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Zu viel Verkehr: Bürgermeister ist für Ortsentlastung in Bevern

Die Planungen stehen noch ganz am Anfang, betont Heiner Kreßmann. Vor allem fehlt bisher die Zustimmung der Landesbehörde. Ideen, wo die Entlastungsstraße gebaut werden könnte, gibt es aber schon.

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Problemzone: Auf der Kirchstraße in Bevern ist fast immer etwas los. Foto: Meyer 

Problemzone: Auf der Kirchstraße in Bevern ist fast immer etwas los. Foto: Meyer 

Das von der Gemeinde Essen für Bevern in Auftrag gegebene Verkehrsgutachten kommt zu einem eindeutigen Urteil: Die Verkehrsbelastung in der Ortsmitte habe einen kritischen Wert erreicht. Der Bau einer Entlastungsstraße mache daher Sinn. Ob und wann die Straße gebaut werden kann, ist jedoch offen.

Am 1. September 2020 hatte ein Wallenhorster Planungsbüro die Verkehrsströme an 3 Knotenpunkten 24 Stunden lang gemessen. Zwischen 5.200 und 5.300 Kraftfahrzeuge passierten in dieser Zeit den Ort, berichtet Diplom-Geograf Jens Westerheider. Er stellte die Ergebnisse am Montag im Planungsausschuss der Gemeinde vor. Zum Ziel hatten Bevern aber nur die wenigsten, was besonders für den Schwerlastverkehr galt. 80 Prozent aller Fahrzeuge und 90 Prozent der Brummis (rund 460) waren nur auf der Durchfahrt. Lkw nutzten vor allem die Landesstraße 843 zwischen der Lüscher Straße, der Kirchstraße und der Beverner Straße. Stark befahren war aber auch die Calhorner Straße (900 Fahrzeuge). Die Zahlen sind Westerheider zufolge trotz der Coronakrise aussagefähig. 

Und die Belastung soll in den kommenden Jahren weiter zunehmen. Bis 2035 erwartet Westerheider eine Steigerung auf täglich bis zu 6.200 Fahrzeuge (plus 20 Prozent). Der Schwerlastverkehr könnte nach der Prognose sogar um 56 Prozent zulegen, die Situation für die Anwohner würde sich also verschärfen. "Hinzu kommt, dass die Ortsmitte für Radfahrer und Fußgänger nur schlecht ausgebaut ist", bemängelt der Experte. Sein Fazit: "Die Verkehrsmengen in Bevern sind sehr hoch. Es handelt sich um einen kleinen Ort mit einer geschwungenen Straßenführung im Zentrum. Daher lohnt es sich, über eine Entlastung nachzudenken."

Trasse soll Ortsmitte deutlich entlasten

Wie die aussehen könnte, hat sich Westerheider ebenfalls überlegt. Sein Büro entwickelte bereits mehrere Trassenvarianten. Favorisiert wird eine Verbindungsstraße, die zwischen dem östlichen Ortsrand und dem Calhorner Mühlenbach verlaufen würde. Die Planer versprechen sich dadurch eine deutliche Entlastung der Ortsmitte. Vor allem die Lastwagen würden fast komplett aus der Kirchstraße verschwinden. Zugleich sollten innerorts verkehrsberuhigende Maßnahmen umgesetzt werden. Bei den anderen Varianten sei dagegen entweder die Entlastung zu gering oder der bauliche Aufwand zu hoch, erklärt Westerheider.

Die Idee einer Ortsumgehung ist in Bevern nicht neu. Bürgermeister Heiner Kreßmann bekräftigte den Wunsch der Gemeinde, sie in absehbarer Zeit zu bauen. Einschränkend wies er darauf hin, dass die zuständige Landesbehörde in Lingen keine Notwendigkeit  für Änderungen an der Verkehrssituation sieht. "Wenn wir eine Entlastungsstraße haben wollen, müssen wir also alles selbst bezahlen", folgert Kreßmann. Ganz ohne das Land dürfte es aber dann doch nicht gehen. Der Bürgermeister betonte, das Gespräch mit der Behörde suchen zu wollen. "Ich hoffe, dass wir gemeinsam eine Lösung finden." Ziel sei es, den Ortskern in Bevern völlig umzugestalten.

Helfen könnte dabei auch die aktuell angelaufene Flurbereinigung "Calhorner Mühlenbach".  Durch Renaturierungen soll sie die nötigen Ausgleichsflächen für den künftigen Straßenbau schaffen. Kreßmann bat aber um Geduld. "Wir dürfen uns keinen Illusionen hingeben. Das ist noch ein langer Weg." Gregor Middendorf (CDU) wies darauf hin, dass es von der Planung bis zur Eröffnung der Essener Ortsumgehung 20 Jahre gedauert hatte. "Diesmal wird es hoffentlich schneller gehen."

Sollen draußen bleiben: Lkw dürfen vom Kreisel nicht mehr in die nördliche Lange Straße in Essen einbiegen. Foto: MeyerSollen draußen bleiben: Lkw dürfen vom Kreisel nicht mehr in die nördliche Lange Straße in Essen einbiegen. Foto: Meyer

Dass die 2015 eröffnete Ortsumgehung zu einer deutlichen Verkehrsminderung im Essener Zentrum geführt hat, gilt zwar als unstrittig. Trotzdem sieht Kreßmann nach eigenen Angaben noch immer Kennzeichen, die im Ort "nichts zu suchen" hätten. Er gibt damit jenen 150 Anwohnern recht, die im März in einem Schreiben weitere Maßnahmen gegen den Schwerlastverkehr auf der Lange Straße einforderten. Inzwischen verbieten Schilder Lkw die Durchfahrt vom neuen Kreisel aus. Zusammen mit dem Landkreis hat die Verwaltung außerdem einen Stufenplan fertiggestellt. Je nach Verkehrsentwicklung sollen weitere Verbotsschilder im Bereich der Löninger/Lastruper Straße sowie der Schulstraße und der Lange Straße aufgestellt werden können.

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