oder Süßstoff – letzteren lehnt Lömker sowieso ab. Süßigkeiten und Schokolade dürfen sein. „Am besten ist es, sie den Kindern direkt nach dem Mittagessen zu geben. Dann fühlen sie sich süß-satt.“ Um gut und gesund zu kochen, mangele es inzwischen bei vielen am nötigen Grundwissen, bedauert die Expertin. „Ich kenne junge Mütter, die mir nicht erklären können, wie sich eine ausgewogene Mahlzeit zusammensetzt. Sie haben es einfach nicht gelernt.“

Lömker wäre deshalb für Hauswirtschaftsunterricht ab der 4. Klasse – und zwar nicht nur für die Mädchen. In Quakenbrück leitet sie einmal im Monat einen Kinderkochclub. Gemeinsam mit einer Freundin hat sie auch 3 Kochbücher mit familiengerechten Rezepten geschrieben.

Bei den Big Ladys kamen die Ratschläge gut an. Die Gruppe wird sich ab jetzt im 2-Wochen-Rhythmus treffen.

  • Info: Interessierte sind willkommen. Weitere Informationen gibt es unter der Telefonnummer 05432/9049876.

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

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