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Zu viel Kommunikation

Kolumne: Das Leben als Ernstfall – Kürzlich sind Whatsapp, Facebook und Instagram ausgefallen. Anlass genug, darüber zu sinnieren, wie wir eigentlich miteinander reden.

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Kommunikation birgt ja per se schon zahlreiche Tücken. Das fängt schon im Kleinen an: zwischen Ehepartnern, innerhalb der Familie, im Freundeskreis, im Job oder – größer gedacht – in der Politik. Die Worte Entschuldigung, Danke und neuerdings auch Glückwunsch scheinen Begriffe zu sein, die vielen Menschen besonders schwer über die Lippen gehen. Warum sonst beglückwünschte Armin Laschet seinen Kontrahenten Olaf Scholz per Brief zum Wahlerfolg?

Besonders störanfällig ist die Kommunikation zwischen Mann und Frau. Ich würde sogar so weit gehen und behaupten, dass Männer und Frauen manchmal in verschiedenen Sprachwelten leben. Nicht umsonst gibt es unzählige wissenschaftliche Abhandlungen über dieses Thema.

Wer kennt’s zu Hause nicht, wenn es wieder heißt: „Das habe ich dir doch erzählt!“ Ein Satz, der meist eher von Frauen kommt und natürlich beinhaltet: „Hast du mir wieder nicht zugehört?“ Die Frage, wer letztlich Recht hat, bleibt unbeantwortet. Denn, seien wir mal ehrlich, Frauen neigen oft dazu, Neuigkeiten mit mehreren Menschen zu teilen, mit den Eltern, der besten Freundin, der Lieblingskollegin, der Bäckereifachverkäuferin. Dann glauben sie nur, ihrem Partner davon erzählt zu haben. Und Männer, ja, Männer vergessen einfach auch viel – oder anders gesagt: Nicht jeder Informationsaustausch kommt oben an. Erst recht nicht, wenn Fußball läuft.

Natürlich bietet das Thema Frauensprache, Männersprache eine Steilvorlage für Schwarz-Weiß-Malerei. Hier lassen sich viele Klischees bedienen. Aber diese Klischees machen auch unheimlich viel Spaß. Immerhin scheinen sie die Menschen so sehr zu begeistern, dass Künstlerinnen und Künstler wie Mario Barth oder Carolin Kebekus hierauf ihr gesamtes Comedy-Programm aufbauen.

"Richtig kompliziert wird es, wenn Männer und Frauen kommunizieren, ohne dass sie sich sehen oder hören." Sandra Hoff

Richtig kompliziert wird es, wenn Männer und Frauen kommunizieren, ohne dass sie sich sehen oder hören. Wenn Textnachrichten das Hauptmittel der Sprache sind. Oftmals der Fall, wenn sich zwei Menschen neu kennenlernen und Dating-Apps nutzen. Hier beschränkt sich mein Erfahrungsschatz zwar nur auf Erzählungen von Singles aus meinem Freundeskreis, aber allein diese haben es schon in sich. Wenn nach einem kurzen „Hallo, wie geht’s dir?“ die Frage nach Nacktfotos folgt, ist die Kennenlern-Geschichte meist direkt wieder vorbei.

Vorbei mit der Kommunikation war es auch, als am Montagabend die Social-Media-Kanäle WhatsApp, Instagram und Facebook stundenlang offline waren. Und ja, ich gebe zu, auch mich hat das für zwei, drei Minuten nervös gemacht. Erst recht, als mein Handy plötzlich Töne von sich gab, die ich noch nicht kannte. Eine SMS ploppte auf. Eine SMS!!! Da kann ich ja gleich Disketten hervorkramen. Sie könne mich anders nicht erreichen, schrieb eine Freundin. Bitte?! Sind Telefonanrufe aus der Mode gekommen? Vielleicht ist das größte Kommunikationsproblem die Vielfalt der Mittel? Gespräche, Telefonate, Briefe, Postkarten, Faxe, E-Mail, WhatsApp-Nachrichten, SMS, Chats, Instagram, Tik Tok, Facebook, Twitter, Tinder, Gestik, Mimik, Zeichensprache, Brieftauben, Flaschenpost, Flurfunk… Zu viele Köche verderben den Brei. Zu viele Kanäle die Kommunikation.


Zur Person: 

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