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Zu viele Impfgegner sind Totalverweigerer

Wenn den fundamentalistischen Impfgegnern die Argumente ausgehen, ist schnell von einer "Hetze gegen Ungeimpfte" die Rede. Das ist sogar aus zwei Gründen eine falsche Aussage.

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"Ich bin da ja ein bisschen anti." Bei diesem Satz, den mein Nachbar vom Stapel lässt, während er mich entgeistert anschaut, als er erfährt, dass ich mir die dritte Impfung abgeholt habe, möchte ich tief Luft holen. Darauf verzichtete ich, weil keine FFP2-Maske in greifbarer Nähe ist. "Ein bisschen anti" – lieber Nachbar – das gibt es bei dieser Frage nicht. Es gibt nur zwei Seiten dieser Medaille, die eigentlich niemand um den Hals tragen möchte.

Laut einer aktuellen Umfrage wollen sich neun von zehn Nicht-Geimpften in diesem Jahr nicht mehr impfen lassen. Dazu gehört offenkundig auch mein Nachbar. Und er gehört auch zu der Gruppe von Impfgegnern, die man als Fundamentalisten bezeichnen darf.

Die Impfgegner sind keine homogene Gruppe. Ein nicht unerheblicher Teil hat subjektiv Angst vor den Wirkstoffen. Diese Leute sind die unbekannte Variable. Sie sind selten öffentlich wahrnehmbar, weil bei ihnen zumindest die Einsicht herrscht, mit der Einhaltung der Hygieneregeln die Konsequenzen aus ihrer Entscheidung zu ziehen. Zu dieser Gruppe darf man Fußballer Joshua Kimmich zählen, der in dieser Woche einen medialen Wirbel ausgelöst hat.

Diese Impfgegner kann man vielleicht mit Fakten überzeugen. Wenn es nicht die andere, größere Klientel von Impfgegnern geben würde, die mit ihren Desinformationen eine Gefahr ist.  Diese Leute erfüllen immer dieselben Klischees: Sie reden von einer Diktatur und stellen generell die Pandemie infrage. Sie verspotten 55 Millionen geimpfte Deutsche als blinde Lemminge des "Merkel-Regimes" und naive Versuchskaninchen.

"Die Bändchen für Geimpfte und Genesene auf den Weihnachtsmärkten vergleichen zu viele dieser Impfgegner mit dem Judenstern. Das ist widerwärtig."Matthias Bänsch

Den wiedergewonnenen Alltag, der erst durch den Impffortschritt möglich wurde, genießen diese Fundamentalisten nicht nur (zumindest bis zur 3G-Schranke) in vollen Zügen. Sie verhalten sich so, als wenn es das Virus gar nicht geben würde. Die Kontaktnachverfolgung beim Cloppenburger Gesundheitsamt, das bei den aktuell steigenden Zahlen wieder voll ausgelastet ist, zeigt ja, dass das zu oft der Fall ist.

Die Coronatests wollen nicht sie, sondern soll die Allgemeinheit bezahlen. Die Bändchen für Geimpfte und Genesene auf den Weihnachtsmärkten vergleichen zu viele dieser Impfgegner mit dem Judenstern. Das ist widerwärtig. Diese Gruppe ist nicht ein bisschen anti. Es sind Totalverweigerer. Sie leisten keinen Beitrag für diese historische, gesamtgesellschaftliche Herausforderung. Steigende Zahlen in den Krankenhäusern sind nicht nur für Ungeimpfte, sondern für alle ein Problem. Sind die Covid-Stationen überlastet, leidet das ganze Gesundheitssystem. 

An diese Impfgegner adressiert: Setzt eure Sturheit nicht unter die Überschrift "Hetze gegen Ungeimpfte". Es ist das gute Recht aller, die einen Beitrag zur Bekämpfung der Pandemie leisten, die Normalität durch zusätzlich gewonnene Sicherheiten in Anspruch nehmen zu wollen. Ohne unnötigen Risikofaktor – das seid ihr nun einmal. Und Ungeimpfte sind nicht automatisch Impfgegner. Es gibt Menschen, die sich (noch) nicht impfen lassen dürfen – oder aus gesundheitlichen Gründen können. Auch für die haben wir 55 Millionen Bürger uns spritzen lassen.

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