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Zu später Test gilt als Ursache für viele Infektionen

Kreis zu Corona-Ausbruch im St-Hedwig-Stift: Eine Pflegekraft mit Symptomen wollte, dass ihr Hausarzt einen Abstrich nimmt. Der hielt das für nicht erforderlich.

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Rechtzeitige Abstriche sind wichtig: Wird ein Corona-Test erst Tage nach Auftreten der Symptome vorgenommen, kann das fatale Folgen haben. Foto: dpa/Bockwoldt

Rechtzeitige Abstriche sind wichtig: Wird ein Corona-Test erst Tage nach Auftreten der Symptome vorgenommen, kann das fatale Folgen haben. Foto: dpa/Bockwoldt

Der massive Corona-Ausbruch im Altenheim St.-Hedwig-Stift in Vechta hat seine Ursache "mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit" darin, dass ein Hausarzt erst nach tagelanger Verzögerung einen Test auf das Virus bei einer Pflegekraft mit Symptomen vorgenommen hat. Das ergebe sich aus den Recherchen, sagt die Leiterin des Gesundheitsamtes des Landkreises Vechta, Sandra Guhe.

Demnach habe sich eine Pflegekraft, die nicht im Landkreis Vechta wohnt und am 22. September zuletzt im Dienst war, zwei Tage darauf wegen Symptomen in einer Hausarztpraxis gemeldet. Sie habe zudem erklärt, im Pflegebereich zu arbeiten. Der Arzt habe keinen Test für erforderlich gehalten.

Nach weiterer Frage verwies der Arzt am Freitag auf Montag

Die krankgeschriebene Frau habe am 25. September in der Gemeinschaftspraxis erneut nach einem Test gefragt, da auch ihr Arbeitgeber ein negatives Testergebnis für die Rückkehr zum Dienst einforderte. In der Praxis habe einer der Mediziner die Frau auf Montag (28. September) verwiesen. Der Test erfolgte schließlich, das Ergebnis lag Dienstagabend vor: "positiv".

Am nächsten Tag wusste laut Guhe die Heimleitung Bescheid, habe den Landkreis informiert. Das Krisenmanagement begann. Guhe sagt: Wenn der Hausarzt die Frau früher getestet hätte, hätte das Geschehen vorher entdeckt werden können. "Es wäre dann nicht zu einer solch massiven Ausbreitung gekommen. Davon bin ich überzeugt."

"Wir wollen aufzeigen, dass es sinnvoll und wichtig ist, so früh wie möglich Personen mit Symptomen zu testen, die in solchen sensiblen Bereichen tätig sind."Sandra Guhe, Leiterin des Kreisgesundheitsamts

Im St.Hedwig-Stift gab es Infektionen bei 38 Bewohnern und 26 Pflegekräften. Drei Menschen starben. Die infizierten Kontaktpersonen hinzugerechnet, gab es im Zusammenhang mit dem Ausbruch im Heim 75 Corona-Fälle. Guhe: "Wir wollen aufzeigen, dass es sinnvoll und wichtig ist, so früh wie möglich Personen mit Symptomen zu testen, die in solchen sensiblen Bereichen tätig sind."

Das Verhalten des Arztes der Frau sei kein Einzelfall gewesen, sagte Guhe. Das sei auch mit Blick auf eine Pflegekraft einer anderen Einrichtung passiert. Außerdem: Auch über das Bürgertelefon des Landkreises  gingen Meldungen ein, dass vergeblich beim Arzt nach einem Test gefragt wurde. Die Betroffenen hätten sich drei, vier Tage später an Privatlabore gewandt - und seien "positiv" gewesen.

Guhe fordert Hausärzte auf, dem Kreis zuzuarbeiten

Guhe sieht hier "Defizite" im Verhalten von Ärzten. "Für uns ist es ganz, ganz wichtig zu wissen, wann jemand positiv ist", betont sie.  Wer vom Virus befallen sei, der sei ein, zwei Tage vor dem Beginn der Symptome infektiös.  "Wir müssen schnellstmöglich recherchieren können, um Menschen in Quarantäne zu versetzen. Zeit ist Gold wert", mahnt Guhe. Und sie führt aus: "Wir sind darauf angewiesen, dass die Hausärzte uns da zuarbeiten und die Symptomatischen testen." Das sei Sache der niedergelassenen Ärzte. "Es ist wichtig, dass das auch funktioniert. Sonst werden wir viele Neuinfektionen nicht mitkriegen oder sehr, sehr spät."

"Die Konsequenz muss sein, dass Menschen, die im Rahmen der Pflege arbeiten, auch bei leichten Symptomen unbedingt getestet werden, auch wenn es medizinisch für die Behandlung nicht notwendig ist."Dr. Stefan Krafeld, Kreisstellenvertreter der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN)

Auch der Kreisstellenvertreter der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN), Dr. Stefan Krafeld aus Lohne, appellierte an die Hausärzte: "Die Konsequenz muss sein, dass Menschen, die im Rahmen der Pflege arbeiten, auch bei leichten Symptomen unbedingt getestet werden, auch wenn es medizinisch für die Behandlung nicht notwendig ist." Das betreffe jegliches Personal aus Alten- und Pflegeheimen, Kliniken und der ambulanten Versorgung. Es sollte "sofort getest werden" bei leichten Symptomen, "damit man die Umgebung schützen kann". Krafeld plädiert auch dafür, im Bereich der Schule so zu verfahren.

„Aus dem Geschehen im Frühjahr hätte man schon ableiten können und müssen: Eine Testung steht im Vordergrund zur Prävention von Infektionen.“Peter Schulze, Vorstand St.-Hedwig-Stiftung

Auch Peter Schulze, Vorstand der St.-Hedwig-Stiftung fordert: "Es muss in den hausärztlichen Regelbetrieb aufgenommen werden, dass Beschäftigte aus dem Pflegebereich bei kleinster Erkältungssymptomatik getestet werden."

Schulze betont: „Aus dem Geschehen im Frühjahr hätte man schon ableiten können und müssen: Eine Testung steht im Vordergrund zur Prävention von Infektionen.“ Auch er sagt: "Wenn unsere Mitarbeiterin frühzeitig getestet worden wäre, hätten wir den Ausbruch zwar nicht verhindert, aber das Ausmaß wäre weitaus geringer gewesen." 

Er sei der Mitarbeiterin dankbar für ihr Verhalten, sagt Schulze.  Er erklärt: "Unsere Mitarbeiter haben die Anordnung, bei Erkältungsanzeichen sofort mit der zusätzlich eingerichteten Koordinierungsstelle der St.-Hedwig-Stiftung Kontakt aufzunehmen wie auch beim Hausarzt sich testen zu lassen."

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