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Zirkus Artistikka will hoch hinaus

Neid, Angriffe, Polizeikontrollen – durch die Pandemie kam die gemeinnützige Organisation nicht leicht. Doch das entmutigt sie nicht: In Essen (Oldb.) soll ein weiterer Standort entstehen.

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Nachwuchsakrobaten gemeinsam in Aktion: Diese Kinder bilden eine Pyramide.  Foto: Fromm

Nachwuchsakrobaten gemeinsam in Aktion: Diese Kinder bilden eine Pyramide.  Foto: Fromm

Der 2019 gegründete gemeinnützige Kinder- und Jugendzirkus Artistikka hat den Widrigkeiten der Kontaktbeschränkungen in der Corona-Pandemie getrotzt. Dazu beigetragen haben viele Eltern, die während des Lockdowns ihre Beiträge von knapp 30 Euro im Monat weiter entrichtet haben, und Firmen, die in den artistischen Aktivitäten der Eheleute David und Lana Ebel einen Beitrag zur Stabilisierung dutzender Kinder und Jugendlicher sehen.

„Die vergangenen 2 Jahre waren schon heftig“, resümiert Geschäftsführerin Lana Ebel, die gemäß ihrer Selbsteinschätzung während der Pandemie über sich selbst hinausgewachsen sei, in einer Presseinformation. Die 31-Jährige, die einst Mathematik und Psychologie auf Lehramt studiert hat, verantwortet die Finanzen des Zirkus, der aus kleinsten Anfängen seit 2013 aus Artistik-Workshops für Kinder und erlebnispädagogischen Angeboten für Schulklassen zur gemeinnützigen Institution gereift ist. Die gGmbH beschäftigt mittlerweile drei Hauptamtliche und etliche Übungsleiter.

Gerade rechtzeitig vor der vermutlich größten Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit erlangte der Zirkus, der ursprünglich unter „Chabernaq“ firmierte und in dem die Eheleute als Studenten für kleines Geld Auftritte bei Stadtfesten und Hochzeiten hatten, im Herbst 2019 seine Gemeinnützigkeit. Diesen Status habe er bekommen, weil schon damals das Gros der Aktivitäten Ferien- und Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche aus der Region ausmachte, sowie wöchentliche Kurse in Akrobatik, Breakdance oder Jonglage, die am ehesten mit den Angeboten von Tanzschulen vergleichbar sind, heißt es in der Mitteilung weiter.

„Wir haben uns immer als Kooperationspartner von Vereinen verstanden und werden vielfach von denen angefragt.“Lana Ebel

Geschäftsführerin Ebel, die selbst immer wieder in der Manege steht und etwa die Frühförderung für Kinder ab 2 Jahren verantwortet, erläutert: „Wir haben uns immer als Kooperationspartner von Vereinen verstanden und werden vielfach von denen angefragt.“ Umso heftiger hätten sie und ihr Mann David (32), ein Diplom-Pantomime, der selbst einarmig Handstände vollführt und Feuershows choreografiert, während der Pandemie Neid und Angriffe ob ihrer legalen und mit dem Gesundheitsamt besprochenen Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche erfahren. Sogar die Polizei habe man den Artisten in die Dammer Turnhalle geschickt, wo die Akrobaten seit Jahren ein Belegungsrecht haben. Dort hatten die Macher einen Parcours mit zehn Stationen aufgebaut, an denen jeweils ein Kind üben konnte. Alles coronakonform, wie Ebel betont. 

Pandemiebedingt lag der Umsatz der gGmbH 2021 nur etwas über 50.000 Euro, davon entfielen gut 40 Prozent auf Spenden und Sponsoren. Dafür aber professionalisierte das Management parallel seine Strukturen. So kam eine Halbtagskraft im Büro hinzu, die Lana Ebel entlastet. Diese befasste sich umso mehr mit Förderanträgen und Marketing. Die Folge: Es flossen vermehrt Gelder von Stiftungen und öffentlich-rechtlichen Stellen. Und in drei Kommunen über Damme hinaus geben die Artisten und Jugendgruppenleiter im laufenden Jahr zusätzlich Kurse an Schulen und bei Vereinen.

Durch Verantwortung wächst das Selbstwertgefühl der Kinder

Herzstück des Erfolgs seien aktuell 200 Familien sowie zwei Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe, die geschlossene Kurse für ihre Bewohner bei Artistikka buchten. ,,David erreicht sie alle“, sagt Lana über ihren Mann, mit dem sie eine 8-jährige Tochter hat. Aktuell seien zudem ein Dutzend 13- bis 16-Jähriger sogenannte Teamer, die die Erwachsenen in den Kursen und Projekten unterstützten und bei Shows und Auftritten mitwirkten. „Indem wir den Teenies Verantwortung übertragen, wächst deren Selbstwertgefühl“, sagt Lana Ebel.

Aktuell entstehe ein Onlinekurs für Jonglage, mit dem Jugendliche autodidaktisch zu Hause trainieren können. Perspektivisch seien drei 5-tägige Workshops für je 70 Kinder geplant, in denen eine Show für den Abschlussnachmittag erarbeitet wird. Neben Akrobatik gebe es dann Workshops für Kostümbildner, Musikbegleitung, Bühnenbild und Marketing, um die Show zu bewerben.„Wir haben renommierte Workshopleiter, etwa vom Starlight Express in Bochum oder von Berliner Bühnen“, so Ebel.

Für diesen Sommer habe das Jugendamt Vechta das Ensemble am Dümmerheim für 11- bis 17-Jährige gebucht. Auch eine Tagesbetreuung für 6- bis 12-jährige mit Aktivitäten solle stattfinden. Schließlich läuft im 35 Kilometer entfernten Essen (Oldb.) ein Verfahren, bei dem sich Artistikka um einen weitläufigen Zeltplatz als Pächter bewirbt. Den Gemeinderat der 9000-Einwohner-Kommune wolle man überzeugen, hier neben ihren acht bereits vorhandenen Bauwagen für je vier Schläfer dauerhaft ein Zirkuszelt errichten zu dürfen. Wie in Damme sollen dann lokal kontinuierlich Angebote gemacht werden.


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