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Zu Besuch bei einem, der für Aufbruch steht

Seit einem Jahr ist Alexander Senk Kaplan in Lohne. Er will Menschen zu Jesus führen - und scheut nicht davor zurück, alte Zöpfe abzuschneiden.

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Mit Selbstvertrauen und Gelassenheit: Seine Erfahrungen aus der Sozialarbeit und der Pflege prägen Kaplan Alexander Senk. Foto: Ebert

Mit Selbstvertrauen und Gelassenheit: Seine Erfahrungen aus der Sozialarbeit und der Pflege prägen Kaplan Alexander Senk. Foto: Ebert

Hell und aufgeräumt wirkt die Wohnung von Alexander Senk in der Lohner Innenstadt. Moderne Farben, zeitgenössische Möbel und geschmackvolle Gemälde empfangen den Besucher. Im Wohnzimmer gibt es neben einem Bücherregal und einem alten Kirchenfenster aus Friesoythe eine gut sortierte Sammlung an Whiskys zu entdecken.

Auf den ersten Blick verrät wenig, dass diese Räume von einem Priester bewohnt werden. Doch das ist Senk und zwar seit Pfingsten 2019, als er die Priesterweihe empfing. Seit nunmehr einem Jahr ist er als Kaplan in Lohne. Wie hat er diese Zeit erlebt? Und wer ist eigentlich der junge Mann am Altar?

Das Frühjahr 2020 wird auch dem jungen Priester in Erinnerung bleiben. "Darauf waren wir nicht vorbereitet", sagt Senk - und meint natürlich die Corona-Pandemie mit all ihren Folgen auch für das  Kirchliche. "Ich habe in diesem Jahr für 2 weitere Jahre mitgelernt", sagt der 32-Jährige mit Blick auf Verwaltung und Organisation von Gemeindeleben.

Was bringt einen wie Senk zu dieser ungewöhnlichen Berufswahl?

Zugleich bedauert er, dass wichtige "Kontaktpunkte" mit der Gemeinde, aber auch der Stadtgesellschaft weggefallen seien: Die Kommunionvorbereitung wurde abgebrochen, Ostern, Pfingsten und Fronleichnam wurden nur ganz klein gefeiert. Auch soziale Events wie das Lohner Schützenfest fielen aus - das betrübt Senk, der in seiner Zeit als Praktikant und Diakon in Xanten selbst zum Schützenbruder geworden ist.

Bevor er ins Priesterseminar in Münster eintrat, studierte der gebürtige Coesfelder in Münster und im irischen Cork Soziale Arbeit. Das passte ins Bild: Schon während des Fachabiturs hatte er ein einjähriges Praktikum in der Altenpflege gemacht. Doch im Alter von 23 Jahren folgte doch noch der Eintritt ins Priesterseminar. Was bringt einen wie Senk zu dieser heute ungewöhnlichen Berufsentscheidung?

Erstmals überlegt, Priester zu werden, habe er schon während seiner Jugend, sagt Senk. Doch er ist froh, dass er zunächst "als junger Mann erwachsen" werden und die Freiheit als Student erleben konnte, sagt er. Bei seinem Aufenthalt in Irland, wo er auch als Sozialarbeiter tätig war, habe er aber gemerkt: "Meine Sozialarbeiter-Antworten reichen nicht". Dort sei er mit fundamentalen Fragen nach dem Sinn des Lebens und dessen Ende konfrontiert gewesen – und mit dem Missbrauch, den viele Iren durch Kirchenmänner und -frauen erlebt haben.

Das schreckte Senk, der nach eigenen Angaben in einer "offenen und liberalen Gemeinde" aufwuchs und dort auch Organist, Messdiener und Chormitglied war, nicht vom Kirchendienst ab, sondern motivierte ihn: "Das kann ich besser", habe er sich damals gedacht, und wenn er das heute sagt, klingt das nicht abgehoben, sondern entschieden.

"Die Botschaft Jesu ist stärker als das, was unser Personal manchmal daraus macht."Kaplan Alexander Senk

Also ging er den Weg ins Priesterseminar, begleitet von prüfenden und teils kritischen Nachfragen von Freunden und Eltern. Doch Senk war sich sicher: "Die Botschaft Jesu ist stärker als das, was unser Personal manchmal daraus macht."

Was heißt das konkret? Senk macht klar, dass ihm die Seelsorge sehr wichtig ist: Gerade bei der Begleitung von Trauernden erlebt er intensive Begegnungen und auch die Spendung der Sakramente liegt ihm sehr am Herzen. 

Zugleich betont er aber: "Ich sehne mich nach einer befreiten Kirche" - befreit von Machtgehabe, von manchen alten Strukturen und Traditionen. Etwa, was das Verbot der Weihe von Frauen angeht: Da hat Senk seine Fragen. Und er sagt auch klar: Durch Verbrechen wie den sexuellen Missbrauch und seine Vertuschung habe die Kirche "ihren Anspruch auf moralische Autorität teilweise verwirkt". 

Zentral für ihn sei deshalb künftig nicht, die Menschen in die Kirche zu kriegen, sagt er,  sondern die Frage: "Wie kann ich am besten dafür sorgen, dass das Evangelium weiter erzählt wird?"

Wo die Säkularisierung anderen Angst macht,  sieht Senk eine Chance

Passt diese Philosophie nach Lohne? Senk glaubt Ja. Er erlebe hier eine starke Kirche: Viele Traditionen seien noch lebendig, ebenso das kirchliche Leben. Auch habe die Kirche "große Ressourcen". Trotzdem ist der 32-Jährige sich sicher: Die Säkularisierung, die in ganz Europa voranschreitet, wird auch vor Südoldenburg nicht Halt machen.

Dadurch müsse das Evangelium "seinen Platz in der Gesellschaft neu finden", meint der Geistliche. Wie genau das aussehen wird, weiß auch er nicht. Aber er ist sich sicher: In diesen Entwicklungen liegt eine Chance. Und: Das große und vielfältige Lohner Pastoralteam arbeite "auf der Höhe der Zeit".

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